Boorberg Verlag

Sicherheit trotz Fachkräftemangel

11.04.2018

Zusammenarbeit zwischen Polizei und Privaten Sicherheitsunternehmen

„Akuter Personalmangel bei der Polizei“ – immer mehr Brennpunkte, aber zu wenig Polizeikräfte heißt es ständig in den Medien. Generell herrscht ein Fachkräftemangel in Deutschland: Bis 2060 wird sich die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland um rund 12 Millionen Personen reduzieren. Etwa 0,56 Prozent sind davon 2016 im Privaten Wach- und Sicherheitsgewerbe angestellt, 10.876 Polizeivollzugsbeamte sind in Sachsen und 268.175 im Landesbereich beschäftigt.

In Zeiten des Terrors ist der Aufschrei nach mehr Sicherheit auch in öffentlichen potentiellen Gefahrenherden groß. Länder, Kommunen und Unternehmen aus dem Sicherheitsgewerbe optimieren durchgehend Sicherheitskonzepte, die Sicherheitsmitarbeiter arbeiten dauerhaft auf Hochtouren und Personal wird stetig aufgestockt.

Recruiting und Mitarbeiterausfall machen den öffentlichen Organen und privaten Sicherheitsdienstleistern zu schaffen, schärfen allerdings die gemeinsame Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung. Wie das zwischen Polizei und privaten Sicherheitsunternehmen aussehen kann, stellen wir Ihnen am Beispiel Sachsen vor.

Zusammen im Interesse der Bürger

Das Fundament: eine Grundsatzerklärung. Diese besteht in bereits sieben Bundesländern (Bayern, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen) zwischen Polizei und den jeweiligen Landesgruppen des BDSW und beinhaltet den rechtlichen Rahmen, Aufgabentrennung zwischen privat und öffentlich sowie Organisatorisches zur Zusammenarbeit.

Was zunächst trocken klingt, erleichtert die Arbeit im Auftrag der Sicherheit ungemein. Wolfgang Kießling vom Sächsischen Staatsministerium des Innern (SMI) lobt die daraus hervorgehende Kooperation: „In der täglichen Arbeit gibt es schon seit längerer Zeit eine sehr enge und gute Zusammenarbeit.“

In Sachsen existiert die Grundsatzerklärung seit Februar 2002. Im Jahr 2016 wurde diese zuletzt neugefasst zwischen dem SMI und dem BDSW, Landesgruppe Sachsen. Der Kern der Unterstützung durch die privaten Sicherheitsunternehmen gegenüber der Polizei liegt dabei im „Beobachten – Erkennen – Melden“ von sicherheitsrelevanten Vorkommnissen. Ziel ist es, im Interesse der Bürger die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu verbessern und zu ergänzen. Andreas Paulick, Geschäftsführer vom BUNDESVERBAND DER SICHERHEITSWIRTSCHAFT (BDSW), fügt hinzu: „Seit 2002 wurden 4.242 melderelevante Ereignisse von Sicherheitsunternehmen an die Polizei weitergeleitet. In über 8.000 Fahndungsmeldungen zu Personen wurden seitens der Polizei die privaten Sicherheitsdienstleister einbezogen. Wir sprechen hier von einer hervorragenden Zusammenarbeit“.

Sachsen als Vorreiter

Im Interview mit Uwe Voigt, Polizeisprecher der Polizeidirektion Leipzig, erfahren wir mehr über die gegenseitige Unterstützung zwischen privaten Sicherheitsdienstleistern und der Polizei. Und auch er ist sehr zufrieden: „Sachsen ist in Sachen Zusammenarbeit ein Vorreiter“. Damit meint er nicht nur die gemeinsamen Einsätze, auch den gegenseitigen Wissensaustausch. Im September 2017 beispielsweise fand erstmals ein Vortrag in der Leipziger Polizeidirektion statt, der Einblick in die Einsätze aus Sicht der privaten Sicherheitsunternehmen gewährte. In Zusammenarbeit mit dem BDSW kam es zu diesem Projekt, zu dem auch gegenseitige Besuche gehören, z. B. der Einsatz – und Lagezentren der Polizei sowie der Alarmempfangsstellen/Notruf- und Serviceleitstellen der Sicherheitsdienstleister.

Voigt befürwortet Projekte derart auch auf bundesweiter Ebene, das Potential sei da. Auch für verbesserte Schulungsmaßnahmen im Sicherheitsdienst als Qualitätsmerkmal spricht er sich unterstützend aus.

Praxisbeispiel Leipzig

Leipzig ist aufgrund des hohen Demonstrationsgeschehens, vielen kulturellen Angeboten sowie Fußballspielen in der Bundesliga und Champions League stark in Sachen Sicherheit und Ordnung gefordert. Trotz des hohen Stressaufkommens sei die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Security in den Einsätzen vorbildlich, wie der Polizei-Pressesprecher berichtet. „Hier greift ein Rädchen ins andere, wir haben einen gut funktionierenden Führungsstab, in dem immer ein Vertreter der beteiligten Behörden sitzt und lenkt. Für die sehr gut besuchten Fußballspiele kommen wir monatlich zu einem Plenum zusammen, während der Halbzeiten findet eine Besprechung für Feedback und weitere Vorbereitungen statt. Die Kommunikation klappt wunderbar, auch zwischen Beamten und den privaten Sicherheitsmitarbeitern, z. B. bei Einlasskontrollen. Im Nachgang gibt es immer detaillierte Auswertungen. Wir sind in Leipzig sehr zufrieden. Verbesserungen gibt es aber immer noch.“

Prognose: die Personalsituation

Alle Interviewpartner sehen in der Zusammenarbeit zwischen Polizei und privaten Sicherheitsunternehmen eine dringende Notwendigkeit. Wichtig sei hierbei aber die Berücksichtigung der Aufgabentrennung untereinander, wie sie auch in der Grundsatzerklärung festgeschrieben ist.

Laut Voigt wird sich, entgegen der medialen Darstellung, die Personalsituation bei der Polizei in den kommenden Jahren wieder verbessern. Der Polizeiberuf ist ungebrochen sehr gefragt, für die Ausbildung wurde verstärkt Personal eingestellt. Bis 2021 erholt sich die Lage demnach. Die gegenseitige intensive Unterstützung soll aber auch zukünftig eine tragende Säule in der Sicherheit sein.

Problem seien eher falsche Vorstellungen vom Beruf und unzureichende Vorbereitung. Ähnlich die Lage bei den privaten Sicherheitsunternehmen. Hier fehlt es noch an Wissen über die Einsatzmöglichkeiten, Inhalte und Bildungsangebote, die sehr facettenreich sind.

Transparenz – ein Schlagwort, das für ein verbessertes Recruiting in der Sicherheit eine entscheidende Rolle spielen wird.

 

Quelle: SECmarket vom 2018-02-07

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Autor: Kretzschmar, Bettina

Anlass: Sächsische Grundsatzerklärung

„Akuter Personalmangel bei der Polizei“ – immer mehr Brennpunkte, aber zu wenig Polizeikräfte heißt es ständig in den Medien. Generell herrscht ein Fachkräftemangel in Deutschland: Bis 2060 wird sich die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland um rund 12 Millionen Personen reduzieren. Etwa 0,56 Prozent sind davon 2016 im Privaten Wach- und Sicherheitsgewerbe angestellt, 10.876 Polizeivollzugsbeamte sind in Sachsen und 268.175 im Landesbereich beschäftigt.

Sachbereich: A3 Aktuelles und Grundlagen - Sonstige Rahmenbedingungen


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