Boorberg Verlag

Komplexität und ihre Folgen: Travel Security als Managementaufgabe

05.12.2014

Kriminalität und Terrorismus, Krankheit und Naturkatastrophen, Krieg und soziale Unruhen: Seit Jahren wachsen die Bedrohungen, denen sich Geschäftsreisende im Ausland ausgesetzt sehen. Gleichzeitig drängt der erbitterte Wettbewerbsdruck Unternehmen immer häufiger auch in Risikoländer und Krisenregionen, um die eigene Marktstellung zu behaupten. Das Reisesicherheitsmanagement sieht sich dabei immer größeren Herausforderungen ausgesetzt. Vor allem Unternehmen mit einer hohen Reisefrequenz suchen darum nach effizienten Lösungen, um die Sicherheit ihrer reisenden Mitarbeiter gewährleisten zu können. Einfach und doch wirksam sollen sie sein – häufig setzt man daher auf unkomplizierte und leicht zu steuernde Sicherheitssysteme. Dabei drohen manche Sicherheitsverantwortliche jedoch einem weitverbreiteten Irrtum anheim zu fallen, denn: höhere Fähigkeiten können nur aus Komplexität erwachsen.

Fähigkeit resultiert aus Komplexität

Es zählt als eine der fundamentalen Erkenntnisse der Systemlehre, zu welcher der britische Kybernetiker William Ross Ashby mit seinem sogenannten Gesetz der erforderlichen Varietät gelangte: Je größer die Varietät eines Systems ist, desto besser kann es die Varietät seiner Umwelt bewältigen. Diese kybernetische Gesetzmäßigkeit hat weitreichende Folgen – auch für die praktische Umsetzung von Reisesicherheitssystemen.

Denn die fortschreitende Globalisierung und die damit einhergehende weltweite Vernetzung, aber auch die zunehmende Dynamik in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und die daraus resultierende Intransparenz bleiben für Manager und Sicherheitsverantwortliche nicht ohne Folgen: Sicheres Entscheiden wird aufgrund des stetigen Mangels an Informationen und Fähigkeiten schlichtweg unmöglich. Besonders problematisch wird dieser Missstand für Unternehmen vor allem dann, wenn es um die Sicherheit und damit um das Leben und die Gesundheit der eigenen Mitarbeiter geht. Die Suche nach einer adäquaten Lösung führt dabei zu einem fundierten Sicherheitsmanagement, welches die Folgen wachsender Komplexität explizit anerkennt, um sich so den zunehmenden Anforderungen bewusst stellen zu können.

 

Zwischen Leistungsfähigkeit und Praktikabilität

Während viele Sicherheitsverantwortliche noch immer auf einfache Lösungen setzen, wird hier offensichtlich: Im Bereich der Travel Security endet die Suche nach einem Kompromiss zwischen hoher Leistungsfähigkeit und leichter Steuerbarkeit schnell in einer Sackgasse. Die Ursache hierfür liegt auf der Hand: Da Varietät mit Komplexität einhergeht, wirkt eine Vereinfachung von Sicherheitssystemen der daraus erwachsenden Leistungsfähigkeit entgegen. Somit wird es für Unternehmen zur Überlebensfrage, ob sie in der Lage sind, mit dem bestehenden Aberglauben zu brechen.

Der Weg dorthin ist jedoch steinig: Denn Komplexität hat auch ihre Schattenseiten. So steigen mit ihr zugleich die Anforderungen an das Management, um das Reisesicherheitssystem unter Kontrolle halten zu können. Darum droht mit wachsender Komplexität das Verhältnis zwischen Leistungsfähigkeit und Praktikabilität aus dem Gleichgewicht zu geraten. Deshalb sind praxisorientierte Lösungen erforderlich, um die Diskrepanz zwischen dem Sicherheitsbedürfnis der Mitarbeiter einerseits und den Fähigkeiten des Managements andererseits zu beheben.

 

Reisesicherheit als integraler Bestandteil

Insbesondere das Wissensmanagement ist für die Wirksamkeit eines Reisesicherheitssystems von zentraler Bedeutung. Darum gilt es vor allem, dem stetigen Informationsmangel durch eine enge Verknüpfung mit bestehenden Informationssystemen entgegenzuwirken. Zudem ist ein verbindlicher Rahmen unerlässlich: Ein hoher Grad an Standardisierung und Formalisierung von Strukturen und Prozessen macht die Organisation zwar schwerfällig und träge, beschleunigt jedoch zugleich den kollektiven Lernprozess und kann somit langfristig zu einer fundierten Sicherheitskultur beitragen. Nur wenn Travel Security als ein integraler Bestandteil der Sicherheitspolitik des Unternehmens betrachtet und eng mit anderen relevanten Prozessen und Systemen vernetzt wird, lässt sich der Wirkungsgrad des Reisesicherheitsmanagements optimieren.

 

Den Schlüssel zu größerer Widerstandskraft und höherer Leistungsfähigkeit bilden allerdings die eigenen Mitarbeiter. Denn menschliche Intelligenz und fachliches Know-how lassen sich durch technische Systeme nicht ersetzen. Hier ist ein zielorientiertes Management gefordert: Wer in eine fundierte Aus- und Weiterbildung der Sicherheitsverantwortlichen investiert und ein nachhaltiges Risiko- und Sicherheitsbewusstsein im Unternehmen schafft, kann die Wirksamkeit eines Reisesicherheitssystems langfristig erhöhen. Hierin lässt sich auch eine Erklärung dafür finden, weshalb die Einführung und Unterhaltung komplexer Reisesicherheitssysteme in einigen Unternehmen immer wieder scheitert. Denn letztlich bleibt die Frage offen, ob es das Sicherheitssystem selbst ist, welches versagt, oder das verantwortliche Management, welches es gestalten, steuern und lenken soll.

 

Quellen:

  • Fredmund Malik: Management. Das A und O des Handwerks
  • Fredmund Malik: Strategie des Managements komplexer Systeme. Ein Beitrag zur Management-Kybernetik evolutionärer Systeme
  • Fritz Simon: Einführung in die systemische Organisationstheorie

Autor: Weller, Manuel

Anlass: Steigende Anforderungen an das Travel Security Management

Immer wieder scheitert das Reisesicherheitsmanagement international agierender Unternehmen bei dem Versuch, die Herausforderungen einer globalisierten Welt zu bewältigen. Doch wie kann ein Sicherheitssystem im Kontext einer komplexen und damit unberechenbaren Umwelt bestehen? – Über die Suche nach praxisorientierten Lösungen

Sachbereich: A2 Aktuelles und Grundlagen - Sicherheitsrisiken/Bedrohungen

Schlagwörter: Reisesicherheit, Management, Komplexität

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Handbuch Reisesicherheit
 

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