Boorberg Verlag

PKS - Polizeiliche Kriminalstatistik allgemein

22.02.2010

Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS)

Die PKS wird ausführlich vom BKA im Frühjahr/Sommer jeden Jahres für das zurückliegende Jahr herausgegeben. Auch die Landeskriminalämter verfassen Polizeiliche Kriminalstatistiken für das jeweilige Bundesland. In der PKS auf Bundesebene sind folgende Straftaten und deren Versuche statistisch dargestellt:
  • Alle Straftaten gemäß dem Strafgesetzbuch, ohne Verkehrsdelikte, ohne Straftaten im Ausland, ohne Staatsschutzdelikte, ohne Verstöße gegen strafrechtliche Landesgesetze und Datenschutzgesetze der Länder.
  • Straftaten gegen strafrechtliche Nebengesetze wie das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) oder das Waffengesetz (WaffG).
In der PKS ist die Häufigkeit von Straftaten aufgeführt. Sie enthält auch Interpretationen und Zusammenhänge mit weiteren Merkmalen, z.B. Tataufklärung, historische Entwicklung, Tatort, Tätermerkmale (Alter, Geschlecht, Staatsangehörigkeit), Opfermerkmale und Schadenssumme.

Umfangreiche, öffentliche Informationsquelle

Als Informationsquelle hat sich die PKS in vielen Anwendungsfeldern etabliert, insbesondere in Politik, Polizei und Forschung. Die Veröffentlichung 2009 hat einen Umfang von 479 Seiten. Auszüge wurden in allen Tageszeitungen veröffentlicht. Aussagekräftig sind delikts- und täterbezogene Auswertungen, die mit vielen interessanten Zusammenhängen aufwarten. Eine Addierung aller Zahlen zur Gesamtkriminalität samt Häufigkeit und Aufklärungsquote sind kaum aussagekräftig, da zu viele Faktoren das Ergebnis beeinflussen.

Problemfelder der PKS im Überblick

In der PKS sind nur "polizeibekannte Straftaten" aufgeführt, die sog. "Hellfeld-Kriminalität". Es ist unumstritten, dass sich ein Großteil aller Straftaten im "Dunkelfeld" befindet und nicht polizeibekannt wird. Rückschlüsse auf die tatsächliche Kriminalität sind nicht unmittelbar möglich. Je nach Deliktsart variiert das Verhältnis von Hellfeld und Dunkelfeld. Da die PKS keine Dunkelfeldstudien berücksichtigt, kann sie lediglich eine Auswahl der Realität darstellen. Darüber hinaus kann die PKS, wie jede Statistik, fehlerhaft interpretiert werden. Die zugrundeliegenden Daten weisen zwangsläufig einige Unschärfen aus:
Beispiel: Dunkelfeld
Die PKS verzeichnete in den letzten Jahren einen Anstieg der Jugendkriminalität, in der Folge wurden mögliche Ursachen diskutiert. Ein Erklärungsversuch ist folgende These: Gegenüber früher hat sich die Anzeigewahrscheinlichkeit in diesem Deliktsbereich erhöht, d.h. die Vermutung ist, dass nicht Jugenddelikte zugenommen haben, sondern die Anzeigen-Häufigkeit dieser Delikte (Verschiebung von Fällen aus dem Dunkelfeld in das Hellfeld). Viele Forscher bestätigen diesen Effekt, gehen aber davon aus, dass sich die Erhöhung der Jugendkriminalität nicht allein hierdurch erklären lässt.

Beispiele: Gefahr der Fehlinterpretation
Ein Rückgang von Straftaten und eine Verbesserung der Aufklärungsquote werden als Erfolg verzeichnet. Im Detail kann diese Interpretation falsch sein. Die Reduzierung der Polizeiarbeit führt in einigen Deliktsfeldern dazu, dass weniger Straftaten bekannt werden, z.B. weniger Polizeitätigkeit im Bereich Betäubungsmittel führt zu weniger polizeibekannten Drogendelikten. Ein Rückgang der Straftaten in diesem Bereich ist demnach nicht zwingend als Erfolg zu interpretieren. Hier spiegelt die Straftatenhäufigkeit sehr stark die Arbeitsleistung der Polizei
wider.
Die Aufklärungsquote kann sich verbessern, wenn Detektive und Kotrolltrupps der Polizei vermehrt Straftaten mit bekannten Tätern anzeigen. Häufige Fahrgastkontrollen der Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main führten 2007 zu einer Erhöhung der Anzeigen nach § 265a StGB (Erschleichen von Leistungen) um 27,8%. In der Folge stieg die Aufklärungsquote bei Betrugsdelikten in Hessen, da Leistungserschleichung zu 94,4% mit bekanntem Täter in die PKS eingeflossen ist.

Datenunschärfe

Die PKS ist eine Statistik mit vielen Millionen Einzeldaten. Auch bei sorgfältiger Arbeit sind Ungereimtheiten unvermeidbar, z.B. durch Änderungen im Strafrecht oder die Definitionsmacht der Polizei (Anzeige wegen Körperverletzung oder versuchtem Mord). Beispielswiese variiert die Datenbasis je nach Auslegung der folgenden Fragen: Sind 100 Beutel mit Rauchgift 100 Straftaten oder eine Straftat? Führt die Pressemeldung über ein Schwund von Tausend Artikeln eines Einzelhändlers zur Aufnahme von Tausend Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt?
Aus der PKS des Bundeskriminalamtes wurden bislang keine falschen Interpretationen bekannt. Sie enthält deutliche Hinweise auf die Beschränkungen und Regeln der Fallerfassung.

Praxishinweise

  • Die Straftaten der PKS lassen Rückschlüsse auf die Kriminalitätslage nur unter Berücksichtigung des Dunkelfeldes zu.
  • Die Daten der PKS können jeweils mit den Interpretationen des Bundeskriminalamtes verwendet werden, diese Interpretationen sind fachlich korrekt.
  • Die Aufklärungsquote ist als Qualitätsindex der Polizeiarbeit nur bedingt oder nicht geeignet, da das Zustandekommen der deliktsspezifischen Daten zu klären ist.

Autor: Christoph Öxle

Anlass: Kriminalitätsentwicklung, PKS

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) enthält die Häufigkeit bestimmter Straftaten, deren Entwicklungstendenzen, Details zu Tätern, Opfern, Regionen sowie Interpretationen. Die PKS wird jährlich vom Bundeskriminalamt (BKA) für das zurückliegende Jahr veröffentlicht und ist Informationsgrundlage für Politik, Polizei und Forschung. Zu berücksichtigen sind die Beschränkungen der PKS, insbesondere die Darstellung nur polizeibekannter Straftaten, der sog. "Hellfeld-Kriminalität".

Sachbereich: A2 Aktuelles und Grundlagen - Sicherheitsrisiken/Bedrohungen

Schlagwörter: Polizeiliche Kriminalstatistik, PKS, Kriminalitätsentwicklung, Dunkelfeld


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