Boorberg Verlag

Diebstahl und Abfluss von Know-how

28.06.2006

Diebstahl und Abfluss von Know-how - Was können Sie tun, wenn der Fall der Fälle eingetreten ist?

Bei einer durch die Universität Lüneburg durchgeführten Studie stellte sich heraus, dass mehr als zwei Drittel der befragten Technologie-Unternehmen schon Opfer eines "unfreundlichen Informationsabflusses" waren. Zu den Hauptquellen für den "unfreundlichen Informationsabfluss" gehören in erster Linie die eigenen Mitarbeiter, gefolgt von inländischen Konkurrenzunternehmen und Kooperationspartnern.
Das Gefährdungspotenzial für Produktideen und Produktions-Know-how beträgt wertmäßig rund 50 Mrd. EUR/Jahr.

Woran kann man erkennen, dass Informationen oder Know-how abgeflossen sind bzw. was sind Indikatoren dafür?

  • Auslöser sind meist finanzielle Verluste, Inventurschwund in größerem Stil, empfindliche Umsatzeinbußen oder Verlust der Profitabilität, aber auch nicht erklärbarer Geschäftsrückgang, Verlust von Marktanteilen, zunehmende Stärken der Konkurrenz im Kernkompetenzbereich; Wettbewerbsnachteile z.B. bei Ausschreibungen; (Des-)Informationskampagnen zum Nachteil ihres Unternehmens/Imageverlust; nachgeahmte bzw. identische Produkte bei der Konkurrenz.
  • Seien Sie sensibel gegenüber Auffälligkeiten beim Personal: Frustration am Arbeitsplatz, besondere Neugier, Überqualifikation, fehlende Identifizierung mit dem Arbeitgeber usw.
Da die wenigsten Unternehmen regelmäßige Wissensinventuren, kritische Analysen des eigenen Personals und/oder eine Competitive Intelligence betreiben, liegt nicht nur die Hoffnung, sondern auch die hohe Entdeckungsquote bei "Kommissar Zufall".
Nachdem ein Unternehmen einen Informationsabfluss festgestellt hat, sollte sich die Geschäftsführung über die weitere Zielsetzung und Vorgehensweise im Klaren sein:
Möchte das Unternehmen Schadensbegrenzung betreiben, das Wissen bzw. die Informationen zurückholen, den/die Täter überführen bzw. verfolgen, das Image bewahren oder einfach so weitermachen wie bisher?
Nach der Zieldefinition sind folgende Maßnahmen hilfreich:

1. Krisenmanagement

Für eine Vielzahl von Unternehmen ist der Abfluss von Know-how existentiell bedrohlich und somit eine Unternehmenskrise. Das Krisenmanagement ermöglicht der Unternehmensführung, mit Hilfe definierter Teams die Handlungsfähigkeit des Unternehmens in einer potenziellen oder akuten Krise aufrechtzuerhalten, dazu zählen z.B. die schnelle Reaktion in einer Krise, festgelegte Eskalationsverfahren, dass notwendige Maßnahmen bzw. Verfahren vordefiniert sind usw.

2. Kommunikation - innen und außen

Transparenz und Schnelligkeit sind die Schlüsselfaktoren der Kommunikation in Krisenzeiten. Neben einem offenen Umgang mit den Fehlern ist eine zeitliche Abstimmung der Maßnahmen entscheidend. Kommunikation steht immer unter dem Zeichen der "Eindämmung" - zu beachten ist auch, dass man u.U. nicht alleine über die Kommunikation entscheidet, sondern in Zusammenarbeit mit Behörden wie dem LfV oder der Polizei.

3. Analyse und Beweissicherung

Dazu zählen z.B.
  • Sicherung/Dokumentation von Beweismitteln; u.U. Begrenzung des Mitwisserkreises, Verpflichtung zur besonderen Verschwiegenheit
  • Analyse relevanter Unterlagen und Informationen:
    Sachverhaltsprüfung, Prüfung von Unterlagen, z.B. Personalakten, Finanz- und Wirtschaftssituationen, Verhaltensprüfung, technische Interessen und Fertigkeiten, kompromittierende Fakten, Charakterwertung.
Es ist zweifelsohne eine Herausforderung, eine Ermittlung mit den richtigen strategischen und operativen Ansätzen zur Zielerreichung zu führen, ohne große Außenwirkung und mit dem Bewusstsein, was als 2. und 3. Schritt passiert bzw. passieren kann. Die Frage nach qualifiziertem Ermittlungspersonal sei hier gestattet.

4. Abgabe an Staatsanwaltschaft, Strafverfolgung, juristische Abarbeitung

Ziel ist die Bestrafung des Täters und die Abschreckung.

5. Analysen und Auswertungen der Fehler

Aufspüren weiterer Schwachstellen/Risiken sowie deren Ursachen; Bewertung der Sicherheitssysteme und -strategien; Umsetzen in Sicherheitsmaßnahmen, konzeptionell und strategisch.

Praxishinweise

Leitgedanken zur Verhinderung oder Aufdeckung von Know-how-Abflüssen:
  • Ein einmal verschwundenes/entwendetes Geheimnis ist kein Geheimnis mehr.
  • Holen Sie sich rechtzeitig professionelle Unterstützung. Tipps geben BfV, LfV, die Verbände für Sicherheit sowie die Kooperationen "Sicherheitsforum Baden-Württemberg" und "Die Wissensschützer".
  • Je besser Ihre Prävention, desto besser Ihre Reaktion!
  • Der Erfolg liegt im Bewusstsein und der Vernetzung aller Maßnahmen!


Autor: Peter Mnich

Anlass: Know-how-Abfluss

Die wenigsten Unternehmen sind sich bewusst, wie schnell mangelnde Risikoprävention zu einer essentiellen Bedrohung avancieren kann, weil die mittelfristige Tragweite eines Vorfalles häufig viel schwerwiegender ist als der reale kurzfristig entstandene Schaden. Know-how-Verlust einerseits oder die Unterbrechung des Geschäftsablaufes andererseits können ursächlich essentielle Bedrohungen herbeiführen.

Sachbereich: D3 Fachspezifische Themen - IT-Sicherheit

Schlagwörter: Know-how-Abfluss, Know-how-Schutz, Competitive Intelligence


-