Boorberg Verlag

Europäisches Handwerk Sicherheit  - Gleichheit mit Unterschieden

21.02.2007

Handwerk Sicherheit - Gleichheit mit Unterschieden

Das Produkt Sicherheit entsteht aus vielen einzelnen, kleinen und größeren Elementen. Dabei wirken bauliche, technische und vor allem organisatorische Maßnahmen Hand in Hand. Einen wichtigen Bestandteil bildet dabei der Mensch. Im europäischen Raum sind über 1,1 Mio. Personen, organisiert in über 20.000 Firmen, Tag für Tag im Einsatz, um Sicherheit zu produzieren. Die Mehrheit des Personals ist an der Basis, sie sind die eigentlichen Handwerker, mit besonderen Fähigkeiten und Aufgaben je nach Einsatzgebiet und Arbeitsanforderungen. Natürlich gibt es auch eine Minderheit in den Bereichen Führung, Unternehmensleitung und Management.

Kaum Unterschiede bei europäischen Berufsbildern

Trotz der kulturellen, geschichtlichen und politischen Unterschiede ist man seit längerem bestrebt, im gesamten europäischen Raum Standards und Normen in den Bereichen der Personalevaluation, Aus- und Weiterbildung sowie in den Berufsbezeichnungen und Begriffen zu schaffen. Dazu gehören auch die staatlich anerkannten Berufsbilder der unterschiedlichen Tätigkeitsgebiete in der Sicherheitsbranche. Trotz der Vorgaben bleibt vieles lokal angepasst und somit auf den ersten Blick sehr unterschiedlich. Bei genauerer Betrachtung sind die Unterschiede dann doch eher marginal.

So kennt man z.B. im deutschen Sprachraum die Begriffe Tor- und Pfortendienst und für mobile Kontrollen den Begriff Streife oder Streifendienst, wobei dies motorisiert oder zu Fuß sein kann. In der Schweiz bezeichnet man Ersteres als Empfangs- oder Logendienst, das Zweite als Rondendienst. Die Aufgaben, Pflichten und Arbeitsweisen sind jedoch die gleichen. Natürlich gibt es immer Unterschiede in der Umsetzung, geprägt von
  • lokalen Gegebenheiten,
  • gesetzlichen Vorgaben,
  • Kundenwünschen,
  • Weisungen und
  • der Strategie und Kultur der beauftragten Firma.
Zu klare und normierte Vorgehensweisen würden es ja auch der Gegenseite zu einfach machen, Lücken und Schwächen des Sicherheitssystems zu erkennen und wären somit kontraproduktiv. Sicherheit braucht somit eine hohe Individualität und sollte in jedem Falle ein maßgeschneidertes Produkt sein.

Standards und Normen erwünscht

Trotzdem wünschen sich Kunden, Behörden aber auch die Sicherheitsunternehmen und nicht zuletzt das Sicherheitspersonal gewisse Standards und Normen, damit man Vergleiche ziehen kann und auch eine gewisse Kompatibilität erreicht. Gerade bei der Personalevaluation ist es sehr schwierig zu vergleichen, was der Kandidat wirklich kann und mitbringt, da schon Berufsbezeichnungen und Aufgabengebiete sehr unterschiedlich sind.
Folgende Dokumente machen einen Vergleich der europäischen Länder möglich:
  • European Vocational Training Manual for Basic Guarding: Die Confederation of European Security Services (CoESS) hat 1999 in Madrid in Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedern ein umfassendes Trainingsmanual, das Europäische Ausbildungslehrbuch für Sicherheitspersonal, in den unterschiedlichsten Sprachen verfasst. Dies zeigt auf, welches Basiswissen in den einzelnen Fachrichtungen vermittelt werden soll. Es lässt aber trotzdem die Freiheit, auf lokale Gegebenheiten angepasst zu reagieren, dies z.B. im Bereich der Rechtsgrundlagen und der Berufsbezeichnungen.
  • Panoramic Overview: Die CoESS kämpft auf breiter Front für die Rechte und Grundlagen für die Sicherheitsbranche im europäischen Raum. Hierfür wurde die umfassende Übersicht: Das private Sicherheitsgewerbe der 25 EU-Mitgliedstaaten im Gesamtüberblick aufgestellt, die Vergleiche zwischen den Ländern zulässt.
  • Code of conduct and ethics for the private security sector: Ein internationaler Ehrenkodex, der Verhaltens- und Ethikkodex für das private Wach- und Sicherheitsgewerbe, wurde aufgestellt, um ein hohes Qualitätsniveau zu erreichen.

Autor: René Schwarzenbach

Anlass: Europäisches Sicherheitsgewerbe

Im europäischen Raum sind über 1,1 Mio. Personen in über 20.000 Sicherheitsunternehmen organisiert. Ein Vergleich der europäischen Länder ist möglich. Es wird angestrebt, Standards und Normen in den Bereichen Personalevaluation, Ausbildung und Berufsbezeichnungen zu schaffen. Ein Europäisches Ausbildungslehrbuch, eine Übersicht zum Sicherheitsgewerbe der EU-Mitgliedstaaten und ein internationaler Ehrenkodex wurden aufgestellt, um ein hohes Qualitätsniveau zu erreichen.

Sachbereich: A5 Aktuelles und Grundlagen - Aus- und Fortbildung

Schlagwörter: Europäische Länder, CoESS, Sicherheitsgewerbe


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