Boorberg Verlag

Rentenversicherungspflicht für die neuen Minijobs (geringfügig entlohnte Beschäftigung)

12.08.2013 Minijob

Minijob

Rentenversicherungspflicht für die neuen Minijobs

Für neu begonnene Minijobs auf der Basis von 450 Euro gilt seit Jahresbeginn die Pflicht zur Rentenversicherung. Für vor dem Stichtag bestehenden Arbeitsverhältnisse gilt die neue Rentenversicherungspflicht grundsätzlich nicht. Wird jedoch zum Jahresbeginn ein bestehendes Arbeitsverhältnis von 400 auf 450 Euro erhöht, ist gleichzeitig die Rentenversicherungspflicht eingeschlossen.
Die so entstandene Pflicht kann mit einem Beifreiungsantrag gelöscht werden. Dieses aufwendige Verfahren erschwert die Bereitschaft bei Arbeitnehmern, diese Beschäftigungsangebote anzunehmen.

So ist es für die anbietenden Unternehmen von Bedeutung, bei Gesprächen mit potentiellen Bewerbern neben der Rentenversicherungspflicht auch die Vorteile eines neuen Minijobs transparent zu machen:

  • Die Erhöhung auf 450 Euro bleibt in Bezug auf die übrigen Arbeitnehmerbeiträge (Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Pflegeversicherung) zur Sozialversichtung frei
  • Der Eigenanteil des Arbeitnehmers beträgt derzeit 3,9 % (also max. 17,55 Euro pro Monat), während der Pauschalbeitrag von 15% (also max. 67,50 Euro pro Monat) weiterhin vom Arbeitgeber getragen wird.
  • Voraussichtlich sinkt der Beitragssatz zur Rentenversicherung im neuen Jahr und ein geringerer Eigenanteil ist vom Arbeitnehmer zukünftig erforderlich.
  • Es gibt eine Öffnung der Rentenversicherungsleistungen für die neuen Minijobs.

Entgeltbescheinigung

Die rechtliche Basis der Entgeltbescheinigungsverordnung ist § 108 Abs. 3 Satz 1 der Gewerbeordnung. Die Entgeltbescheinigungsverordnung ist seit 1.7.2013 in Kraft und seit diesem Stichtag für alle deutschen Arbeitgeber bindend. Die Entgeltbescheinigungsverordnung löst damit die bis zum 30.6.2013 freiwillig anzuwendende Entgeltbescheinigungsrichtlinie ab.

Zusammenfassende Bewertung

Die Neuerungen auf dem Gebiet der geringfügig entlohnten Beschäftigungen der 450 Euro-Minijobs fordern zwar vom Arbeitnehmer einen Eigenanteil zur Rentenversicherung, jedoch erhält der Versicherungspflichtige den Leistungszugang und kann z.B. höhere Rentenansprüche erwerben oder Wartezeiten für den Rentenbeginn erfüllen. Leider vergrößern sich dadurch bei den anbietenden Unternehmen (Arbeitgebern) die administrativen Tätigkeiten. Sie haben zusätzlich die Aufgabe, die Beschäftigungsart bei den potentiellen Arbeitnehmern transparent zu machen.

Praxishinweise

  • Überprüfen Sie, ob die für die bestehenden geringfügigen Beschäftigungen der Jobs von 450 Euro die Befreiungsanträge gestellt wurden.
  • Überprüfen Sie, ob ihr Abrechnungssystem den zusätzlichen Eigenanteil zur Rentenversicherung richtig erfassen und verarbeiten kann.
  • Informieren Sie Ihre Mitarbeitenden.

Siehe auch:
die minijobzentrale

Autor: Kaiser, Dieter

Anlass: Neuregelung der geringfügig entlohnten Beschäftigung (Minijobs) zum 1.1.2013

Die Minijobs (geringfügig entlohnte Beschäftigung) wurden zum 1. Januar 2013 neu geregelt. Neben der Erhöhung der Entlohnung von 400 auf 450 € monatlich, max. 5.400 € pro Jahr, wurde ebenfalls die Pflicht zur Rentenversicherung bei dieser Beschäftigungsart vereinbart. Zwar ist dadurch die Anteilhabe an den Rentenversicherungsleistung auch auf diese Beschäftigungsart übergegangen, trotzdem befürchten die Unternehmen durch diese Rentenversicherungspflicht um die Attraktivität der neuen Minijobs.

Sachbereich: A3 Aktuelles und Grundlagen - Sonstige Rahmenbedingungen

Schlagwörter: Gehaltsabrechnung, Lohnabrechnung, Minijob, Rentenversicherungspflicht


-