Boorberg Verlag

Sachkundeprüfung statt Unterrichtung?

08.09.2003

Sachkundeprüfung ersetzt die Unterrichtung

Künftige Bewachungsunternehmer sollten - wie andere auch - vor allem rechnen können. Dass dies zutrifft, beweisen die rückläufigen Anmeldungen zu den sog. "Unternehmerunterrichtungen" gemäß § 34a GewO bei den IHK.
Im Zuge der Novellierung des Bewachungsrechts hat der Gesetzgeber das Unterrichtungsvolumen für angehende Gewerbetreibende von 40 auf 80 Stunden erhöht, um das Qualifikationsniveau bestimmter Verantwortungsträger in der Sicherheitsbranche anzuheben. Genau dieses Anliegen hat er mit den gleichen Rechtsvorschriften gründlich torpediert. Nach § 5 Abs. 1 Ziff. 4 BewachV gilt eine erfolgreich abgelegte Sachkundeprüfung nämlich "als Nachweis der erforderlichen Unterrichtung".

Kosteneinsparung

Wer das "betriebswirtschaftliche Einmaleins" beherrscht, sieht hier ein beträchtliches Einsparpotential: Für eine 80-stündige Unterrichtung ist eine Gebühr von 800,- Euro fällig. Dazu kommt noch der Zeitaufwand für zehn Tage Vollzeitunterricht - ein ebenfalls gewichtiger Kostenfaktor. Für Unternehmer, die selbst als "Ladendetektive", "Disco-Türsteher" oder "Streifengänger" im öffentlichen Verkehrsraum bzw. in Hausrechtsbereichen mit tatsächlich öffentlichem Verkehr tätig sein wollen, ist zusätzlich die Sachkundeprüfung notwendig - eine zwingende Forderung des § 34a GewO. Das bedeutet, zu den o.g. Beträgen sind zumindest noch die Prüfungsgebühr von 150,- Euro und der entsprechende Zeitaufwand hinzuzurechnen.

Nur Sachkundeprüfung

Warum also nicht gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und nur die Sachkundeprüfung absolvieren?
Letzteres setzt allerdings eine gründliche Vorbereitung voraus. Immerhin schwanken die Durchfallquoten bei bisherigen Sachkundeprüfungen bundesweit zwischen 20 und 60 Prozent. Die Sachkunde lässt sich also keinesfalls aus dem Ärmel schütteln. Wer allerdings einen soliden Vorbereitungskurs absolviert, sich intensiv mit dem vermittelten Stoff auseinandersetzt und über praktische Erfahrungen verfügt, hat gute Erfolgschancen.
Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Sachkundeprüfung scheinen derzeit wie Pilze aus dem Boden zu schießen. Doch nicht alles, was angeboten wird, dürfte seriös sein. Schockierende Erlebnisse haben vor allem jene gehabt, die erst in der Prüfung feststellten, welche Stoffgebiete beherrscht werden müssen.

Angebot Sachkundeprüfung prüfen

Bei der Auswahl eines Kurses sollten daher folgende Maßstäbe angelegt werden:
  • Werden alle Stoffgebiete, die Gegenstand der Sachkundeprüfung sind, vermittelt?
  • Stehen die Zeit der Wissensvermittlung und der jeweilige Stoffumfang in einem ausgewogenen Verhältnis?
  • Verfügt die/der anbietende Institution/Trainer über die erforderlichen fachlichen und methodisch-didaktischen Kenntnisse und Fähigkeiten?
  • Gibt es bereits Absolventen dieses Kurses, die auf einen Prüfungserfolg verweisen können?
Natürlich ist die positive Beantwortung der obigen Fragen noch keine Erfolgsgarantie. Aber die Wahrscheinlichkeit des Prüfungserfolges ist damit wesentlich größer. Und "unter dem Strich" kann es bedeuten, dass die gesetzlichen Zugangsvoraussetzungen für das Betreiben eines Bewachungsgewerbes mit dem halben Aufwand an Zeit und Kosten erreicht worden sind.

Autor: Dr. phil. Ulrich Jochmann

Anlass: Bewachungsverordnung, § 5, Absatz 1, Nr. 4

Wer gewerbsmäßig Leben oder Eigentum fremder Personen bewachen will (Bewachungsgewerbe), bedarf der Erlaubnis der zuständigen Behörde. Als Nachweis der erforderlichen Unterrichtung wird vom Verordnungsgeber der Bewachungsverordnung die erfolgreich abgelegte Sachkundeprüfung anerkannt, so können Kosten eingespart werden.

Sachbereich: A5 Aktuelles und Grundlagen - Aus- und Fortbildung

Schlagwörter: Sachkundeprüfung, Unterrichtung


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