Boorberg Verlag

Roboter im Rettungseinsatz

06.02.2019

KI bietet vielseitige Einsatzmöglichkeiten im Katastrophenfall

Trotz guter Ausbildung, taktischen Konzepten und Schutzausrüstung werden jedes Jahr weltweit tausende Einsatzkräfte im Einsatz verletzt oder getötet. Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung ist es absehbar, dass mobile Robotersysteme zunehmend Aufgaben übernehmen werden, um die Einsatzabwicklung sicherer zu gestalten. Durch den Aufbau des Deutschen Rettungsrobotik-Zentrums (A-DRZ) soll der Einsatz von Robotersystemen bei der zivilen terrestrischen Gefahrenabwehr in menschenfeindlicher Umgebung vorangetrieben werden. Die Basis bilden die vier Leitszenarien Feuer, Einsturz & Verschüttung, Detektion von Gefahrstoffen und Hochwasser sowie die daraus resultierenden Herausforderungen an die Rettungsrobotik.

Am 6.12.2018 findet in Dortmund der Auftakt für das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt zur Einrichtung eines Kompetenzzentrums für Robotersysteme in menschenfeindlichen Umgebungen statt. Das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, DFKI ist einer von zwölf Kernpartnern aus den Bereichen Gefahrenabwehr, Forschung und Industrie. Das zunächst auf vier Jahre angelegte Projekt wird vom Institut für Feuerwehr- und Rettungstechnologie der Feuerwehr Dortmund koordiniert.

Mehr Autonomie für Roboter

Bei bisherigen Einsätzen in Katastrophenszenarien wurden Roboter als voll-teleoperierte Werkzeuge eingesetzt. Forschung und Entwicklung strebt aber eine Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter an, bei der Roboter-Operatoren durch autonome Assistenzfunktionen entlastet werden. Mit stärker ausgeprägter Autonomie können umfangreichere Aufgaben in einem größeren Mensch-Roboter-Einsatzteam bewältigt werden. Damit aus robotischen Werkzeugen echte intelligente Agenten werden können, die sich aktiv an einer Mission beteiligen, müssen sie ein strukturelles Verständnis davon besitzen, was in einer Mission gerade vorgeht, was die Ziele sind, welche Teilaufgabe ein Mensch-Roboter-Team durchführt und mit welchem strategischen Konzept das Team sie umsetzt. Nur mit diesem Verständnis können die Robotersysteme ihre (Teil-)Aufgaben zielführend erfüllen und sinnvoll Initiative übernehmen. Die menschlichen Operatoren behalten aber trotz der autonomen Teilaktivitäten die Koordination und jederzeit die Kontrolle.

Roboter müssen verstehen lernen

Das Forschungsteam des DFKI will Technologien entwickeln, die es Robotern ermöglichen, eine Mission konzeptuell zu verstehen und nachzuvollziehen. Dazu werden insbesondere die notwendigen Kooperations­ und Kommunikationsprozesse zwischen Menschen und Maschinen mithilfe von Techniken der Sprachverarbeitung und der Prozessmodellierung erforscht und modelliert. Zum Verstehen von Missionen werden innovative Lösungen für Prozessassistenz und Informationsdienste erforscht, um so eine effiziente und effektive Durchführung von Rettungseinsätzen unter Mitwirkung von Robotersystemen zu unterstützen. Damit werden sich Robotersysteme einerseits als aktive Teammitglieder beteiligen und andererseits den Menschen mit Information und Wissen unterstützen. Dies ist von Bedeutung, weil sich durch den Einsatz von Robotersystemen auch die Anforderungen an die menschlichen Vorgehensweisen im Rettungseinsatz und die konkreten Arbeitsbedingungen der Rettungskräfte verändern werden. Auch die durch den technischen Fortschritt bedingte notwendige permanente Weiterbildung von Rettungskräften kann durch digitale Technologien effizienter als bisher durchgeführt werden.

ROBDEKON: Robotersysteme für die Dekontamination in menschenfeindlichen Umgebungen

Müssen chemisch verseuchte Areale saniert oder kerntechnische Anlagen zurückgebaut werden, sind die Arbeiter – allen Vorsichtsmaßnahmen und Schutzausrüstungen zum Trotz – erheblichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Künftig sollen Robotersysteme solche Dekontaminationsarbeiten ausführen, damit Menschen der Gefahrenzone fernbleiben können. An der Verwirklichung dieser Vision arbeitet das neue Kompetenzzentrum »ROBDEKON«, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit zwölf Millionen € gefördert wird.

Ziel von ROBDEKON ist der Aufbau eines Kompetenzzentrums, in dem praxistaugliche Robotersysteme für Dekontaminationsarbeiten in menschenfeindlichen Umgebungen entwickelt werden. Im Mittelpunkt steht dabei die Schaffung eines Netzwerkes, das die vorhandene Expertise in diesem Bereich bündelt. Im Ergebnis sollen autonom oder teilautonom arbeitende Robotersysteme entstehen, die Arbeiten wie die Sanierung von Altlasten oder den Rückbau kerntechnischer Anlagen übernehmen. »Unser Konsortium vereint herausragende Expertise aus den Bereichen Robotik, Altlastensanierung und Rückbau kerntechnischer Anlagen«, sagt der Sprecher des Kompetenzzentrums ROBDEKON, Prof. Dr.-Ing. habil. Jürgen Beyerer. Er ist Professor für Informatik am KIT und gleichzeitig Institutsleiter des Fraunhofer IOSB. Beim Stichwort Roboter dürfe man allerdings weder an klassische Industrieroboter noch an menschenähnliche (humanoide) Roboter denken, erläutert Beyerer: »Wir setzen auf innovative Konzepte wie zum Beispiel Kletterroboter oder automatisierte Baumaschinen.«

Quelle: ASW Norddeutschland ­ Info Sicherheit, Das Fachmagazin für Sicherheit in der Wirtschaft 4/2018, S. 27

Autor: Malyska-Allerheiligen, Tina

Trotz guter Ausbildung, taktischen Konzepten und Schutzausrüstung werden jedes Jahr weltweit tausende Einsatzkräfte im Einsatz verletzt oder getötet. Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung ist es absehbar, dass mobile Robotersysteme zunehmend Aufgaben übernehmen werden, um die Einsatzabwicklung sicherer zu gestalten. Durch den Aufbau des Deutschen Rettungsrobotik-Zentrums (A-DRZ) soll der Einsatz von Robotersystemen bei der zivilen terrestrischen Gefahrenabwehr in menschenfeindlicher Umgebung vorangetrieben werden.

Sachbereich: B1 Prävention - Sicherheitsanalysen und -konzepte

Schlagwörter: Roboter, Rettungseinsatz, Dekontamination, Altlastensanierung, Katastrophenfall, Künstliche Intelligenz, KI


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