Boorberg Verlag

Übersicht: Bedrohung durch Wirtschafts- und Konkurrenzspionage

12.08.2013 Wirtschaftsspionage

Wirtschaftsspionage

Wirtschafts- und Konkurrenzspionage

Die Gefährdung unserer Wirtschaft ist bekannt, die Beschaffung von Wirtschaftsinformationen als Umschreibung für knallharte Wirtschaftsspionage ist markant. Aber auch die Unternehmen lernen verstärkt das Problem der Konkurrenzspionage kennen.
Der immer härter werdende internationale Wettbewerb lässt mehr und mehr Konkurrenten zu außergewöhnlichen Methoden greifen. Um sich die lebenswichtigen Daten eines Unternehmens zu beschaffen, scheint jedes Mittel recht zu sein. Eine ganze Branche lebt heute im Auftrag der Konkurrenz von der Herstellung, dem Vertrieb und der Anbringung technischer Spionageeinrichtungen oder Hacker-Angriffen auf Corporate Networks, EDV- und ISDN-Anlagen.

Bedrohungslage

Spionage ist heute weniger eine nationale Bedrohung als vielmehr eine Existenzgefährdung für Arbeitsplätze und ganze Unternehmen. Zahlreiche Experten gehen jährlich von einem zweistelligen Milliardenschaden zum Nachteil der deutschen Wirtschaft aus. Wie Untersuchungen zeigen, ist weder die Betriebsgröße noch die Branche ein allgemeingültiges Kriterium für das Ausforschungsrisiko.
Das primäre Interesse der Täter an Preisinformationen, wie Kalkulationen oder Angeboten, zeigt unmissverständlich, dass das Risiko nicht von der Betriebsgröße abhängt. Im Bereich der Produktentwicklung traten bereits Fälle auf, in denen die Konkurrenz Neuentwicklungen vor den bestohlenen Unternehmen auf den Markt brachte. Beliebte Ausforschungsziele sind auch Einkaufskonditionen, Marketingstrategien und Geschäftspolitik.
In Deutschland wurden bereits mehr als die Hälfte der Industriebetriebe mit dem Problem der Spionage konfrontiert.

Abhöreinrichtungen

Es gibt eine Vielzahl drahtloser und drahtgebundener Abhöreinrichtungen. Nach zuverlässigen Insider-Informationen existieren davon allein in Deutschland mehrere Hunderttausend in den Händen Unbefugter. Im Falle semiprofessioneller Angriffe sind dies u.a. getarnte "Mini-Spione" in geschenkten, ausgetauschten und "vergessenen" Gegenständen. Beliebt sind Werbegeschenke, Sammlerstücke, Kunstgegenstände und elektronische Geräte (z.B. PC-Tastaturen und -Mäuse, Taschenrechner oder Handy-Ladegeräte) sowie Gebrauchsartikel (Kugelschreiber, Aschenbecher, Thermoskannen usw.).
Professionelle Angreifer bedienen sich schon immer bevorzugt drahtgebundenen Übertragungstechniken. Die Zweckentfremdung vorhandener Kabel, die Nutzung überzähliger Adern oder die Neuverlegung von Leitungen erfordert zwar einen größeren Montageaufwand, verringert dafür aber die Entdeckungswahrscheinlichkeit bei laienhafter Überprüfung auf ein Minimum. Ein besonderes Risiko besteht bei Neubauten sowie nach Renovierungs-, Umbau- und Wartungsarbeiten.

Vorbeugung, Risikoanalyse und Schutzkonzept

Eine dem Risiko angepasste Vorbeugung ist unverzichtbar. Der Zweck ist, den Aufwand des Angreifers auf ein für ihn inakzeptables Maß zu vergrößern. Voraussetzungen sind in jedem Fall eine Risikoanalyse und ein individuelles Schutzkonzept. Dies setzt sich aus mehr oder weniger baulichen, mechanischen, elektronischen und organisatorischen Maßnahmen zusammen.
Bei der Errichtung abhörgeschützter und abhörsicherer Räume werden z.B. hohe Anforderungen an die Objekt- und Raumsicherung, die Zutrittskontrolle und Gefahrenmeldeanlage gestellt.
Bei Umbauten zur Schalldämmung und Raumschirmung sind Rauschgeneratoren und spezielle Filter mit einem Störsignal sind notwendig.
Zur Absicherung der Telekommunikation dienen hochwertige Chiffriergeräte. Neben der Wahl des Algorithmus (RSA, DES, IDEA usw.) und der Schlüssellänge sind vor allem auch die Herkunft des Produktes und die Hintermänner eines Herstellers entscheidend. Die Auswahl des "richtigen" Chiffriergerätes kann erst nach Klärung der Frage, vor wem man sich schützen muss, getroffen werden.

Maßnahmen zur Schadensminderung

Folgende Maßnahmen bieten sich zur Schadensverminderung an:

  • Strenge Zugangskontrolle für die Entwicklungs-, Versuchs- und Kontrollabteilung des Unternehmens;
  • Kennzeichnung aller Unterlagen wie Tagebuchnummern o.Ä.;
  • Verwahrung der Unterlagen im Panzerschrank und Ausgabe nur an berechtigte Personen und gegen Quittung (Grundsatz: Kenntnis nur, wenn nötig!);
  • Begrenzung der Überstundenleistung durch Meldung von Mehrarbeit an die Sicherheitsabteilung sowie das "Vier-Augen-Prinzip".
  • Verbot, entsprechende Unterlagen mit aus dem Unternehmen hinauszunehmen, bzw. anlässlich von Dienstreisen zuhause oder im Hotelzimmer aufzubewahren;
  • Versand der Unterlagen durch Kurier oder als Einschreib-/Wertsendung.
  • Einrichten einer zentralen Kopierstelle.
  • Anfertigung von Kopien nur auf Anweisung im genehmigten Umfang und nur gegen Quittung;
  • Fotografierverbot in den einschlägigen Bereichen;
  • Zugang von autorisierten Besuchern nur mit schriftlicher Genehmigung und nur gegen Vorzeigen eines entsprechenden Ausweises und nur in Begleitung (z.B. Besucherbetreuungsdienst).

Maßnahmen gegen Diebstahl und Unterschlagung

Gleichgewichtig sind die Maßnahmen gegen Diebstahl und Unterschlagung oder unberechtigtes Entleihen zu sehen. Durch eine permanente, eine Stichtag- oder eine besonders angesetzte Anlassinventur können diese Maßnahmen der Stichkontrolle ergänzt werden.
Betrügerischen Handlungen im Zahlungs- und Warenverkehr lässt sich am zweckmäßigsten in Verbindung mit der Innenrevision begegnen. Dazu gehört aber auch eine eindeutige Festlegung der Bestellungs-Anweisung und sachliche/richtige Zeichnungsbefugnis nach dem Vier-Augen-Prinzip.

Praxishinweise

  • Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht in allen Fragen der betrieblichen Sicherheit und Ordnung, bei Kontrollen vgl. § 87 Abs. 1 Nr. 1 und ggf. Nr. 6 BetrVG.
  • Der Unternehmer kann arbeitsrechtliche Maßnahmen ergreifen, wenn der Arbeitnehmer seinen Pflichten zur Einhaltung der betrieblichen Ordnung und der Sicherheitsvorschriften nicht nachkommt, so z.B. mündliche oder schriftliche Abmahnung, schriftliche Verwarnungen, Kündigung, Klage auf Erfüllung der Verpflichtungen oder Forderung von Schadensersatz.
  • Effektive Kontrollen sollten ständig oder in unregelmäßigen Abständen durchgeführt werden, die präventive Kontrolle kann nicht erzwungen werden.
  • Grundsätzlich liegt es im Ermessen des Unternehmers, ob die Polizei benachrichtigt wird.

Autor: Harnischmacher, Robert F.J.

Anlass: Gefährdung der Unternehmen und Beschaffung von Wirtschaftsinformationen

Ein immer härterer Wettbewerb führt zu außergewöhnlichen Methoden der Wirtschaftsspionage und damit zur Existenzgefährdung von Unternehmen. Mehr als die Hälfte der Industriebetriebe sind damit konfrontiert. Eine Vielzahl von Abhöreinrichtungen steht den professionellen Angreifern gerade bei drahtgebundenen Übertragungstechniken zur Verfügung. Gezielte Maßnahmen zur Schadensverminderung und effektive Kontrollen sind durchzuführen.

Sachbereich: A2 Aktuelles und Grundlagen - Sicherheitsrisiken/Bedrohungen

Schlagwörter: Konkurrenzspionage, Wirtschaftsspionage


-