Boorberg Verlag

Gefahren in der dunklen Jahreszeit

07.01.2019

Die Unfallexperten von DEKRA warnen Autofahrer davor, bei Nebel dem Vordermann auf der Fahrbahn blind zu vertrauen. „Es ist ein verbreiteter Fehler bei Nebel, sich an den Vordermann ‚anzuhängen‘ und schneller zu fahren als eigentlich erlaubt“, warnt Unfallforscherin Stefanie Ritter: „Müssen die vorn fahrenden Fahrzeuge stark bremsen, kann es für die Autos im Schlepp schnell zu eng werden. Das Anhängen an den Vordermann bei Nebel ist häufig die Ursache von Massenunfällen auf den Autobahnen.“

Bei Nebel mehr Abstand halten

Autofahrer sind stattdessen verpflichtet, bei Nebel auf Sicht zu fahren. Das heißt: Das Fahrzeug muss jederzeit innerhalb der einsehbaren Strecke anhalten können. Autofahrer dürfen sich nicht darauf verlassen, dass der uneinsehbare Bereich der Fahrbahn vor ihnen frei ist. „Als Faustregel für den Mindestabstand gilt: Abstand gleich Geschwindigkeit in Metern. So darf bei 50 Meter Sicht nicht schneller als 50 km/h gefahren werden“, erklärt die Unfallforscherin. Eine Orientierungshilfe bieten die Leitpfosten, die auf gerader Strecke im Abstand von 50 Metern aufgestellt sind.

Wird die Sicht durch Nebel erheblich behindert, müssen Autofahrer auch am Tage das Abblendlicht einschalten. Achtung: „Manchmal erkennt die Lichtautomatik die kritische Wettersituation nicht und schaltet das Licht nicht ein. Tagfahrleuchten reichen keinesfalls aus: Sie sind zu schwach, zudem sind die Rückleuchten nicht aktiv“, so Ritter. Auch Fernlicht eignet sich nicht, weil die feinen Nebeltröpfchen das Licht stark reflektieren und den Fahrer blenden, ganz im Unterschied zu Nebelscheinwerfern. Die Nebelschlussleuchte darf erst dann eingeschaltet werden, wenn die Sichtweite unter 50 Metern liegt. Dann darf man allerdings auch nur noch maximal 50 km/h fahren.

Wer in eine Nebelwand einfährt, darf mit Rücksicht auf die nachfolgenden Fahrzeuge nicht zu abrupt bremsen, um keinen Auffahrunfall mit dem Hintermann auszulösen. Einen großen Sicherheitsgewinn bei schlechter Sicht bieten Fahrzeuge, die schon mit ACC (Active Cruise Control) ausgerüstet sind. Es kann mit Hilfe von Radarwellen durch den Nebel schauen, ein für den Fahrer nicht sichtbares Hindernis erkennen und notfalls auch eine Notbremsung einleiten. Deshalb bei Beginn einer Nebelfahrt kontrollieren, ob das System aktiviert ist.

Im Winter mit Warnweste radeln

Die Sachverständigen von DEKRA empfehlen Radfahrern, für Fahrten bei Dunkelheit und schlechter Sicht eine grelle Warnweste überzustreifen. „Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, weil Fahrradfahrer von Autofahrern nicht rechtzeitig erkannt werden“, sagt Danijel Cakeljic, Sachverständiger bei DEKRA. Mit heller, auffälliger Kleidung könnten Radler viel für ihre Sicherheit tun. Auch retroreflektierende, gelbe Elemente an der Kleidung, tragbare Blinklichter und Stirnlampen erhöhen die Erkennbarkeit. „Besonders effektiv sind Reflektoren an den Schuhen, weil sie sich bewegen und vom Scheinwerferlicht der Fahrzeuge zuerst erfasst werden. Der Effekt: Der Autofahrer kann früher reagieren“, so der Experte.

„Auch eine funktionierende Lichtanlage ist ein Muss, aber natürlich taugt sie nur etwas, wenn sie bei Beginn der Dämmerung rechtzeitig eingeschaltet wird.“ Eltern sollten auch die Fahrräder ihrer Kinder mit einer intakten Lichtanlage ausstatten. Im Kommen sind leuchtstarke LED-Leuchten, die gut zu erkennen sind und die Fahrbahn gut ausleuchten. Von Zeit zu Zeit müssen Akkus aufgeladen und Batterien gewechselt werden, sonst riskiert man, im Dunkeln ohne Licht dazustehen.

Cakeljic warnt auch vor einem verbreiteten Missverständnis: „Viele denken: ‚Wenn ich das Auto sehe, muss mich der Fahrer doch auch sehen.‘ Das ist jedoch ein fataler Irrtum. Denn wenn die Lichtkontraste nicht ausreichen, kann ein Autofahrer einen Fahrradfahrer oft erst spät erkennen, und manchmal ist das zu spät.“

Ein großes Problem stellt im Dunkeln zudem die schmale Silhouette des Radfahrers von vorne dar, die beim Autofahrer leicht zu Fehleinschätzungen führt, betont der Sachverständige. Mehr Sicherheit bringen Speichenreflektoren und eine Beleuchtung mit Standlichtfunktion, damit der Radler auch beim Kreuzungsstopp auffällt. Seine Empfehlung für Radfahrer: „Fahren Sie im Winter langsamer und vorsichtiger. Und gehen Sie gefährlichen, unübersichtlichen Situationen aus dem Weg, wo immer es geht.“

Quelle: DEKRA Info Dezember 2018/12

Autor: Vögele-Ebering, Tilman

Die Unfallexperten von DEKRA warnen Autofahrer davor, bei Nebel dem Vordermann auf der Fahrbahn blind zu vertrauen. „Es ist ein verbreiteter Fehler bei Nebel, sich an den Vordermann ‚anzuhängen‘ und schneller zu fahren als eigentlich erlaubt“, warnt Unfallforscherin Stefanie Ritter. Radfahrern empfehlen die Sachverständigen von DEKRA, für Fahrten bei Dunkelheit und schlechter Sicht eine grelle Warnweste überzustreifen.

Sachbereich: B5 Prävention - Sonstige Maßnahmen

Schlagwörter: Nebel, Beleuchtung, Unfallgefahr, Autofahrer, Dunkelheit, DEKRA, Warnweste, Fahrradfahrer, Winter


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