Boorberg Verlag

Erwerbstätige Rentner sind bei Kündigungen weniger schutzbedürftig

06.11.2017

Immer mehr Menschen arbeiten im Rentenalter weiter. Dies schließt nicht aus, dass auch sie eine Kündigung treffen kann. Wie jetzt das Bundesarbeitsgericht in Erfurt entschied, sind solche Arbeitnehmer im Falle einer Kündigung aber weniger schutzbedürftig als jüngere Kollegen. Denn erwerbstätige Rentner würde die Kündigung weniger hart treffen; sie haben ja bereits einen Anspruch auf Regelaltersrente, urteilten die Erfurter Richter.

Risiken für ältere Arbeitnehmer

Im entschiedenen Fall hatte der Arbeitgeber die Entscheidung getroffen, einen seiner Mitarbeiter zu kündigen und schließlich den ältesten Mitarbeiter ausgewählt, einen erwerbstätigen Rentner, der nach Eintritt des Regelrentenalters bei dem Arbeitgeber weitergearbeitet hatte. Die Auswahl begründete der Arbeitgeber damit, der Mitarbeiter sei aufgrund seines Alters weniger sozial schutzbedürftig.

Bei betriebsbedingten Kündigungen muss der Arbeitgeber, wenn mehrere Arbeitnehmer in Betracht kommen, eine Auswahl treffen, die sogenannte Sozialauswahl. Laut Kündigungsschutzgesetz ist dabei das Lebensalter ein besonderes Auswahlkriterium. Hintergrund dieser Regelung ist, dass das Risiko, keinen neuen Arbeitsplatz zu finden, für ältere Arbeitnehmer größer ist als für jüngere, und dass jüngere Arbeitnehmer flexibler sind als ältere.

Arbeitnehmer mit Rentenanspruch

Hierauf berief sich auch der Arbeitnehmer im entschiedenen Fall. Es handelt sich um einen in einem Arbeitgeberverband beschäftigten juristischen Mitarbeiter, dem der Verband betriebsbedingt gekündigt hatte, weil die Zahl der zu bearbeitenden Gerichtsverfahren deutlich zurückgegangen war. Von den fünf im Verband beschäftigten juristischen Mitarbeitern fiel die Wahl auf den Rentner, weil dieser, wie der Arbeitgeber meinte, durch den Bezug einer Regelaltersrente wirtschaftlich abgesichert sei. Der Mitarbeiter sah das anders. Gerade wegen seines hohen Alters sei er besonders schutzbedürftig

Wie jetzt die Erfurter Richter entschieden, gilt Besonderes im Fall von rentenberechtigten Arbeitnehmern. Hinsichtlich des Auswahlkriteriums „Lebensalter“ seien diese aufgrund des Bezugs einer Regelaltersrente als deutlich weniger schutzbedürftig anzusehen als jüngere Kollegen.

Bei Arbeitnehmern ohne Rentenanspruch, so die Richter, bestünde die Gefahr, dass sie durchgehend oder für größere Zeiträume beschäftigungslos bleiben und damit mittel- bzw. langfristig auf den Bezug von Entgeltersatzleistungen und etwaigen staatlichen Unterstützungsleistungen angewiesen seien. Arbeitnehmern, die Rente beziehen, stünde demgegenüber dauerhaft ein Ersatzeinkommen für das zukünftig entfallende Arbeitseinkommen zur Verfügung (Az. 2 AZR 67/16).

 


Siehe auch:
BAG - 2 AZR 67/16

Autor: Buschbeck, Johannes

Anlass: BAG-Urteil

Immer mehr Menschen arbeiten im Rentenalter weiter. Dies schließt nicht aus, dass auch sie eine Kündigung treffen kann. Wie jetzt das Bundesarbeitsgericht in Erfurt entschied, sind solche Arbeitnehmer im Falle einer Kündigung aber weniger schutzbedürftig als jüngere Kollegen. Denn erwerbstätige Rentner würde die Kündigung weniger hart treffen; sie haben ja bereits einen Anspruch auf Regelaltersrente, urteilten die Erfurter Richter.

Sachbereich: D1 Fachspezifische Themen - Arbeitsrecht

Schlagwörter: Rentner, Kündigungsschutz, Regelaltersrente


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