Boorberg Verlag

Ergebnisse des Deutschen Viktimisierungssurvey (DVS)

17.04.2019

Im zweiten Jahr in Folge weißt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) eine positive Entwicklung durch sinkende Zahlen registrierter Kriminalität auf. Allerdings deckt sich dieser Eindruck nicht zwangsläufig mit der Wahrnehmung der Bürger. Das Unsicherheitsgefühl hat im Vergleich zu 2012 leicht zugenommen. Die Gründe hierfür wurden in der systematischen Befragung des Deutschen Viktimisierungssurvey (DVS) erhoben.

Die PKS als Indikator mit Schwächen

Die PKS für das Berichtsjahr 2018 (siehe dazu den aktuellen Beitrag von Dr. Stefan Goertz) wurde schon im April 2019 vorgestellt. Wie bereits im Jahr zuvor verkündeten Schlagzeilen, dass die Kriminalität in Deutschland das zweite Jahr in Folge gesunken sei. Ob Kriminalität tatsächlich steigt oder sinkt, kann mit der PKS allerdings nicht beantwortet werden. In der PKS werden die Straftaten gezählt, die zur Anzeige gebracht und nach Bearbeitung durch die Polizei an die Staatsanwaltschaft abgeben werden. Nicht enthalten sind die ausschließlich von Staatsanwaltschaft, Finanzbehörden und Zoll (außer Rauschgiftdelikten) bearbeiteten Straftaten, originäre Staatsschutzdelikte, Straftaten, die außerhalb der Bundesrepublik Deutschland begangen wurden, Verstöße gegen strafrechtliche Landesgesetze sowie die meisten Verkehrsdelikte. Die in der PKS registrierten Straftaten bezeichnen das sog. Hellfeld. Straftaten, die nicht angezeigt oder bearbeitet wurden, sind entsprechend nicht enthalten. Dabei basiert die Registrierung vor allem auf dem Anzeigeverhalten der Bürger. Neben diversen methodischen Schwachpunkten kann vor allem aufgrund dieser sog. Hell-Dunkelfeld-Problematik nicht von der PKS ohne Weiteres auf die Kriminalitätsrealität geschlossen werden. Ergänzende Analysen und Dunkelfeldstudien werden entsprechend notwendig.

Ergebnisse des DVS

Zeitgleich mit der PKS wurden durch das BKA die Ergebnisse des Deutschen Viktimisierungssurvey (DVS) vorgestellt. In dieser Dunkelfeldstudie wurden für 2016/2017 mehr als 31.000 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland repräsentativ befragt. Ziel des DVS 2017 war es herauszufinden, wie häufig die Bürgerinnen und Bürger Opfer von Straftaten werden, wie sicher sie sich fühlen, wie sie die Arbeit von Polizei und Justiz bewerten, wie all dies mit ihrer Lebenssituation zusammenhängt und wie es sich seit 2012 verändert hat.

Einige zentrale Ergebnisse werden nachfolgend dokumentiert:

  • Wohnungseinbruchsdiebstähle (WED) wurden 2018 deutlich seltener angezeigt. Gerade diese Form von Delinquenz ist an sich ein guter Indikator, da WED als sog. „Versicherungsdelikt“ regelmäßig zur Anzeige gebracht wird. Allerdings meist nur dann, wenn der Einbruch erfolgt und Eigentum entwendet wurde. Die Befragung der DVS ergab, dass deutlich häufiger Versuche von Wohnungseinbrüchen festgestellt, diese jedoch nicht zur Anzeige gebracht wurden, wenn der Schaden ausblieb und die Tat somit erfolglos war.
  • Registrierte Raubdelikte sind um -5,4 % gesunken. Nach den Ergebnissen der Befragung ist die Zahl der angegebenen Raubüberfälle pro 1.000 Einwohner von 2012 auf 2016/2017 von 9,4 auf 14,8 gestiegen. Auch die Furcht vor Raubüberfällen hat sich erhöht.
  • Bei der Befragung wurde eine große Diskrepanz zwischen Kriminalitätsfurcht und Risikoeinschätzung festgestellt. So gaben die befragten Personen zwar an, stark beunruhigt zu sein, schätzten das eigene Risiko Opfer zu werden jedoch relativ gering ein. Vor allem bezüglich Einbruch (+4,5 Prozentpunkte) und Raub (+3 Prozentpunkte bei Frauen) ist die Risikoeinschätzung im Vergleich zu 2012 deutlich gestiegen.
  • Der überwiegende Teil der Bevölkerung ist der Meinung, dass die örtliche Polizei gute Arbeit bei der Verbrechensbekämpfung leistet. Gleichzeitig aber verschlechterte sich die subjektive Bewertung der Effektivität der Polizeiarbeit im Vergleich zu 2012 leicht.

Fazit

Die PKS unterliegt diversen Schwachpunkten, wie beispielsweise der Hell-Dunkelfeld-Problematik. Da die Registrierung von Straftaten vor allem auf dem Anzeigeverhalten der Bürger basiert, ist es wichtig zu verstehen, was das Anzeigeverhalten beeinflusst. In diesem Zusammenhang ist das Vertrauen der Menschen in den Staat und in die Polizei besonders wichtig. Doch auch die Ängste vor Kriminalität sind wichtige Indikatoren, die genauer in ihren Gründen untersucht werden müssen. Entsprechend bieten PKS und Befragungen wie der DVS Anhaltspunkte, die Kriminalitätsrealität einzuschätzen. Wie gut dies gelingt, hängt nicht zuletzt vom betrachteten Deliktsfeld ab. Entsprechend wünschenswert sind ausführliche Sicherheitsberichte (wie die Periodischen Sicherheitsberichte 2001 und 2006), in denen die erhobenen Daten nach Deliktsart analysiert werden.

Verwendete Quellen:


Siehe auch:
Die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik des Berichtsjahres 2018

Autor: Dienstbühl, Prof. Dr. Dorothee

Anlass: Vorstellung der PKS 2018

Im zweiten Jahr in Folge weißt die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) eine positive Entwicklung durch sinkende Zahlen registrierter Kriminalität auf. Allerdings deckt sich dieser Eindruck nicht zwangsläufig mit der Wahrnehmung der Bürger. Das Unsicherheitsgefühl hat im Vergleich zu 2012 leicht zugenommen. Die Gründe hierfür wurden in der systematischen Befragung des Deutschen Viktimisierungssurvey (DVS) erhoben.

Sachbereich: A1 Aktuelles und Grundlagen - Sicherheit im Wandel der Gesellschaft

Schlagwörter: PKS, Kriminalität, Kriminalstatistik, Viktimisierungssurvey, DVS, Unsicherheitsgefühl

Weitere Artikel zu diesem Thema:
Die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik des Berichtsjahres 2018
 

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