Boorberg Verlag

Deeskalative Kommunikation im Polizeieinsatz

05.12.2017

Einleitung

Unter Kommunikation wird in aller Regel ein Austausch von Nachrichten verstanden.

Nach den Erkenntnissen der Kommunikationswissenschaften (siehe insbes. Schulz von Thun und die Axiome von Watzlawick) werden vom Sender neben Sachbotschaften aber auch Gefühlsbotschaften transportiert und von den Betroffenen (Empfänger) entsprechend registriert.

Das heißt, dass dies zur überzeugenden Kommunikation, insbesondere bei der Anwendung deeskalativer Kommunikationstechniken, zu berücksichtigen ist.

Hiermit kann dann z. B. erreicht werden, dass Betroffene Abwehr- und Widerstandhandlungen aufgeben bzw. dass sich der­artige Abwehrhandlungen nicht entfalten können. Es geht bei der Deeskalation in diesem Sinne darum, weitgehend konflikt­ und gewaltfrei polizeiliche Pflichten erfüllen zu können.

Kommunikation ist aber mehr als nur das gesprochene Wort!

Neben sprachlichen Fähigkeiten kann eine Kommunikation auch durch die Wirkung des ersten Eindrucks, von nonverbalen Signalen (Gestik, Mimik, Blickkontakt u. a.), von einer räumlichen Gesprächsdistanz sowie hinsichtlich einer emotionalen Selbstbeherrschung der Einsatzkräfte beeinflusst werden.

Hierzu sind Grundbefähigungen und Kenntnisse erforderlich sowie sinnvolle Handlungs- und Kommunikationskonzepte von Einsatzkräften und im Einsatzteam anzuwenden.

Grundlegende Kenntnisse

Kenntnisse zur Wirkung des ersten Eindrucks und zu Konflikten mit Eskalationspotenzial sind für eine erfolgreiche Kommunikation unerlässlich.

Emotionale Selbstbeherrschung

Hierbei geht es insbesondere darum, eine ungünstige Emotionalität (Ärger, Empörung, Wut, Rache) nicht handlungsleitend werden zu lassen. Konzepte hierzu sind:

Selbstreflexion

Erkennen eigener emotionaler Erregung an sprachlichen und körperlichen Erscheinungen (Stottern, hoher Puls, Lautstärke, Blickfixierung, Atem angehalten u. a.).

Selbstkorrektur - insbesondere sich selbst stabilisieren

  • »Auch wenn« - Denken: Auch wenn der/die provoziert, mich beleidigt etc., ich bleibe ruhig und lasse mich nicht zu unkorrekten Dingen verleiten.
  • Ich am Anfang eines Satzes vermeiden: Damit positioniert man sich als Teil des Konfliktes. Besser: Mit deeskalierender Sachrhetorik argumentieren: »Der Grund der Kontrolle war, dass Sie... « Ggf. mit Verständnisrhetorik anreichern.
  • Blickfixierung vermeiden.

Es gibt auch Empfehlungen, bei Beleidigungen, Respektlosigkeit u. a. Derartiges mit einem dicken Fell zu überhören. Dazu gibt es die Ansicht, dass Polizeikräfte mehr ertragen müssen als andere Personen.

Kommunikativer Giftschrank

Insbesondere in Streitgesprächskonstellationen und zum Erhalt des Gesprächs sollten folgende Verhaltensweisen und rhetorische Wendungen vermieden wer­den:

  • Gesprächspartner nicht anzuschauen - das wirkt provozierend und unhöflich.
  • Besserwisser-Argumente: »Ich weiß das besser« - das heißt: Du bist dumm.
  • Logik-Argumente: »Das ist doch logisch/unlogisch.« Bei Kritik Substantive (Lügner) oder plakative Zuschreibungen (Sie lügen) vermeiden. Das verträgt kaum jemand widerspruchslos. Besser: Negativ-positiv-Kombination praktizieren, z.B.: »Das ist nicht richtig!«
  • Gesprächskiller sind: ins Wort fallen/­Ruhe einfordern: »Jetzt rede ich/Sie sind jetzt ruhig«, u. Ä.

Zur Verabschiedung

Bei der Verabschiedung des Betroffenen nach Einsatzmaßnahmen sollte Rücksicht auf dessen angespannte Gefühlslage genommen werden. Deshalb wird empfohlen: Höfliche Verabschiedung mit »Auf Wiedersehen«.

Praxishinweis:

Aufgezeigt wurden Grundstrukturen einer deeskalativen Kommunikationskompetenz. Für umfassende Erläuterungen und Konzepte wird auf folgendes Buch verwiesen: Hücker, Rhetorische Deeskalation, 4. Auflage, 2017, Stuttgart.

Dies ist ein aktueller Auszug aus: „Deutsches Polizeiblatt“ 5/2017 (DPolBl), S. 2 – 4 des RICHARD BOORBERG VERLAGES, ISSN 0175-4815.

Autor: Hücker, Fritz leitender Kriminaldirektor a. D

Anlass: Deeskalative Kommunikation

Der Beitrag befasst sich mit grundlegenden kommunikativen Befähigungen, um im Sinne einer Deeskalation weitgehend konflikt- und gewaltfrei polizeiliche Pflichten erfüllen zu können. Hiermit kann dann z. B. erreicht werden, dass Betroffene Abwehr- und Widerstandhandlungen aufgeben bzw. dass sich derartige Abwehrhandlungen nicht entfalten können.

Sachbereich: B2 Prävention - Organisations- und Führungskonzepte

Schlagwörter: Deeskalative , Kommunikation


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