Boorberg Verlag

Aufwendungen für Jägerprüfung als Werbungskosten?

10.06.2019

Die Landschaftsökologin L war im Jahr 2016 ganzjährig als Arbeitnehmerin beschäftigt. In ihrer Einkommensteuererklärung erklärte sie als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit u. a. Fortbildungskosten in Höhe von 2 897 Euro. Sie trug vor, dass sich diese aus Aufwendungen für den Erwerb eines Jagdscheines (Kompaktkurs, Lehrgangsgebühr, Fahrt- und Unterbringungskosten sowie Verpflegungsmehraufwand) in Höhe von insgesamt 2 744 Euro sowie sonstigen Fortbildungsaufwendungen von 152 Euro zusammensetzten. Ferner legte L eine Bescheinigung ihres Arbeitgebers vor, wonach es sich bei der Jägerprüfung um eine beruflich veranlasste Zusatzqualifizierung handele, die als Arbeitszeit angerechnet worden sei. Eine Kostenübernahme durch den Arbeitgeber sei aber nicht erfolgt.

Die L trug ferner vor, die Ablegung der Jägerprüfung diene der Fortbildung wildbiologischer Kenntnisse und der Wissenserlangung über die Jagd, deren Regeln und deren Rechte. Sie stelle ein Zertifikat zum Wissen über Wildtiere und deren Lebensräume dar. Häufig sei der Jagdschein auch Einstellungsvoraussetzung in forstlichen Betrieben oder eine Zulassungsvoraussetzung für die Studienaufnahme im Bereich Wildtierforschung. Sie habe aufgrund der Festanstellung sowie der Tatsache, dass sie eine beruflich bedingte Zweitwohnung am Beschäftigungsort unterhalte, keine Gelegenheit, die Jagd privat auszuüben. Sie besitze weder eine Waffe, noch ein Revier bzw. eine Jagdpacht. Das Finanzamt (FA) ließ die Aufwendungen für den Jagdschein nicht zum Werbungskostenabzug zu. Diese seien zwar berufsfördernd, sie dienten aber nicht der Schaffung einer neuen Erwerbsquelle, da die Jagd nicht zur Berufsausübung der Klägerin gehöre. Der Erwerb des Jagdscheines diene regelmäßig Bedürfnissen der privaten Lebensführung und sei nur dann beruflich veranlasst, wenn er (wie bei einem Förster) unmittelbare Voraussetzung für die Berufsausübung sei. Der Einspruch blieb erfolgslos, so dass L beim Finanzgericht Münster (FG)1 Klage erhob.

Die Entscheidung

Auch das FG ließ die Aufwendungen für die Jagdprüfung nicht zum Werbungskostenabzug zu.

Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit

Werbungskosten sind gemäß § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Sie sind nach § 9 Abs. 1 Satz 2 EStG bei der Einkunftsart abzuziehen, bei der sie erwachsen sind. Werbungskosten sind nach ständiger Rechtsprechung alle Aufwendungen, die durch den Beruf bzw. durch die Erzielung steuerpflichtiger Einnahmen veranlasst sind. Ein solcher Veranlassungszusammenhang liegt vor, wenn objektiv ein Zusammenhang mit der auf die Einnahmeerzielung gerichteten Tätigkeit besteht und subjektiv die Aufwendungen zur Förderung dieser Tätigkeit gemacht werden. Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Erwerb von Kenntnissen und Fähigkeiten können nur dann zu Werbungskosten führen, wenn sie dazu dienen, eine Erwerbsgrundlage zu schaffen bzw. zu erhalten. Dienen Aufwendungen nicht dazu, später Erwerbseinnahmen zu erzielen, wird vielmehr ein privater Zweck, beispielsweise die Ausübung eines Hobbys damit verfolgt, so kommt ein Abzug hingegen nicht in Betracht.

Jagd ist zumeist Privatsache

Das FG wies darauf hin, dass die Jagd typischerweise ein Hobby sei. Sie diene der Freizeitgestaltung, nämlich der Entspannung und Erholung und damit der Verfolgung überwiegend privater Interessen. Deshalb sei in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 EStG geregelt, dass u. a. Aufwendungen für Jagd und Fischerei nichtabziehbare Werbungskosten darstellten. Der Erwerb eines Jagdscheins sei vor diesem Hintergrund – ebenso wie der Erwerb eines Führerscheins für Kraftfahrzeuge – nur dann beruflich veranlasst, wenn dieser unmittelbare Voraussetzung für die Berufsausübung darstelle. Denn nur in diesen Fällen könne nach der Lebenserfahrung angenommen werden, dass die private Nutzung von untergeordneter Bedeutung sei und der Erwerb die Voraussetzung für die Ausübung gerade dieser Berufstätigkeit darstelle. Die Frage, ob im jeweiligen Einzelfall ein hinreichend erwerbsbezogener Veranlassungszusammenhang zu bejahen sei oder eine dem Bereich der privaten Lebensführung zuzurechnende Bildungsmaßnahme vorliege, sei unter Berücksichtigung der Gesamtumstände des Streitfalls zu beantworten. Entsprechend dieser Grundsätze entschied das FG, dass der Jagdschein hier keine unmittelbare Voraussetzung für die Tätigkeit der L als Landschaftsökologin gewesen sei. Im Rahmen ihrer Berufstätigkeit habe die L nicht an Jagden teilgenommen und auch nicht (etwa aus Sicherheitsgründen) eine Jagdwaffe bei der Arbeit mit sich geführt. Vielmehr habe sie vorgetragen, dass sie weder beruflich noch privat an Jagden teilnehme und auch keine Waffen besitze. Ihr Vortrag, dass ein Jagdschein Einstellungsvoraussetzung in forstlichen Betrieben bzw. Zulassungsvoraussetzung für die Studienaufnahme im Bereich der Wildtierforschung sei, mochte zwar zutreffen; allerdings hätte sie nicht dargelegt und nachgewiesen, dass sie eine berufliche Veränderung in diese Bereiche anstrebe.

Anmerkung

Es bleibt damit bei dem vom Bundesfinanzhof bereits mit Urteil vom 29. 01. 1960 – VI R 9/59 U aufgestellten Grundsatz, dass die Kosten der Jägerprüfung nur dann als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abzugsfähig sind, wenn die Jagd zur Berufsausübung gehört. Die Revision wurde nicht zugelassen.

1 Urteil des Finanzgerichts Münster vom 20. 12. 2018 –5 K 2031/18 E, besprochen in RdW 08/2019, Rn. 132.

Autor: Reindl, Birgit; Kubik, Christian

Anlass: Urteil des Finanzgerichts Münster zu Aufwendungen für Jägerprüfung als Werbungskosten

Eine angestellte Landschaftsökologin kann die Aufwendungen für eine Jägerprüfung nicht als Werbungskosten bei ihren Einkünften absetzen (FG Münster). Es bleibt damit bei dem vom Bundesfinanzhof bereits aufgestellten Grundsatz, dass die Kosten der Jägerprüfung nur dann als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abzugsfähig sind, wenn die Jagd zur Berufsausübung gehört.

Sachbereich: D1 Fachspezifische Themen - Arbeitsrecht

Schlagwörter: Finanzgericht, Jägerprüfung, Münster, Jagdschein, Werbungskosten, Aufwendungen, Berufsausübung


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