Boorberg Verlag

Der Diensthund als multifunktionales Einsatzmittel

30.11.2012

Vielseitiges Einsatzmittel Diensthund

Diensthunde mit einer speziellen Ausbildung (vgl. auch Sicherheitsmelder, Anforderungen an Hundeführer und Diensthunde [Dr. phil. Ulrich Jochmann] vom 20.1.2005) ergänzen die Arbeit der Sicherheitsfachkräfte.

Was zeichnet den Diensthund aus? Der Diensthund muss
  • zum Hundeführer passen,
  • umweltsicher sein,
  • sozialverträglich und teamfähig sein,
  • wesensfest sein (also nervenstark, selbstsicher, unerschrocken und aufmerksam).
Was setzt die Eignungstestfeststellung als Muss voraus?
  • Lärmunbefangenheit (Geräuschkulisse wie Fanfare, Knall, Motorgeräusche u.a.),
  • "Bodingbauerscher Schirmtest" (Charakterprüfung),
  • Bewegungssicherheit (glatter Boden, Gitterrost, hell-dunkel Lichtaspekte u.a. auch in engen Räumen),
  • allgemeines Sozialverhalten (Personengruppen/fremde Personen, beim Spielverhalten, der Bindung zum Hundeführer oder anderen Kontaktsituationen),
  • Reizschwellentest (nach mindestens 15-minütiger Vereinsamung an einer stabilen Anbindekette),
  • Schutz- und Verteidigungsbereitschaft.
Welche Eigenschaften sollte ein Diensthundeführer besitzen?
  • Loyal und zuverlässig,
  • Körperlich hoch belastbar,
  • Ruhig und ausgeglichen,
  • Verantwortung übernehmen und selbständig im Einsatz Entscheidungen treffen,
  • Tätigkeit als Diensthundeführer nicht als reinen Gelderwerbs betrachten.

Diensthundeverwendung

Diensthunde sind waffenähnliche Einsatzmittel zur vorbeugenden Vermeidung strafbarer Handlungen. Darüber hinaus dienen sie der Durchführung von Such-, Hilfs- und Rettungsaktionen. Hunde wurden als Garant für bestimmte Aufgabenfelder gesehen (z.B. die Jagdhunde: Meute- und Stöberhunde).

Hunderassen

Folgende Hunde sind als Schutzhund/Fährtenhund und damit als Gebrauchshund geeignet:
  • Riesenschnauzer ("Bärenschnauzer", "Russerl"),
  • Rottweiler ("Stumper"),
  • Dobermann,
  • Boxer,
  • Hovawart (gelungene späte Entdeckung),
  • Golden Retriever,
  • Labrador,
  • Kerry Blue Terrier,
  • Schweiz: Labrador und Berner Sennenhund (auch als Blindenführer- und Schwerhörigenhund für Behinderte),
  • Belgien: Bouvier des Flandres, Airedale Terrier (bis zum 1. Weltkrieg der am meisten verbreitete Diensthund), Belgischer Schäferhund,
  • Malinois,
  • Holländischer Schäferhund (auch Hollandse Herdershond oder Herder) und
  • Beauceron.
Bayerische Gebirgsschweißhunde: "Mantrailer spüren" mit ihren besonderen Nasen Leben auf.
Eine Hunderasse macht in der ganzen Welt immer noch das Rennen. Es ist der international anerkannte
  • Deutsche Schäferhund. Schon 1931 kaufte ein chinesischer Hundezüchter, Herr Chen aus Shanghai, für 9.000 US Dollar (damals 38.000 Mark) einen Deutschen Schäferhund der Spitzenzuchtkategorie.

Diensthundeausbildung der Polizei

Polizeibeamte waren die Vorreiter der Diensthundeausbildung. Nicht zu vergessen der Polizeioffizier Most (1878-1954), der als deutscher Kynologe bahnbrechend im Polizeihundewesen wirkte. Er veranstaltete 1908 im Saargebiet die erste Polizeihundeprüfung. Sein Blick galt dem "Dobermann". Auf wissenschaftlicher Grundlage schuf er eine Abrichtungslehre und leitete die staatliche Zucht- und Abrichtanstalt in Berlin-Grünheide. Seine Verdienste gelten der Spür- und Sanitätshundeabrichtung.

Schwerpunkttraining in der Ausbildung

Schwerpunkttrainingsformen sind heute u.a. die Fährten- und Suchübungen in der Stadt und in ländlichen Bereichen, damit der Hund Geländeunterschiede kennen lernt. Klimakonditionen bieten unterschiedliche Ergebnisse, an das sich das Team "Herr/Frau und Hund" erst gewöhnen müssen. Hier sind reinrassige Deutsche Schäferhunde gefragt, die eine sehr gute Körperkonstitution mitbringen, Aggressivität und sogar Temperament (also sog. "Kopfhunde") werden erwartet.

Spezielle Einsatzmöglichkeiten

Es wird geschult, damit sich Diensthunde unter Gewehrbeschuss u.a. Waffen sowie Gummiknüppeln zurückhalten. Der Schlüssel der Ausbildung, "die Stimme unter Kontrolle des Ausbilders", ist die Unterordnung. Weltweit nimmt das Training zum Ermitteln nitroglyzerinbasierender Stoffe wie etwa TNT, RDX oder PETN, Amonniumnitraten und Schwarzpulver zu. Das gilt auch für die Narkotika-Substanzen wie etwa Marihuana, Opium, Heroin und Kokain. Ein Pkw kann z.B. in drei Minuten überprüft werden.
Innovationen werden aus der Zollhundeschule in Front Royal/Virginia, USA, weitergegeben und in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Zollhundeschule in Bleckede und auch in Neuendettelsau verfeinert.
International gibt es fachlich keine Grenzen mehr. Bomben, Sprengstoff, Feuerwaffen, Scheingeld, Zigaretten, Alkohol, alles ist trainierbar. Das Spektrum des Diensthundeeinsatzes ist vielfältig. Eines kann man aber im Ausland lernen: Der Dienstherr verwöhnt seinen Hundeführer und seine Diensthunde allein schon durch "Dog-Cars" (Hundeboxen).

Verwendung von Diensthunden

Neben dem Stöber- und Fährtenhund kennt man auch die Verwendungsform als Schutzhund, hier eignen sich die Hunderassen Deutscher Schäferhund, Dobermann, Airedale Terrier, Rottweiler, Boxer, Hovawart und Riesenschnauzer. Der Schutzhund wird so ausgebildet, dass im Laufe der Abrichtung die aggressiven Neigungen, sich auf jeden Unbekannten zu stürzen oder Fliehende zu verfolgen, so modifiziert werden, dass das Tier in der Lage ist, einen Übeltäter fest zu halten, ohne ihn zu verletzen.
Der Sprung durch brennende Reifen ist vielleicht die schwierigste Übung, die man einem Hund beibringen kann, denn er besitzt wie alle Tiere eine archaische Furcht vor dem Feuer. Hunde müssen lernen, hohe Hindernisse zu überwinden, da sie in unterschiedlichsten Terrains eingesetzt werden.
Die Abrichtung zum Wach- und Schutzhund hat das Ziel, die angeborene Aggressivität einiger Hunderassen zu disziplinieren. Neben der Bewachung des Objektes und der Verteidigung des Herrn lernt der Hund auch, auf Gegenstände aufzupassen, was eine einfache Lernprozedur ist.
Die Sicherung großer unübersichtlicher Objekte ist die klassische Einsatzsituation. Hier entfaltet der Hund seine Wirkung durch die erheblich verbesserten Wahrnehmungsmöglichkeiten, den Abschreckungsfaktor gegenüber möglichen Straftätern und die Eigensicherung des Diensthundeführers.
Die Einsatzmodalitäten sind Hilfsmittel der körperlichen Gewalt, da ihr Einsatz u.a. auch unter Anwendung unmittelbaren Zwangs erfolgt. Manch ein Straftäter wird sich überlegen, dem Ruf: "Halt! Stehenbleiben oder ich setze den Hund ein!", nicht Folge zu leisten. Hier ist der Hund ein vorbeugendes Mittel.

Einsatz bei Veranstaltungen

Die Verstärkung der Einsatzkräfte, z.B. bei Einlasssituationen im Veranstaltungseventdienst, ist denkbar, etwa bei Fußballstadien, Open-Air-Bereichen und weiteren Großevents wie Rennsportveranstaltungen, wo extrem starker Zuschauerandrang besteht und insofern oft genug Gewalttätigkeiten oder Erschleichen von Leistungen vorkommen, die durch den Diensthund verhindert werden. Der Einsatz bei Räumungs- und Absperrzwecken ist eine weitere Verwendungsweise.

Praxishinweise

  • Der Diensthund ist Partner des Hundeführers. Beide sind ein "Team intim" und jeder hat seinen Part zu leisten. Der Hundeführer muss bei seiner anspruchsvollen Arbeit viel Freizeit opfern.
  • Seine Aufgabe, die viel tierpsychologisches Verständnis erfordert, ist es, den Leistungsstandard des Hundes zu steigern.
  • Diensthundeführer müssen Idealisten sein. Die Weiterbildung und Auswertung neuer Erkenntnisse der Tierforschung, der Kontakt zu den Schutzhundetrainern und Hundeverbänden sind Verpflichtungen, damit sein Hund taugliche und verwertbare Leistungen erbringen kann.
  • Der Ausbildungsbeginn wird für das Leistungsvermögen des Diensthundes entscheidend sein. Tierforscher in den USA haben festgestellt, dass das Gehirn von Welpen durch spielerischen Umgang einen Gewichtszuwachs erfährt. Die "Intelligenz" des Hundes vergrößert sich und man hat Einfluss darauf, ob sich diese Intelligenz verkümmert oder sich weiterentwickelt.
  • In der modernen Pädagogik wird das frühkindliche Lernen praktiziert, so verhält es sich mit Hunden nicht anders. Frühsterziehung umfasst das Lernen des Welpen und Junghundes und das Heranführen an seine späteren Aufgaben als zuverlässiger und einsatzstarker Diensthund.

Autor: Robert F.J. Harnischmacher

Anlass: Private Sicherheitsdienste: Diensthundeeinsatz

Hohe Anforderungen werden an Diensthunde und Hundeführer gestellt. Diensthunde sind waffenähnliche Einsatzmittel zur Vermeidung strafbarer Handlungen. Eine Vielzahl von Hunderassen ist als Schutz- oder Fährtenhund geeignet, insbesondere der international anerkannte Deutsche Schäferhund. Ausbildung, Anforderungen und Trainingsmethoden orientieren sich an der Diensthundeausbildung der Polizei auch im Ausland.

Sachbereich: C2 Krisenmanagement/Gefahrenabwehr - Betriebliche Gefahrenabwehr

Schlagwörter: Diensthund, Hundeführer, Hunderassen, Veranstaltungen


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