Boorberg Verlag

Leistungsbeurteilung im Zeugnis

23.12.2014

Arbeit „zur vollen Zufriedenheit“

Die Mitarbeiterin einer Zahnarztpraxis, die im Empfangsbereich und als Bürokraft beschäftigt war, erhielt nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses ein Arbeitszeugnis. Ihre Leistungen wurden mit der Gesamtbewertung „zur vollen Zufriedenheit“ bewertet.

Arbeitszeugnisse enden regelmäßig mit einer Gesamtbewertung, die an das Schulnotensystem angelehnt ist und wie folgt zu verstehen sind:

  • Note 1: „stets zur vollsten Zufriedenheit“,
  • Note 2 „stets zur vollen Zufriedenheit“,
  • Note 3 „zur vollen Zufriedenheit“,
  • Note 4 „zur Zufriedenheit“.

Arbeitnehmerin klagte gegen Bewertung

Mit ihrer Bewertung war die Frau nicht einverstanden und ging vor Gericht.

Nachdem die Vorinstanzen der klagenden Arbeitnehmerin stattgegeben hatten, wies das Bundesarbeitsgericht (BAG) nunmehr die Sache erneut an das Landesarbeitsgericht zurück.

Arbeitnehmer muss bessere Beurteilung rechtfertigen

Das Gericht habe als Tatsacheninstanz zu prüfen, ob die von der Mitarbeiterin vorgetragenen Leistungen eine Beurteilung im oberen Bereich der Zufriedenheitsskala rechtfertigen und ob die Arbeitgeberin hiergegen beachtliche Einwände vorbringt. Allein die Tatsache, dass in der Branche fast 90 % der untersuchten Zeugnisse die Schlussnoten gut oder sehr gut aufweisen, führe nicht zu einer anderen Verteilung der Darlegungs- und Beweislast.

Begehrt der Arbeitnehmer eine Benotung im oberen Bereich, muss er darlegen, dass er den Anforderungen gut oder sehr gut auch gerecht geworden ist. Der Zeugnisanspruch (§ 109 Absatz 1 Satz 3 Gewerbeordnung) richtet sich nämlich nur auf ein inhaltlich wahres Zeugnis. Dies umfasst auch die Schlussnote. Und dieses Zeugnis muss auch nur im Rahmen der Wahrheit wohlwollend sein.

Quellen:

Pressemitteilung des BAG Nr. 61/14

Autor: Okpara, Cornelia

Anlass: Urteil des BAG vom 18. November 2014 - 9 AZR 584/13 –

Das BAG hat sich in einem Urteil erneut mit dem Thema Leistungsbeurteilung im Zeugnis beschäftigt. Bescheinigt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer im Zeugnis unter Verwendung der Zufriedenheitsskala, dass er die ihm übertragenen Aufgaben zur vollen Zufriedenheit erfüllt habe, erteilt er die Note Befriedigend. Beansprucht daraufhin der Arbeitnehmer eine bessere Beurteilung, muss er die entsprechenden Leistungen im Rechtsstreit vortragen und ggf. auch beweisen.

Sachbereich: D1 Fachspezifische Themen - Arbeitsrecht

Schlagwörter: Zeugnis, BAG, Zeugnisnote, Beurteilung

Weitere Artikel zu diesem Thema:
Noten im Arbeitszeugnis
 
Zeugniserteilung - Bindung an einmal formulierten Text
 
Arbeitszeugnis - kein Anspruch des Arbeitnehmers auf Dank und gute Wünsche
 

-