Boorberg Verlag

Raucherecken aus dem Blickwinkel der Unternehmenssicherheit

06.08.2009

Neue Rauchgewohnheiten - neue Risiken

Der Nichtraucherschutz hat durchaus seine Berechtigung. Aber aus Sicherheitsaspekten sind in der praktischen Umsetzung auch deutliche Schattenseiten zu erkennen. Nicht nur Gastronomen, die zuweilen den Verzehr von Gästen, die "nur mal eben eine rauchen wollten", als Verlust abschreiben müssen, sind betroffen.
Auch im betrieblichen Umfeld erwachsen aus der Lust am Nikotin neue Risiken. Kurzum: Rauchen schadet nicht nur der Gesundheit, sondern mitunter auch der Unternehmenssicherheit, und dies aus mehreren Gründen.

Beispiele für Risikolagen

  • Unbefugter Zugang über Raucherbereiche
    Wenn es in Unternehmen üblich ist, dass an einem bestimmten Ort im Freien geraucht wird, wird die relevante Ausgangstür oft aus Bequemlichkeit in beide Richtungen entriegelt oder sogar mit einem Keil versehen. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn wer will schon für eine Zigarettenlänge eine Tür zweimal auf- und zuschließen? Fatal ist eine solche Situation, wenn der Raucherbereich von außen für Externe zugänglich ist. Personen, die nicht zum Unternehmen gehören, können dann auf diesem Wege eindringen.
  • Betreten von Gebäuden
    Auch wenn die Ausgangstür für Eintretende verschlossen ist, ist damit nicht zwingend Sicherheit verbunden. Externe könnten sich z.B. Rauchern, die ihre "Glimmstengel" bereits konsumiert haben und wieder das Gebäude betreten, einfach anschließen.
  • Informationsabfluss
    Raucherecken sind "Kommunikationszentralen", und das in höherem Maße als Kantinen oder Innenflure. Der Personenkreis der Raucher ist mehr durchmischt, als dies sonst der Fall ist. Abteilungszugehörigkeit, Sitzordnungen (in der Kantine) oder Hierarchien spielen eine geringere Rolle; es zählt das gemeinsame, irgendwie auch verbindende "Hobby". Die Atmosphäre ist zudem offener, da das Zusammenstehen begründet ist. Ganz im Gegensatz zu Gesprächen auf Innenfluren, die als "Flurfunk" und "Schwätzen statt Arbeiten" eher negativ bewertet werden. Wer sich als neugieriger Externer unter die Raucher mischt, hat gute Chancen, eine Vielzahl von Informationen zu gewinnen.
  • Leichter Zugang über Raucherflure
    Dasselbe gilt, wenn als Raucherecke ein allgemein zugänglicher Treppenflur genutzt wird. Externe hätten dann auch wiederum die Möglichkeit, sich anderen Rauchern anzuschließen und somit in eigentlich verschlossene Bereiche zu gelangen.
  • Sicherheit der Bereiche für Raucher
    Bei vertraulichen Konferenzen, Tagungen, Meetings sind die Raucher genötigt, einen sicheren bzw. gesicherten Bereich gegen einen unsicheren zu tauschen. Während die Veranstaltungsräume allgemein zumindest gegen unbefugten Zutritt geschützt sind, vielleicht aber auch gegen Lauschangriffe, herrscht in den Raucherecken häufig Nullsicherheit (insbesondere in Hotels etc.). Angreifer wären dumm, wenn sie dies nicht nutzten.

Praxishinweise

Grundsätzlich müssen Besucher stets sichtbar einen Besucherausweis tragen und dürfen sich nur in Begleitung eines Mitarbeiters im Unternehmen bewegen. Nicht zuordnungsfähige Personen sind generell anzusprechen. Das geht auch freundlich, z.B. "Kann ich Ihnen helfen?" oder "Zu wem möchten Sie bitte?"

Im Besonderen:
  • Raucherecken müssen auch unter Sicherheitsaspekten festgelegt werden und dürfen niemals in frei zugänglichen Außenbereichen oder Treppenfluren liegen. Bei Konferenzen etc. müssen die Raucherzonen unbedingt in den zu sichernden Bereich einbezogen werden.
  • Verbote nützen wenig, da sie intern als zusätzliche Diskriminierung der Raucher verstanden werden könnten. Eine "Sicherheitskultur", die in alle Bereiche des Arbeitslebens - und auch in "Privatsachen" wie das Rauchen - hineinwirkt, ist nicht vermittelbar. Stattdessen sollten die Raucherecken attraktiv gestaltet werden (z.B. Möblierung, regelmäßig gereinigte Aschenbecher, Kaffeeautomat), um so dem Aufkommen wilder Raucherzonen vorzubeugen. Entsprechend sollten dennoch trotzdem entstehende wilde Ecken unattraktiv gemacht werden (z.B. kein Leeren bzw. Entfernen der Aschenbecher, ungemütliche Temperaturen und Geruchskulissen).
Unternehmen, die mit bewusst unattraktiven Raucherecken den innerbetrieblichen Nikotinkonsum zurückdrängen wollen, sollten statt dessen Nichtraucherprämien, evtl. in Zusammenarbeit mit den Gesetzlichen Krankenversicherungen ausloben. Das wäre zudem auch i.S. der Unternehmenssicherheit zielführender.

Autor: Klaus-Henning Glitza

Anlass: Rauchen und Unternehmenssicherheit

Raucherecken sind heute in vielen Unternehmen und Behörden gang und gäbe. Sie dienen dem Nichtraucherschutz und einem guten Betriebsklima. Aus dem Blickwinkel der  Unternehmenssicherheit werden sie aber eher selten betrachtet. Dabei sind sie oftmals hochriskante Nullzonen der Sicherheit.

Sachbereich: B2 Prävention - Organisations- und Führungskonzepte

Schlagwörter: Nichtraucherschutz, Rauchen, Zutrittskontrolle


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