Boorberg Verlag

Der Fernbus-Boom: Ein sicheres Schnäppchen?

19.02.2015

Wer kennt sie nicht, die nostalgischen quietschgelben Reise-Omnibusse der 50er und 60er Jahre? – für lange Zeit verschwanden sie weitgehend aus dem deutschen Straßenbild und verkamen zum Inbegriff der Verkehrsromantik. Doch wider Erwarten erlebt der Fernbus in jüngster Zeit eine Renaissance. Mittlerweile kämpfen zirka 30 unterschiedliche Anbieter mit rund 250 Linien um ihre Stellung am Markt. Ihre Argumente sind deutlich: Verlässlichkeit, Komfort und Sicherheit – mit diesen Schlagworten werben namhafte Reiseunternehmen für ihre Fernbusverbindungen.

Harter Sparkurs -  zulasten der Reisesicherheit?

Die Marketing-Strategie scheint aufzugehen: Allein im Jahr 2013 reisten in Deutschland insgesamt rund 8,2 Millionen Passagiere mit den Bussen des Fernverkehrs. Damit haben sich die Passagierzahlen im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdreifacht. Durchschnittlich legten die Fahrgäste dabei rund 330 Kilometer zurück – 18 Prozent der Reisen führten sogar ins Ausland. Und auch im Jahr 2014 setzte sich dieser positive Trend weiter fort.

Doch der branchenweite Preiskampf birgt auch seine Schattenseiten: So kritisieren Experten den harten Sparkurs der Anbieter, der nicht selten zulasten der Reisesicherheit geht. Immer wieder kommt es zu Unfällen. Erst im Juli 2014 war der Fernbus eines namhaften Anbieters in der Nähe von Dresden in eines der schwersten Busunglücke der letzten Jahre verwickelt. Die traurige Bilanz: 11 Tote und 68 Verletzte.

Ein Blick in die Statistik schafft Klarheit: So wurden im Jahr 2013 auf deutschen Straßen knapp 5.500 Unfälle mit Personenschaden registriert, in welche Omnibusse des Nah- und Fernverkehrs verwickelt waren. Insgesamt kamen dabei 82 Menschen ums Leben, 10 davon auf der Autobahn.

Der Preis der eigenen Sicherheit

Im Vergleich mit anderen Reisemitteln wird schnell deutlich: Der Bus gilt zwar zu Recht als die sicherste Option im Straßenverkehr, kann jedoch nicht mit Bahn oder Flugzeug mithalten. Angesichts der großen Preisunterschiede stehen Kunden damit vor einer schwierigen Entscheidung: Welchen Preis ist die eigene Sicherheit wert? – Leider lässt sich auf diese Frage keine allgemeingültige Antwort finden, da diese maßgeblich von der individuellen Risikobereitschaft abhängig ist. Allerdings können einige praxisorientierten Hinweise einen wichtigen Beitrag leisten, damit die nächste Busreise nicht zum Höllentrip wird oder gar in einer Katastrophe endet.

Bereits bei der Auswahl des Anbieters sollte man Vorsicht walten lassen – diese Grundregel gilt im Ausland noch mehr als in Deutschland: So ist insbesondere von unseriösen Anbietern dringend abzuraten. Bereits im Vornherein können sich Reisende zudem über die Sicherheitsvorgaben des Busunternehmens sowie das Alter der eingesetzten Fahrzeuge informieren. Veraltete Busse sollten tunlichst gemieden werden, denn diese können trotz vorschriftsmäßiger Wartung altersbedingte Risiken bergen: Fehlende Sicherheitsgurte, große Fenster – bei alten Fahrzeugkonstruktionen bleibt die Sicherheit von Fahrer und Passagieren nicht selten auf der Strecke. Doch neben technischen Mängeln geht vor allem von übermüdeten und unaufmerksamen Fahrern ein großes Unfallrisiko aus. Darum sollten sich Reisende auf langen Strecken über die entsprechende Fahrzeitregelung informieren und nicht davor zurückschrecken, das Bordpersonal auf entsprechende Verstöße aufmerksam zu machen.

Kosten versus Sicherheit

Die Reisesicherheit in Fernbussen endet jedoch nicht bei Fahrer und Fahrzeug. So herrscht in Bussen mit Gurten grundsätzlich eine Anschnallpflicht. Zudem müssen Rettungswege stets frei von Gepäck und anderen Gegenständen sein.

Auch bei der Wahl des Sitzplatzes können einige Sicherheitstipps helfen: So sollten sicherheitsbewusste Fahrgäste, sofern möglich, einen Gangplatz in der Mitte des Busses wählen. In Doppeldecker-Bussen ist das obere Stockwerk tabu, denn hier stellen vor allem zu niedrige Brücken oder große Äste eine deutliche Gefahr dar. Zudem befindet man sich außer Sichtweite des Bordpersonals, weshalb das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, dort besonders hoch ist.

Zusammenfassend lässt sich somit festhalten: Anders als in vielen anderen Ländern gelten Fernbusse in Deutschland als weitgehend sicheres Reisemittel und können eine sinnvolle Alternative zum eigenen Auto bieten. Wer lange Strecken zurücklegen muss, sollte sich jedoch die Frage nach Alternativen stellen und nicht ausschließlich das Kostenargument entscheiden lassen. Denn Sicherheit hat nun einmal ihren Preis – kommt es zu einem Zwischenfall, wird sie unbezahlbar.

 

Quelle:

Statistisches Bundesamt www.destatis.de

Autor: Weller, Manuel

Anlass: Anhaltender Fernbus-Boom

Die mit der Liberalisierung des Fernbusverkehrs im Januar 2013 verbreitete Goldgräberstimmung lockte zahlreiche neue Dienstleister auf den nationalen Markt. Mit einer aggressiven Tiefpreispolitik versuchen sie, Reisenden eine attraktive Alternative zu Bahn und Flugzeug zu bieten. Doch eine brennende Frage bleibt: Wie ist es dabei um die eigene Sicherheit bestellt?

Sachbereich: A2 Aktuelles und Grundlagen - Sicherheitsrisiken/Bedrohungen

Schlagwörter: Reisesicherheit, Fernbus, Tiefpreispolitik, Verkehrssicherheit


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