Boorberg Verlag

Risikobasierte Sensibilisierung zum Schutz vor unberechenbaren Naturgewalten

26.11.2014

Es sollte ein ganz normales Weihnachtsfest werden: Als am Morgen des 26. Dezember 2004 vor der Südwest-Küste Sumatras die Erde bebte, ahnte wohl niemand, welches Martyrium den Menschen in den Küstengebieten des Indischen Ozeans bevorstand. Die darauffolgende Tsunami-Katastrophe gilt bis heute als mit Abstand schwerste seit Beginn der Aufzeichnungen und kostete in Asien und Afrika insgesamt rund 230.000 Menschen das Leben – darunter auch 537 deutschen Staatsbürgern.

 

Die Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean jährt sich in diesem Jahr zum zehnten Mal. Der traurige Gedenktag zeigt eines mit aller Deutlichkeit: Den Gewalten der Natur hat der Mensch in vielen Fällen nur wenig entgegenzusetzen. Das Fatale: Während andere Gefahren wie Krieg oder soziale Unruhen das Resultat eines kontinuierlichen sozialen Prozesses sind und damit in den meisten Fällen bereits weit im Vorfeld prognostiziert werden können, brechen Naturkatastrophen häufig gänzlich unerwartet herein und lassen den Betroffenen kaum Zeit, um sich vor dem herannahenden  Unheil zu schützen. Ohne präventive Vorsorge sind Mitarbeiter damit im Ernstfall auf sich allein gestellt. Während Ortsansässige häufig die bestehenden Gefahren kennen und über die notwendigen Erfahrungen und das entsprechende Wissen verfügen, um schnell und verlässlich reagieren zu können, sieht das bei Reisenden meist gänzlich anders aus. Doch was können Unternehmen tun, um ihre Mitarbeiter im Ausland vor Naturkatastrophen zu schützen?

 

Die Anzahl der Naturkatastrophen steigt

Naturkatastrophen sind ein Thema von stetiger Brisanz: Jedes Jahr kommen durchschnittlich rund 80.000 Menschen durch Naturkatastrophen ums Leben. Statistiken zeigen, dass die Anzahl der weltweiten Naturkatastrophen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Als Ursache hierfür sehen Experten einerseits den fortschreitenden Klimawandel, andererseits auch die stetige Zunahme der Weltbevölkerung. Auch wenn diese statistische Bilanz aufgrund der schmalen Informationsbasis früherer Katastrophen mit Bedacht interpretiert werden sollte, hat vor allem die Zahl der Wirbelstürme, Überschwemmungen und Erdbeben in den vergangenen hundert Jahren deutlich zugenommen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren etwa 57 Prozent der zwischen 1900 und 2003 registrierten Katastrophen auf Wetterereignisse zurückzuführen. Mit einem weltweiten Gesamtschaden von rund 366 Milliarden US-Dollar war 2011 das bisher wirtschaftlich verheerendste Jahr seit der statistischen Erfassung.

 

Laut dem aktuellen Weltrisiko-Bericht der United Nations University ist vor allem in weiten Teilen West- und Zentralafrikas, aber auch Süd-, Ost- und Südost-Asiens das Risiko, Opfer einer Naturkatastrophe zu werden, besonders hoch. Doch auch einige Landstriche Zentral- und Südamerikas gelten als riskant. Unter den zehn gefährlichsten Ländern der Welt finden sich auch die Philippinen, Guatemala und Bangladesch. Zum Vergleich: Deutschland findet sich auf Platz 147 wieder und gilt damit als verhältnismäßig sicheres Land, was die Gefahr von Naturkatastrophen betrifft.

 

Risikobasierte Sensibilisierung

Im Gegensatz zu anderen Risiken können Naturkatastrophen nicht verhindert werden. Lediglich ihre Auswirkungen lassen sich durch entsprechende Schutzmaßnahmen verringern:

  • So setzen Ingenieure in Risikogebieten auf eine erdbeben- oder sturmsichere Bauweise.
  • Auch einem Hochwasser oder einer Flut können bauliche Vorrichtungen vieles entgegensetzen.
  • Im Katastrophenfall können den Betroffenen vor allem effiziente Informations- und Warnsysteme einen überlebenswichtigen Vorsprung verschaffen.
  •  Dabei ist es jedoch von zentraler Bedeutung, dass Reisende etwaige Alarmsignale erkennen und entsprechend deuten können.
  • Welche Fluchtwege kann ich nutzen?
  • Gibt es in der Nähe einen öffentlichen Schutzraum?
  • Wo befindet sich der nächste Sammelplatz?

 

Wer sich derart grundlegende Fragen erst im Katastrophenfall stellt, verliert wichtige Minuten, die im schlimmsten Falle über Leben und Tod entscheiden können.

 

Eine risikobasierte Sensibilisierung erscheint darum zwingend erforderlich – ein universelles Gesamtpaket ist insbesondere für Reisen in Risikogebiete nur bedingt geeignet. Denn ohne ein angemessenes Training können selbst allgemein logische Entscheidungen schwerwiegende Folgen für Betroffene nach sich ziehen:

- Wer in einem nur schwer zugänglichen Keller Schutz vor einem bevorstehenden Sturm sucht, sitzt bei einer anschließenden Überflutung schnell in einer tödlichen Falle.

- Wer sich während eines Erdbebens ins Gebäudeinnere flüchtet, begibt sich leicht in untragbare Gefahr.

 

Eben hier sind Unternehmen gefordert, denn die Aufklärung über bestehende Naturgefahren und die Bereitstellung fundierter Reaktions- und Notfallpläne sind ebenso bedeutsam wie der Aufbau solider Infrastrukturen zur Kommunikation und Information sowie die Bereithaltung entsprechender Redundanzen für den Ernstfall.

 

Praxishinweise:

  • Aufklärung über bestehende Naturgefahren
  • Bereitstellung fundierter Reaktions- und Notfallpläne
  • Aufbau solider Infrastrukturen zur Kommunikation und Information

 

Quellen

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

www.bmz.de

 Welt-Risiko-Bericht 2014

http://www.weltrisikobericht.de/Bericht.435.0.html

 

 

 

Autor: Weller, Manuel

Anlass: Zehn Jahre Tsunamikatastrophe im Indischen Ozean

Die Zahl der weltweiten Naturkatastrophen nimmt seit Jahren stetig zu. Zwar lassen sich diese nicht verhindern, doch können fundierte Maßnahmen effektiv zum Schutz reisender Mitarbeiter beitragen. Neben der Bereithaltung entsprechender Notfallpläne und dem Aufbau entsprechender Infrastrukturen ist vor allem eine risikobasierte Sensibilisierung von zentraler Bedeutung.

Sachbereich: C1 Krisenmanagement/Gefahrenabwehr - Handeln vor und in der Krise

Schlagwörter: Reisesicherheit, Notfallmanagement, Naturkatastrophe, risikobasierte Sensibilisierung

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