Boorberg Verlag

Prüfungswissen: Fachkraft für Schutz und Sicherheit

23.08.2017

Der Sicherheitsmarkt in der Bundesrepublik Deutschland hat sich in den letzten Jahren zu einem immer stärkeren Wirtschaftsfaktor entwickelt. Dies führt nach wie vor zu einer Reihe von Qualitätsoffensiven. Im Jahr 2002 gehörte die Schaffung der Berufsausbildung zur „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ zu einem dieser bedeutenden Meilensteine. Seit den ersten Prüfungen haben etwa 8000 Absolventen diesen Berufsabschluss bei den Industrie- und Handelskammern erworben. 

 Im Rahmen der Abschlussprüfung haben die Prüfungsteilnehmer dabei ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten. Diesbezüglich bestehen nach wie vor vereinzelt unterschiedliche Interpretationen. Wie ein ausführliches und alle prüfungsrelevanten Aspekte berücksichtigendes Konzept erstellt werden kann, ist nachfolgend am Beispiel „Kraftfuttermischwerk“ dargestellt.         

 

Ausgangssachverhalt: "Kraftfuttermischwerk"

Sie sind als Fachkraft für Schutz und Sicherheit in der Falkenauge & Wachsam GmbH beschäftigt. Ihr Unternehmen verfügt über eine Notruf- und Service-Leitstelle (NSL) mit integrierter Interventionsstelle. Es hat ausreichend qualifiziertes Personal sowie Einsatzmittel zur Übernahme von Sicherheitsdienstleistungen nach DIN 77200:2008. Das Unternehmen ist für die Erbringung von Objektsicherungsdiensten in den Stufen 1,2 und 3 zertifiziert.

Am Firmensitz in einer brandenburgischen Kreisstadt mit derzeit etwa 10.000 Einwohnern existiert ein Kraftfuttermischwerk (KFM). Das Gelände, welches sich am Rande der Stadt befindet, verfügt über einen Gleisanschluss und eine Werklokomotive. Auf dem Gelände des KFM befindet sich ein Lagergebäude in welchen Maschinen und Materialien lagern. Weiterhin sind auf einem dahinterliegenden Lagerplatz verschiedene nicht mehr genutzte Transportfahrzeuge (Lastkraftwagen älterer Baujahre) abgestellt.  In das Lagergebäude (20 x 15 m) wurde bereits mehrfach eingebrochen, es wurden Fensterscheiben eingeworfen und die Außenwände wurden mit Farbe beschmiert. Die abgestellten Fahrzeuge wurden ebenfalls bereits mehrfach beschädigt und es wurde versucht, mit ihnen zu fahren. Kinder nutzen das Gelände als Spielplatz.

Das Teilgelände (100 x 50 m) ist nur mit einem Maschendrahtzaun von ca. einem Meter Höhe umgeben. Das KFM beabsichtigt, das Teilgelände in einem halben Jahr zu veräußern.

In der Kreisstadt existiert eine rund um die Uhr besetzte Polizeiwache. Die Polizei ist aber nicht in der Lage, geeignete Maßnahmen einzuleiten.

Zur Erstellung dieses Konzeptes liegen Ihnen die folgenden Verrechnungssätze vor.  Alle Werte sind Nettowerte, d. h. ohne Mehrwertsteuer.

 

Personalkosten für Mitarbeiter der Falkenauge & Wachsam GmbH

 

Sicherheitsmitarbeiter mit der Qualifikation Fachkraft für Schutz und Sicherheit 

 

 

 

Je Einsatzstunde und inklusive aller Zulagen, Zuschläge

 

23,00 €

Sicherheitsmitarbeiter mit der Qualifikation  Sachkunde

18,00 €

Sicherheitsmitarbeiter mit Unterrichtungsverfahren Sachkunde

17,00 €

Revierdienst

(inkl. Fahrzeug)

27,00 €

Interventionsdienst

(inkl. Fahrzeug)

21,00 €

Diensthundeführer

 

24,50 €

 

Kosten für sicherheitstechnische Elemente

 

Bauzaun

Je laufenden  Meter und Tag

   0,80  €

Videoüberwachungsanlage

Miete je Monat

400,00 €

Einbruchsmeldeanlage

Miete je Monat

450,00 €

Außenbeleuchtung inkl. Bewegungsmelder

Miete je Stück und Monat

150,00 €

Aufschaltung NSL

Je Monat

150,00 €

 

Arbeitsauftrag:

a)    Erstellen Sie ein schlüssiges Sicherheitskonzept für das KFM. (65 Punkte)

b)    Fertigen Sie unter Berücksichtigung Ihres Sicherheitskonzeptes ein kalkulatorisches Angebot und weisen Sie die Kosten (Netto- und Bruttobetrag) für sechs Monate aus. (35  Punkte)

Fehlende Werte können Sie frei und nachvollziehbar einsetzen.

 

Bewertung:

Informationssammlung

10 Punkte

Aufgabe a)

65 Punkte

Risikoanalyse

15 Punkte

Schutzzieldefinition

10 Punkte

Maßnahmen

30 Punkte

Kosten – Nutzenanalyse

25 Punkte

Aufgabe b)

35 Punkte

Empfehlung an den Kunden

10 Punkte

 

Sicherheitskonzept

1. Informationssammlung

a) Allgemeine Daten

  Lage/Standort               Kreisstadt mit ca. 10 Tausend Einwohnern,

Kraftfuttermischwerk, Gelände am Rande der Stadt mit Gleisanschluss und Werkbahn,

Gelände 100 x 50 m, Gebäude 20 x 15 m

  Bausubstanz                 Lagergebäude mit Maschinen und Material,

Lagerplatz mit alten LKW,

Umzäunung mit Maschendrahtzaun ca. 1 m Höhe

  Schutzgüter                  Unbefugte Eindringer,

Maschinen, Materialien und LKW des KFM

  Erreichbarkeiten            Polizeiwache und Sicherheitsunternehmen mit NSL am Ort

 

b) potentielle Gefahren

  Bedrohung                    Einbrüche in der Vergangenheit

 Hausfriedensbrüche

 Sachbeschädigungen durch Einwerfen von Fensterscheiben und Schmierereien

 an den Außenwänden

 

2. Risikobewertung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. Schutzziele

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Maßnahmen

Technisch

•      Sicherung des Geländes durch Bauzaun

•      Anbringen einer Außenbeleuchtung mit Bewegungsmeldern

•      Installation einer mobilen Einbruchsmeldeanlage (EMA)

•      Aufschaltung auf die Notruf- und Serviceleistelle (NSL) mit Intervention

Organisatorisch

•      Erstellung einer Dienstanweisung

•      Unterweisung der eingesetzten Sicherheitsmitarbeiter (SMA)

•      Aufnahme des Objektes in die Revierrunde

•      Durchführung der Gefährdungsbeurteilung

 

Personell

•      Sicherheitsmitarbeiter (SMA) vor Ort

•      Diensthundeführer (DHF)

•      Revierfahrer

•      Interventionskräfte (IK)

•      Notruf-Serviceleitstellen-Fachkraft

 

5.  Kostenaufstellung

Variante A  - Bewachung

Das Gelände des KFM wird durchgängig durch 2 SMA, davon ein DHF mit DH bestreift. Die SMA haben Funkkontakt zur NSL des unweit entfernt befindlichen Sicherheitsunternehmens. Bei Bedarf werden Verstärkungskräfte angefordert, die in etwa 15 Minuten vor Ort sein könnten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berechnung der Stundenanzahl

6 Monate = 183 Tage x 24 Std = 4.392 Stunden

 

Variante B – Kombination von technischer und personeller Sicherung

Das Gelände wird mittels eines Bauzaunes gesichert. Es werden Außenbeleuchtungselemente mit Bewegungsmeldern sowie eine Videoüber-wachungsanlage mit Aufschaltung auf die NSL installiert.

Im Alarmfall erfolgt eine Intervention durch den Einsatz spezieller Interventionskräfte. Des Weiteren kommt täglich der Revierdienst zum Einsatz und führt Zustands-kontrollen auf dem Gelände durch.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

6. Empfehlung

Ich empfehle das Konzept / Angebot II.

Begründung:

Beim Konzept / Angebot II wird das Gelände mittels eines Bauzaunes gegen unbefugtes Betreten gesichert. Bereits damit ist der Kunde seiner Verkehrs-sicherungspflicht nachgekommen. Die Videoüberwachungsanlage mit Aufschaltung auf die NSL sowie die Ausleuchtung des Geländes bei Bewegungen ermöglichen ein rechtzeitiges Erkennen von unsicheren Zuständen und eine zeitnahe Reaktion durch den Interventionsdienst. Der eingesetzte Revierdienst bestreift zu unterschiedlichen Zeiten das Gelände und kann Veränderungen in angemessener Zeit feststellen.

Die durchgängige Objektbewachung würde für den Kunden unangemessen hohe Kosten verursachen.

Des Weiteren ist der Kunde darauf hinzuweisen, dass sich durch den etwaigen Einsatz des Interventionsdienstes bei Auslösung der Videoüberwachungsanlage die Kosten erhöhen können.

                                              

PRAXISHINWEIS: NEUERSCHEINUNG

Einen Praxisleitfaden zum Thema ist ab sofort erhältlich:

►Katschemba, Prüfungswissen Fachkraft für Schutz und Sicherheit

    Konzepte für Schutz und Sicherheit – Sicherheitsorientiertes Kundengespräch

    von Dipl.-Wirtschaftsjurist (FH) Torsten Katschemba, Master of Business Law

    Richard BOORBERG-Verlag, 96 Seiten, € 15,80.

    ISBN 978-3-415-06036-4

Dieser Beitrag enthält Produktwerbung


Siehe auch:
Inhaltsverzeichnis: Katschemba, Prüfungswissen Fachkraft für Schutz und Sicherheit
Leseprobe: Katschemba, Prüfungswissen Fachkraft für Schutz und Sicherheit
Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit: Prüfungswissen Fachkraft für Schutz und Sicherheit

Autor: Katschemba, Torsten

Anlass: Prüfungswissen

Seit den ersten Prüfungen zur "Fachkraft für Schutz und Sicherheit" haben etwa 8000 Absolventen diesen Berufsabschluss bei den Industrie- und Handelskammern erworben. Im Rahmen der Abschlussprüfung haben die Prüfungsteilnehmer dabei ein Sicherheitskonzept zu erarbeiten. Diesbezüglich bestehen nach wie vor vereinzelt unterschiedliche Interpretationen. Wie ein ausführliches und alle prüfungsrelevanten Aspekte berücksichtigendes Konzept erstellt werden kann, ist nachfolgend dargestellt.

Sachbereich: A5 Aktuelles und Grundlagen - Aus- und Fortbildung

Schlagwörter: Fachkraft, Risikobewertung, Kundengespräch, Sicherheitsgewerbe, Prüfungsvorbereitung

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Konzepte für Schutz und Sicherheit und Sicherheitsorientiertes Kundengespräch
 

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