Boorberg Verlag

Steigerung der Attraktivität des Ausbildungsberufes „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“

13.02.2019

Im Sicherheitsmelder wurde bereits darüber berichtet, dass die Abbrecherquote bei der Ausbildung zur Fachkraft für Schutz- und Sicherheit in Deutschland sehr hoch ist und für die privaten Sicherheitsdienstleister einen akuten Handlungsbedarf darstellt, wenn weiterhin eigener Nachwuchs in der Branche gefördert werden soll. Wie im Artikel von Prof. Marcel Kuhlmey und Heike Nagora vom 08.01.2019 dargestellt, gibt es diverse Qualifikationsmodelle in der Sicherheitswirtschaft. Diese reichen von der Basisqualifikation mit Mindestanforderung bis hin zum Studienabschluss mit einem Mastertitel. Dennoch stellt sich die Frage, warum gerade der für junge Menschen so bedeutsame Ausbildungsberuf „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“, der einen qualifizierten Berufseinstieg ermöglicht, so häufig abgebrochen wird.

Die Berufswahl – ein komplexer Prozess

Die Berufswahl ist ein komplexer sowie individueller Prozess und wird durch psychologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Einflüsse gesteuert. Daraus ist abzuleiten, dass die Berufswahl im hohen Maße von der Attraktivität eines Berufes abhängt. Für die Berufsentscheidung sind besonders folgende Faktoren entscheidend:

  • die beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten,
  • die Berufsanforderungen,
  • der Arbeitskräftebedarf,
  • die Verdienstmöglichkeiten und
  • das Image der Berufe.

Daraus ist abzuleiten, dass sich die Berufswahl stark nach Prestige, Verdienst und Status orientieren.

Seriös, nicht vorbestraft, sicherheitsüberprüft

Demnach wird dem Sicherheitsgewerbe dringend empfohlen, dass ausschließlich seriöse, nicht vorbestrafte und sicherheitsüberprüfte Personen ein Sicherheitsgewerbe eröffnen dürfen, die zudem ein Mindestmaß an branchenspezifischen Qualifikationen vorweisen können. Dies hätte eine Qualitätssicherung zur Folge, da der Gewerbezugang zum Bewachungsgewerbe erschwert wird. Zudem dient es als Anreiz, eine Ausbildung im Bewachungsgewerbe abzuschließen, weil das Image der Branche und die Nachfrage an dem Beruf gesteigert werden. Wenn sich ein Betrieb dazu entscheidet selbst auszubilden, dann dürfen für die Ausbildung nur Personen eingesetzt werden, die dazu fachlich und persönlich geeignet sind. Auch die Bereitschaft, mit der Berufsschule zu kooperieren und sich aktiv am Ausbildungsprozess zu beteiligen, ist eine wichtige Voraussetzung, denn neben der Berufsschule hat auch der Betrieb eine wichtige Integrations- und Bildungsfunktion sowie einen Erziehungsauftrag. Ebenso sollten private Bildungsträger stärker unterstützt und gefördert werden, die eine schulische Ausbildung für Menschen auf dem zweiten Bildungsweg anbieten. Das Sicherheitsgewerbe besteht hauptsächlich aus Quereinsteigern – auch mit Interesse an einer Berufsausbildung – und mit Anpassung an die Situation kann bedarfsgerecht am Markt ausgebildet werden.

Neben der Qualifizierung der Sicherheitsmitarbeiter stellen Forschung und Entwicklung im Bewachungsgewerbe den wesentlichen Baustein für potenzielle Innovationen dar. Zukünftig wird die Kombination von Technik und Sicherheit immer stärker zunehmen. Jedoch setzt der Einsatz moderner Technik geschulte und qualifizierte Sicherheitsmitarbeiter voraus, damit die eingesetzte Technik bedient werden kann. Diese Chance sollte genutzt werden, denn heutzutage sind die Auszubildenden technisch affiner und begeisterungsfähig.

Die Realisierung des Traumberufs

Weiterhin lässt sich in den letzten Jahren ein Wettbewerb um attraktive Berufe beobachten. Besser qualifizierte Bewerber verdrängen Bewerber mit niedrigeren Abschlüssen und nehmen deren Positionen ein. Das heißt, Abiturienten verdrängen Personen mit einem Realschulabschluss und diese wiederum diejenigen mit einem Hauptschulabschluss. Die Folge ist, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt nur eine eingeschränkte Berufswahl zulässt. Jeder Mensch hat jedoch einen sogenannten Traumberuf, der aber häufig aufgrund fehlender Qualifikationen nicht realisiert werden kann. Oftmals werden dann Berufe aus dem gleichen Sektor mit niedrigeren Qualifikationen zum Wunschberuf. Mit Hilfe von Kooperationsvereinbarungen mit der Polizei können die privaten Sicherheitsdienstleister die Polizisten nicht nur entlasten, sondern auch ein Anreiz für Auszubildende sein. Menschen, die nicht die Laufbahn der Polizei anstreben konnten, aber das Tätigkeitsfeld spannend finden, können sich im Bewachungsgewerbe verwirklichen. Jedoch müssen rechtliche Grundlagen geschaffen und ausschließlich qualifizierte Sicherheitsmitarbeiter eingesetzt werden, damit die Kooperation noch intensiver erfolgen kann.

Auch durch individuelle Entwicklungsmöglichkeiten und anerkannte Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten kann das Bewachungsgewerbe an Attraktivität gewinnen und zu einer durchaus begehrten Berufsgruppe für Auszubildende werden. Gesetzlichen Regularien, Ausbildungen und Qualitätsstandards tragen zur Professionalität im Bewachungsgewerbe und somit zur besseren Wahrnehmung für Auszubildende bei. Das Bewachungsgewerbe sollte sich daran orientieren und aktiv werden, denn nur mit Hilfe dieses Grundbausteines kann eine höhere Bezahlung von qualifizierten Sicherheitsmitarbeitern vertreten und ein neuer Anreiz für eine Berufsausbildung geschaffen werden. Motivierte Auszubildende beteiligen sich stärker am Erfolg des Unternehmens und das führt zu einer besseren Leistungsfähigkeit und Verständnis für die gestellten Aufgaben. Weiterhin sollte unbedingt bei erfolgreich geleisteter Arbeit mit Lob und Anerkennung gearbeitet werden, insbesondere, um Auszubildende zu motivieren und deren Selbstvertrauen zu stärken.

Internet, Radio-Spots und Plakate

Um die Darstellung der Berufsbranche positiv zu beeinflussen, sollte die Gesellschaft mit Hilfe moderner Medien mit Informationen versorgt werden. Um die gesellschaftliche Wahrnehmung positiv zu beeinflussen, sind nicht nur Medien zu verwenden, die von der eigenen Berufsbranche genutzt werden, sondern Medien, die die breite gesellschaftliche Masse und insbesondere junge Menschen erreichen. Broschüren, Internet, Radio-Spots oder auch Plakate sind geeignete Kanäle zur Darstellung des Bewachungsgewerbes. Vorrangig die Nutzung von sozialen Netzwerken, wie Facebook oder Instagram, sprechen junge Menschen an und können optimal als Werbefläche genutzt werden. Private Sicherheitsdienstleister haben bei der Gewinnung von Auszubildenden bereits Erfolge mit der Nutzung dieser Plattformen erzielt.

Öffentlichkeitsarbeit ist demnach ein geeignetes Mittel, um die positiven Seiten der Arbeit und Ihre Tätigkeitsbereiche darzustellen. Folglich sollten sich die privaten Sicherheitsdienstleister noch stärker dieser Hilfsmittel bedienen, um gezielte Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Denn durch Transparenz kann das Vertrauen der Gesellschaft gewonnen und damit die Wahrnehmung positiv beeinflusst werden. Diese Vorgehensweise signalisiert der Öffentlichkeit, ob die Unternehmen den persönlichen Bedürfnissen und Erwartungen der Gesellschaft gerecht werden, was wiederum zur Imagebildung beiträgt und Auszubildende für die Branche begeistert.

 

Autor: Lydia Limpach

Anlass: FKSS

Im Sicherheitsmelder wurde bereits darüber berichtet, dass die Abbrecherquote bei der Ausbildung zur "Fachkraft für Schutz und Sicherheit" in Deutschland ziemlich hoch ist und für private Sicherheitsdienstleister daher ein akuter Handlungsbedarf besteht. Es stellt sich die Frage, warum gerade der für junge Menschen so bedeutsame Ausbildungsberuf „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“ so häufig abgebrochen wird.

Sachbereich: A5 Aktuelles und Grundlagen - Aus- und Fortbildung

Schlagwörter: Fachkraft für Schutz und Sicherheit, FKSS, Ausbildung, Berufsanforderungen, Berufswahl

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