Boorberg Verlag

Der Mobilfunk überlebt mit TETRA

22.06.2003

Die 5. Ergänzung zum Werk Ehses (Hrsg.), Unternehmensschutz - Praxishandbuch Werksicherheit, Stand: Juni 2003, ist in Vorbereitung und erscheint im September. Hier die Kurzfassung eines Vorabdrucks Sicherheitstechnik D 3.5 TETRA - Standard.
Im Werk finden Sie dann auch Darstellungen zum Bündelfunk oder dem Vergleich zu Tetrapol-Funksystemen.

Der neue Mobilfunkstandard in Europa wird TETRA

Während noch vor etwa fünf Jahren eine deutliche Verunsicherung in der deutschen Wirtschaft darüber spürbar war, ob sich der Mobilfunk bei Betriebsfunk- oder BOS-Funksystemen gegenüber GSM überhaupt durchsetzen könnte, ist die Entscheidung heute zumindest europaweit getroffen. Der neue Mobilfunkstandard in Europa wird TETRA sein. TETRA -Terrestrial Trunked Radio - ist der vom ETSI (European Telecommunications Standards Institute) verabschiedete Standard für professionelle Mobilkommunikation.

Anforderungen der Behörden

Allerdings zeigen die deutschen Sicherheitsbehörden nicht die notwendige Entschlussfähigkeit und verfügen vielleicht auch nicht über die benötigten finanziellen Mittel, um den analogen Funk aus den fünfziger Jahren, mit dem z.B. die deutschen Polizeibehörden heute noch operieren, abzulösen. Diese Funksysteme sind technisch nicht mehr auf dem Stand der Entwicklung, sind sie doch technisch überholt, nicht abhörsicher und sie bieten nicht die ausreichende Funktionalität, wie sie im Kampf gegen Kriminalität und Terrorismus erforderlich zu sein scheint. Verfügt doch die Gegenseite, oftmals aufgrund der schier unbegrenzten finanziellen Kapazitäten aus dem deliktischen Handeln über die neuesten technischen Möglichkeiten.
Auch bei europaweiten, grenzüberschreitenden Einsätzen oder Nothilfen zeigen sich gravierend die vorhandenen Mängel, da es keine geeigneten Kommunikationseinrichtungen zwischen den Behörden oder Dienststellen gibt. Dies wird allerdings auch schon auf nationaler Ebene, wie etwa den zurückliegenden Großschadensereignissen wie Eisenbahnunfällen in Eschede oder dem verwirrten Flieger über der Frankfurter Innenstadt deutlich. Immer wenn unterschiedliche Sicherheitsorgane wie Polizei, Feuerwehren, Rettungsdienste und zunehmend auch private Sicherheitsdienstleister zusammen arbeiten müssen, ist das Kommunikations-Chaos vorprogrammiert.

TETRA-Mobilfunknetz Niedersachsen

Hoffnungsvoll stimmen daher die grenzüberschreitenden Feldversuche der Behörden in Nordrhein-Westfalen im Raum Aachen, wo ein Versuch seit dem Jahre 2001 stattfindet, bei dem sich im Rahmen eines Stufenplanes die Sicherheitsbehörden der Nachbarländer Niederlande und Belgien daran beteiligen. Weiterhin existiert bereits seit einem Jahr ein TETRA-Mobilfunknetz in Niedersachsen, wo bei der Sicherung des Zwischenlagers Gorleben sowie der Straßentransporte der Castor-Behälter die Kommunikation der Behörden flächendeckend und abhörsicher erfolgen soll.

Kosteneinsprarung

Angesichts der knappen Kassen könnten durch schnelle Entscheidungen Haushaltsmittel in erheblichem Maße eingespart werden, denn durch den zähen Aufbau der modernen digitalen Funksysteme und den parallelen Betrieb der bisherigen analogen Funkanlagen entstehen den deutschen Behörden zuätzlich Kosten, die der Sprecher des Verbandes Professioneller Mobilfunk e.V. (PmeV), Paul Hag anlässlich eines Pressegespräches mit ca. 563 Mio EUR für einen Zeitraum von zwei Jahren bezifferte, wenn die Dauer des Parallelbetriebes verkürzt werden könnte.

Leistungsmerkmale

TETRA verwendet ein äußerst robustes und störungsunanfälliges Modulationsverfahren und zeichnet sich auch in großen Netzen durch kürzeste Rufaufbauzeiten aus, die deutlich unter den in GSM-Netzen üblichen Zeiten von mindestens fünf Sekunden liegen. Weitere Vorteile sind z.B.:
  • Neben der Sprachkommunikation gibt es verschiedene Möglichkeiten, Daten zu übertragen. Für hohe Datenübertragungsraten stellt TETRA die Option der Kanalbündelung zur Verfügung.
  • Die Übertragung von Statusmeldungen/Kurzinformationen (SDS) erfolgt nur über den Organisationskanal und spart somit wertvolle Systemressourcen.
  • Endgerät bleibt über den Organisationskanal auch während eines Gespräches mit dem Netz verbunden, dadurch ist ein permanenter Austausch einsatzrelevanter Daten (z.B. Kfz-Ortung) möglich. Die Verbindung bleibt damit auch während der Fahrt und über Netzgrenzen hinweg erhalten.
  • Die Bildung von Einsatzgruppen ist aus verschiedenen Netzteilnehmern möglich.
  • Es gibt eine erhöhte Abhörsicherheit, da nicht nur Sprach- und Nutzdaten, sondern auch die Signalisierungsdaten und Teilnehmeridentitäten verschlüsselt übertragen werden. Verhindert wird so die Analyse von Bewegungsprofilen.
Darüberhinaus gibt es folgende Einzelmerkmale:
  • Einzelruf, Gruppenkommunikation, Gruppenwechsel
  • Notruf
  • Prioritäten
  • Rückruf, Statusübertragung, Kurzwahl, Rufumleitung
  • Identifikation der Teilnehmer
Funkgeräte sind auch für Sonderanwendungen im Handel, d.h.:
  • Ex-Schutz
  • Verdeckte Trageweise.

Autor: Werner Pfeiffer

Anlass: TETRA-Standard

Während noch vor etwa fünf Jahren eine deutliche Verunsicherung in der deutschen Wirtschaft darüber spürbar war, ob sich der Mobilfunk bei Betriebsfunk- oder BOS-Funksystemen gegenüber GSM überhaupt durchsetzen könnte, ist die Entscheidung heute zumindest europaweit getroffen: Der neue Mobilfunkstandard in Europa wird TETRA sein.

Sachbereich: D5 Fachspezifische Themen - Sicherheitstechnik

Schlagwörter: TETRA, Funk, Betriebsfunk, BOS-Funk, GSM


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