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Gotham City in Deutschland: Hessens Polizei arbeitet mit CIA Software

09.04.2019

Hessens Polizei arbeitet als Erste in Deutschland mit einer Software des US-Unternehmens Palantir aus Paolo Alto, Californien. »Gotham« spart den Ermittlern viel Zeit und Aufwand. Die Software ist wie ein zweites Gehirn für Polizisten, ein Gehirn mit Röntgenblick, das in einer Sekunde Dutzende Verbindungen erkennt.

200 Staatsschützer sind nach Angaben der Süddeutschen Zeitung bereits im Umgang mit Gotham, das nach Batmans Heimatstadt benannt ist, schon geschult. Die für Hessen angepasste Version von Gotham heißt – weniger hollywoodreif –»Hessendata«. Palantir-­Chef Alexander Karp sitzt seit März 2018 im Aufsichtsrat von Axel Springer. Mit dem Frankfurter Projekt wird nun auch seine Software in Deutschland eingesetzt.

Damit hält eine der umstrittensten Firmen des Silicon Valley Einzug in der deutschen Polizei. Gegründet wurde Palantir 2003 von Peter Thiel: Paypal-Gründer, Facebook-Investor, Milliardär. Thiel hat das Unternehmen nach den »sehenden Steinen« aus »Herr der Ringe« benannt. Ein wichtiger früherer Geldgeber von Palantir war In-Q-Tel, der Investment-Ableger der CIA. Im Oktober 2018 meldete das Wall Street Journal, Palantir prüfe, 2019 an die Börse zu gehen und könnte mit bis zu 41 Milliarden Dollar bewertet werden.

Ein Spinnennetz aus Informationen

Gothams Macht liegt darin, dass es zahlreiche Informationen aus verschiedensten Quellen kombinieren kann, die lange nicht kompatibel waren – praktisch unabhängig von Format und Struktur der Daten. Wann die Überwachten mit wem telefonierten, zu welcher Islamisten-Gruppe sie gehören, welche Waffe und welches Auto zu welcher Person gehören. Alle Informationen werden miteinander verbunden und angezeigt. So entsteht ein immer größeres Informationsnetz. Hessendata nutzt sieben Quellen: Drei Polizeidatenbanken für Kriminalfalle und Fahndungen, dazu Verbindungsdaten aus der Telefonüberwachung.

Dazu kommen Daten aus ausgelesenen Handys und Fernschreibern. Mit denen übermittelte das Bundeskriminalamt zum Beispiel nach dem Attentat am Berliner Breitscheidplatz Informationen über den Täter Anis Amri an Polizisten im ganzen Land. »Hessendata« geht noch einen Schritt weiter und bindet Daten aus sozialen Medien ein. Als »Facebook Business Records« erhält die Polizei alle Informationen aus Facebook-­Profilen von Verdächtigen. Dazu muss sie ein Rechtshilfeersuchen an US-Behörden stellen, die den Datensatz von Facebook besorgen.

Kritik aus der Opposition

Nicht nur Geheimdienste gehören zu den ältesten Kunden von Palantir. In Afghanistan und im Irak ordnete die Software für die US­-Armee den Wust an Informationen, den der Krieg aufwirbelte. Die neue Entwicklung finden nicht alle positiv: Bürgerrechtler kritisieren die Verbindung von Polizei-Datenbanken. Oppositionspolitiker stellen die Frage, ob man eine Firma, die so tief mit dem militärisch­digitalen Komplex der USA verwachsen ist, in die Nähe von Daten der deutschen Polizei lassen sollte. Denn eigentlich müssen diese Silos, in denen persönliche Informationen gespeichert sind, strikt voneinander getrennt sein, so verlangt es der Datenschutz. Deshalb hat jede Datenbank ihre eigene Errichtungsanordnung. Sie regelt genau, wie mit den Informationen umzugehen ist, wer in der Kartei stehen darf und wer nicht.

Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill hält dagegen, der hessische Datenschutzbeauftragte habe alles abgesegnet. Löschfristen würden eingehalten: Wer in Datenbanken auftauche, aber kein Verdächtiger sei, würde bald wieder entfernt. Der Einsatz von Gotham gegen Salafisten ist wohl erst der Anfang. Die Polizei hat bereits beantragt, das Programm auszuweiten, vom Bereich Staatsschutz auf organisierte Kriminalität und schwere Straftaten wie Mord und Raub. Und die anderen Bundesländer verfolgen sehr genau, wie Palantirs Software in Frankfurt ihre Netze baut.

Dies ist ein Beitrag aus "InfoSicherheit  – Das Fachmagazin für Sicherheit in der Wirtschaft", S. 49, Ausgabe 01/2019

Autor: Allerheiligen, Tina

Anlass: Neue Software zur Verknüpfung von Datenbanken

Hessens Polizei arbeitet als Erste in Deutschland mit einer Software des US-Unternehmens Palantir aus Paolo Alto, Californien. »Gotham« spart den Ermittlern viel Zeit und Aufwand. Die Software ist wie ein zweites Gehirn für Polizisten, ein Gehirn mit Röntgenblick, das in einer Sekunde Dutzende Verbindungen erkennt.

Sachbereich: D3 Fachspezifische Themen - IT-Sicherheit

Schlagwörter: Hessendata, Staatsschutz, Datenbank, Informationsnetz, Polizei


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