Boorberg Verlag

Einbruchhemmung

21.07.2014

Die zuletzt veröffentlichten Zahlen der Kriminalstatistik belegen für Bayern im Jahr 2013 einen Anstieg von 11,8 % auf damit 6385 Fälle. Fast jeder zweite Einbruch (43,4 %) blieb aber im Versuchstadium stecken, weil die Täter gestört (Vorsicht: wachsamer Nachbar) oder von wirkungsvoller Sicherungstechnik abgehalten wurden. Auch bundesweit steigen die Einbruchszahlen.

Erfolge durch Sicherungstechnik in Bayern 2013

Eine Auswertung der Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen in Bayern listet beispielhaft die Erfolge durch Sicherungstechnik auf. In Summe ist in 1603 Fällen belegt, dass Sicherungstechnik geholfen hat, und der Täter „draußen bleiben musste“. Zumindest Pessimisten, die resigniert feststellen: „Wenn einer rein will, dann kommt er auch rein“, sollten damit eines Besseren belehrt werden.

Mechanische Sicherungen sind verbreiteter als Einbruchmeldeanlagen (EMA). Im privaten Bereich ist die Haustür als „Aushängeschild“ des Hauses meist hochwertiger als die Standardfenster. Im gewerblichen Bereich, z.B. Verbrauchermärkten, wird auf Fenster häufig vollständig verzichtet.

Präventionsinitiativen:

„Tag des Einbruchschutzes“

Um die Bürger vor Wohnungseinbrüchen zu schützen, wurde von der Polizei zusammen mit Kooperationspartnern aus der Versicherungswirtschaft, den Industrieverbänden und Errichterfirmen im Herbst 2012 die bundesweite Öffentlichkeitskampagne K-EINBRUCH gestartet. Ziel ist, die Bevölkerung für eine eigenverantwortliche Einbruchsvorsorge zu sensibilisieren, um damit letztlich einen Rückgang der Einbruchskriminalität zu bewirken. Die Schirmherrschaft der Initiative hat Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière übernommen. Zahlreiche Firmen und Verbände sind dem K-EINBRUCH-Netzwerk beigetreten und unterstützen die Initiative.

„Eine Stunde mehr für mehr Sicherheit“ – unter diesem Motto steht auch der im Jahr 2012 von den Partnern ins Leben gerufene bundesweite Tag des Einbruchschutzes. Er findet jährlich am letzten Sonntag im Oktober statt – dem Tag, an dem die Uhren wieder auf die Winterzeit umgestellt werden. Die durch die Zeitumstellung gewonnene Stunde soll dazu genutzt werden, sich über Einbruchschutz zu informieren und in Folge die Sicherheitsempfehlungen der Polizei im Alltag umzusetzen. Rund um den Tag des Einbruchschutzes gibt es deutschlandweit zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen der Polizei und ihrer Kooperationspartner.

Fördermodelle

Beispiel Wien

Die Stadt Wien fördert derzeit den Tausch von Wohnungseingangstüren und erstattet 20 % (max. 400,- €) der Kaufsumme retour bei Kauf einer ÖNORM-geprüften Tür mindestens der Widerstandsklasse 3 (entspricht EN 1627 geprüft und zertifiziert). Nach Ausfüllen eines einfachen Antrags dauert die Überweisung durch die Stadt Wien ca. sechs Wochen. Die Förderung ist für alle Privatkunden möglich, auch für Mieter.

KfW-Förderung (in Planung)

Bereits im Herbst letzten Jahres war der Wohnungseinbruch Topthema der Innenministerkonferenz (IMK) in Osnabrück. Dort wurde ein „Handlungskonzept“ zur Prävention von Wohnungseinbruch beraten, das die Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention und das Programm Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes ausgearbeitet hatten.

Die „Abwrackprämie“ für alte Fenster und Türen wäre danach eine Möglichkeit, den Austausch und damit den Einbau neuer einbruchhemmender Fenster und Türen finanziell zu belohnen. Das vorgestellte Konzept schlägt eine Prämie von 400 € pro Tür und bis zu 100 € pro Fenster vor. Voraussetzung wäre der Einbau geprüfter und zertifizierter einbruchhemmender Fenster nach DIN EN 1627 ab der Widerstandsklasse RC 2. Die Austauschprämie sollte mit einem einfachen Formular erfolgen – unter Vorlage von Rechnungskopie und Zertifikat z.B. der eingebauten Tür. Sollte eine solche Förderung bundesweit kommen, hätte sie allerdings eine nicht unerhebliche Haushaltsrelevanz. Zuletzt war der Presse zu entnehmen, dass einzelne Länder, z.B. Sachsen planen, auf Landesebene dieses Fördermodell aufzugreifen.

Weitere Förderansätze sind z.B. eine Förderung über zusätzliche steuerliche Anreize. Neben der bereits bekannten steuerlichen Förderung von Handwerkerleistungen (Arbeitsleistung) könnten für Maßnahmen zum Einbruchschutz auch die Materialkosten steuerlich geltend gemacht werden.

Am weitesten fortgeschritten ist eine mögliche Förderung über die KfW-Programme. Aktuell ist in der Diskussion, bei den Förderprogrammen „Energetisch Sanieren“ und „Barrieren abbauen“ zusätzlich auch den Einbruchschutz zu fördern. Voraussetzung wären voraussichtlich der Einbau geprüfter und zertifizierter einbruchhemmender Fenster und Türen ab RC 2 gemäß DIN EN 1627 oder bei Zusatzmaßnahmen zum „Barrieren abbauen“ der Einbau von Sicherungstechnik durch Fachfirmen von den Errichternachweisen für mechanische Sicherungseinrichtungen der Landeskriminalämter.

Fördermaßnahmen zum technischen Einbruchschutz in NRW

Das Land Nordrhein-Westfalen fördert seit Januar 2014 mit zinsgünstigen Darlehen u.a. bauliche Maßnahmen zum Schutz gegen Einbruch. Gefördert werden im Förderprogramm „Einbau von Sicherungstechnik“ in NRW:

  • Einbau oder die Nachrüstung von Türen mit Türspion oder Querriegelschloss, die Verriegelung von Fenstern oder Fenster-/bzw. Kellertüren;
  • gefördert werden mit zinsgünstigen Darlehen max. 50 % der förderfähigen Kosten (max. 15.000 € pro Wohnung),
  • effektiver Jahreszins 1 %, für 10 Jahre fest.

Ausblick

Die diskutierten Fördermaßnahmen zeigen auch von Seiten der Politik ein starkes Interesse, etwas gegen den Wohnungseinbruch zu tun. Die Presse informiert aktuell immer wieder mit Sonderseiten über Wohnungseinbrüche und was man dagegen machen kann. Die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen haben derzeit Mühe, den vielen Beratungswünschen von Bürgern zeitnah nachzukommen. Man kann also wirklich vom „Trendthema Einbruchschutz“ sprechen.

Übrigens: geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Produkte (Türen, Fenster) werden auch in den polizeilichen Herstellerverzeichnissen benannt, die bundesweit in den Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen ausgegeben werden und im Internet zu finden sind (www.k-einbruch.de).

Autor: Moosreiner, Josef

Anlass: Vortrag im Rahmen der Rosenheimer Tür- und Tortage 2014

Die zuletzt veröffentlichten Zahlen der Kriminalstatistik für Bayern belegen auch für dieses Bundesland einen Anstieg der Wohnungseinbrüche für das Jahr 2013 von 11,8 %. Aufgeschreckt durch z.B. zahlreiche Presseveröffentlichungen sind viele Hausbesitzer und Bauherren am Thema Einbruchschutz stark interessiert und sollten auf die Option "geprüfte und am besten zertifizierte Einbruchhemmung" rechtzeitig hingewiesen werden. Derzeit wird diskutiert, wie mit einer finanziellen Förderung, z.B. durch die KfW-Bankengruppe zusätzliche Anreize geschaffen werden können.

Sachbereich: A1 Aktuelles und Grundlagen - Sicherheit im Wandel der Gesellschaft

Schlagwörter: Einbruchhemmung, Fenster, Türen, Kriminalstatistik, Bayern

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Fazit Rosenheimer Tür- und Tortage 2014
 
Nachrüstung am Fenster gegen Einbruch
 
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