Boorberg Verlag

Methoden der Geldwäsche

25.11.2010

Geldwäschemethoden

Hochkarätige Kriminelle der OK (vgl. auch Organisierte Kriminalität in Deutschland [Robert F.J. Harnischmacher], Sicherheitsmelder vom 19.9.06) mit Mrd. an schmutzigem Geld lauern darauf, Einfluss auf Politik, Verwaltung, Medien und Gesellschaft zu nehmen. Es kann angenommen werden, dass rund die Hälfte des Umsatzvolumens der von der OK erzielten Gewinne, rund 250 Mrd. Dollar jährlich, der Geldwäsche zugeführt und in irgendeiner Form angelegt wird.
Nach den Schätzungen des BKA liegt die Summe des in der Bundesrepublik gewaschenen Geldes bei über 2 Mrd. € jährlich. Da die Täter für die Geldwäsche Länder mit stabilen Währungen und schwachen gesetzlichen Grundlagen für die Ermittlungen im Banken- und Finanzsektor bevorzugen, ist die Bundsrepublik für Geldwäscher trotz des Geldwäschegesetzes vom 13. August 2008 (BGBl. I S. 1690), das zuletzt am 30. Juli 2009 (BGBl. I S. 2437) geändert wurde, interessant. Dabei sind namhafte Banken in den Prozess involviert, zumal sie auch Niederlassungen in Off-Shore-Centren unterhalten.
Geldwäscheist ein Prozess, durch den Erlöse aus kriminellen Tätigkeiten transportiert, transformiert, überwiesen, konvertiert oder mit legalen Geschäften vermischt werden, um die wahre Herkunft, die Beschaffenheit, die Verfügung über oder das Eigentum zu verschleiern oder zu verheimlichen. Laut US-Zollbehörde gibt es drei Phasen der Geldwäsche:

Placement

Placement (Unterbringung) ist die Phase der Geldwäsche, in der die Gewinne aus kriminellen Geschäften physisch beseitigt werden. Große Bargeldmengen, zudem noch in kleiner Stückelung, sind in Zeiten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ungewöhnlich, verdachterregend und für größere finanzielle Transaktionen ungeeignet. Das Bestreben der Geldwäsche ist es, Bargeld in Buchgeld (Aktiva auf Bankkonten) umzuwandeln.
Die Bargeldintensität einer Volkswirtschaft beeinflusst das Risiko der Geldwäsche, d.h. je mehr Bargeld kursiert, desto geringer ist das Risiko, mit großen Bargeldmengen aufzufallen. So werden in den USA nur noch etwa 0,4 % des Zahlungsverkehrs abgewickelt. Es gibt folgende Spielarten:
  • Die Unterbringung von Bargeld in kleinen Teilbeträgen bei Banken, Spielcasinos, Wechselstuben, Wertpapiermaklern u.a. (Schwellenbetrag 15.000 DM gem. § 2 Abs. 1 Geldwäschegesetz) wird als Smurfing bezeichnet.
  • Physischer Transport von Bargeld in Offshore-Centren. Dort wird das Bargeld bei kooperationswilligen Banken eingezahlt und in Buchgeld umgewandelt.
Probleme der Geldwäscher ergeben sich durch das beachtliche Diebstahls-/Veruntreuungsrisiko und das Entdeckungsrisiko, da man von der Ansammlung bis zur Unterbringung größerer Bargeldmengen auf Kuriere und andere Kanäle zum Geldtransport angewiesen ist.

Smurfing

Die bekannte Geldwaschmethode hinterlässt keine Spuren in Form von Belegen und Papierausdrucken, ist sehr arbeitsintensiv und zeitaufwendig, aber effektiv. Die einzige Voraussetzung für ihr Gelingen ist das Wissen darüber, ab welchem Betrag eine Transaktion Verdacht erregt. Teams deponieren dreckiges Geld unter diesem Limit auf einem Dutzend kleiner Bankkonten. Eine Alternative dazu ist, ebenfalls unter diesem Betrag Reiseschecks zu kaufen, die in Bargeld umtauschbar sind.
Layering ist die verschleiernde Verteilung der Spur des Geldes durch vielfältige Transaktionen, so dass der sog. Paper-Trail, also die Papierspur nicht mehr nachvollziehbar ist. Ist das Geld z.B. in Offshore-Zentren umgewandelt, ist eine Verfolgung illegaler Erlöse faktisch unmöglich, vor allen Dingen, wenn über verschiedene Offshore-Zentren Transaktionen stattfinden.

Off-Shore-Bankzentren

1945 gab es 55 sog. Extraterritoriale Steueroasen, Off-Shore-Bankenstützpunkte, die unter keiner Bankaufsicht oder Kontrolle standen. Damals waren die meisten dieser Zentren im britischen oder auch holländischen Kolonial- oder Commomwealth-Gebiet. Heute ist das immer noch so, aber die Anzahl solcher Steueroasen ist auf über 175 gestiegen. Die bekanntesten davon sind: Die Bahamas, Cayman-Islands, Panama, Niederländische Antillen, Liechtenstein, Luxemburg, Schweiz, die britischen Channel-Inseln, Monaco, Macao, und Hong Kong.
Die kleine Insel Nauru mit einem sehr hohen Pro-Kopf-Einkommen hat eine Fläche von ca. 3,5 qkm und liegt im pazifischen Ozean unweit der Salomon-Inselgruppe. Dort gibt es keine Steuern, keine gegenseitigen Steuerverträge mit anderen Ländern und keine Devisenkontrollen. Mit einem Brief an eine bestimmte Behörde und 150 Dollar in beliebiger Währung kann man dort seine eigene Firma gründen und eintragen. Für absoluten Datenschutz ist gesorgt.
Off-Shore-Bankzentren sind unerlässliche Bindeglieder im internationalen Finanzsystem, wo täglich ca. drei Billionen US-Dollar an Transaktionen durchgeschleust werden.

Integration

Unter Integration (Rückführung und Legalisierung) sind alle Maßnahmen zu verstehen, die darauf abgestimmt sind, das illegale Vermögen als legal erworbenes Vermögen erscheinen zu lassen. Dazu zählt die Reinvestition im legalen Wirtschaftskreislauf.
Beispiel: Mit schmutzigem Geld gegründete oder gekaufte Unternehmen (sog. Frontgesellschaften) werden oft mit Geldern aus kaum nachvollziehbaren Quellen (z.B. Muttergesellschaft mit Sitz in einer Steueroase) finanziert.
Die erzielten, versteuerten Gewinne erscheinen Banken und Behörden als legale Einkommen. Kreditbetrügereien sind in den folgenden Gewerbebereichen bekannt: Gastronomie, Reiseunternehmen, Import- /Exportfirmen, Immobiliengesellschaften, Druckereien und Geldwechselbüros.

Techniken der Geldwäsche

Geldwäsche umfassen Transaktionen
  • mit Bargeld;
  • auf einem Markt mit undurchsichtiger Preisbildung (z.B. Kunstgegenstände), Transaktionen über Finanzsysteme (z.B. Bargeldeinzahlungen, Umwandlung von Bar- oder Buchgeld in Inhaberpapiere, Terminbörsen durch fiktive Warentermin-, Devisentermin- oder Optionsgeschäfte, Nutzung des Effektenmarktes);
  • über Handel und Gewerbe (z.B. durch erhöhte Abrechnungen, Überfakturierungen, Erwerb von Schrottfirmen zu erhöhten Preisen);
  • über Offshorezentren/Steueroasen unter Einbindung von Scheinfirmen (Vorteil: uneingeschränktes Bankgeheimnis, keine Doppelbesteuerungs-, Rechtshilfe oder Auslieferungsabkommen, keine Devisen- und Währungskontrollen für ausländische Depots).Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen Bank Havens (Finanzplätze, an denen es einfach ist, eine Bank oder ein Finanzinstitut zu gründen, und Company Havens (Finanzplätze, an denen die Gründung von Scheingesellschaften etwa in Form von Briefkastenfirmen problemlos möglich ist).
Das sog. Loan-Back-Verfahren zählt zu den bedeutendsten, über Oasen abgewickelten Methoden. Dabei nimmt der Geldwäscher sein in eine Oase transferiertes illegales Vermögen selbst über eine zwischengeschaltete, von Strohmännern gehaltenen Finanzierungsgesellschaft oder eine involvierte Bank als Darlehen auf. Der Geldwäscher zahlt Zinsen, die von der Steuer abgesetzt werden können.

Banken und Parabanken

Diese eignen sich für alle Phasen der Geldwäsche. Daneben spielen aber Untergrundbanken, insbesondere im asiatischen Raum, eine bedeutende Rolle. Parallel zum offiziellen Bankenapparat firmieren sie unter den Bezeichnungen wie Chop Banking (China), Chiti Banking, Hundi Banking, Havala Banking (Indien), Stash-House Banking (Amerika; to stash = heimliche Vorräte anlegen). Bei diesen Banking-Systemen vertrauen sich die Beteiligten bedingungslos. Geschäfte werden ohne Buchungsunterlagen und Belege abgewickelt und die absolute Anonymität macht die Geldwäsche schwer nachweisbar. Ein Untergrundbankensystem ist abhängig von Familienbanden und Vertrauen. Es eignet sich hervorragend für eng verbundene Vereinigungen mit ihren Blutsbrüderschaftsschwüren und Todesdrohungen bei Verrat.
Die Arbeitsweise ist einfach. In dem Land, in dem die Einkünfte aus Verbrechen erzielt werden, deponiert ein Triaden-Geldwäscher das schmutzige Geld bei einem nicht registrierten, inoffiziellen Banker, dieser quittiert die Einzahlung mit einem Beleg, oft ist das nur ein entzweigerissener Geldschein oder ein spezielles Zeichen, welches "Chop" genannt wird. Der Banker verständigt einen Komplizen in dem ausländischen Staat, in dem das saubere Geld abgehoben werden soll. Das geschieht dann auch, abzüglich der beachtlichen Provision und den Gebühren, mit denen der Untergrundbanker sein Geld macht, wenn der Geldwäscher die Hälfte der zerrissenen Banknote präsentiert oder das vereinbarte "Chop" kennt.

Praxishinweis

  • Ist das schmutzige Geld erst einmal gewaschen, kann es in neue Geschäfte investiert werden. Nicht immer muss es sich dabei um kriminelle Geschäfte handeln.
  • Am beliebtesten sind Werte mit Perspektiven, etwa Bankhäuser und der Grundstücksmarkt.
  • Casinos mit ihrem nicht zu überprüfenden Bargeldfluss sind ebenfalls begehrt. Mittlerweile gibt es in der russischen Hauptstadt 59 Casinos, so viele wie in Las Vegas. Alle werden von der Mafia kontrolliert und dienen als Devisenbörsen.
  • Auch Hotels gelten als solide Investitionen der Geldwäscher, Pflegeheime und Kliniken stehen ebenfalls auf der Einkaufsliste.

Autor: Robert F.J. Harnischmacher

Anlass: Geldwäsche, OK

Die Hälfte des Umsatzvolumens der von der OK erzielten Gewinne, rund 250 Mrd. Dollar jährlich, wird der Geldwäsche zugeführt und in irgendeiner Form angelegt. Die wahre Herkunft, die Beschaffenheit und die Verfügung über das Eigentum wird verschleiert. Das Bestreben ist es, mit Placement (Unterbringung) und der bekannten Geldwaschmethode Smurfing Bargeld in Aktiva auf Bankkonten umzuwandeln. Off-Shore-Bankzentren begünstigen als exterritoriale Steueroasen die Transfers illegaler Vermögen.

Sachbereich: A2 Aktuelles und Grundlagen - Sicherheitsrisiken/Bedrohungen

Schlagwörter: Geldwäsche, OK, Placement, Smurfing


-