Boorberg Verlag

Kooperation in Teams und mit anderen Kräften

06.05.2006

Grundlagen der Teamarbeit

Die Sicherheitskraft kann ihre Aufgaben als Einzelperson nur sehr eingeschränkt erledigen. Die Vernetzung im lokalen Bereich vor Ort und im Verbund mit dem weiteren Umfeld erfordert die Zusammenarbeit in Teams. Die erforderliche Kompetenz der unterschiedlichsten Richtungen kann kooperativ genutzt werden:
  • Fachkompetenz entwickelt sich durch theoretische und praktische Ausbildung.
  • Methodenkompetenz ermöglicht die beste Umsetzung der erarbeiteten Lösungsmöglichkeiten.
  • Sozialkompetenz bietet die Grundlage, mit den anderen Mitgliedern des Teams verständlich und kooperativ zu kommunizieren.
  • Selbstkompetenz ist die Grundlage, sich seiner eigenen Grenzen bewusst zu sein. Stärken und Schwächen werden akzeptiert, Sicherheit und Vertrauen ausgestrahlt.
Ein Team arbeitet am effektivsten zusammen, wenn Kompetenzen in der Gruppe verteilt sind, wobei es bei der Einzelperson ein starkes Gefälle in den einzelnen Kompetenzen geben kann. Eine Kompetenz kann fast vollständig fehlen, ohne dass es zu einem Imageverlust führt. Ausgeglichen wird dies durch herausragende Kompetenz in einem anderen Bereich (z.B. mangelhafte Sozialkompetenz durch überragende Fachkompetenz).

Teamaufgaben

Zur Kooperation im Team ist es wichtig, die informellen und formellen Beziehungsnetzwerke zwischen den Beteiligten zu beachten. Formelle Netzwerke sind gut über Organigramme darstellbar, da hier die Strukturen und Verbindungen, beeinflusst durch die Hierarchien im betrachteten System vorgegeben werden. Informelle Netzwerke ergeben sich aus näheren Betrachtungen der einzelnen Teammitglieder. Im Team sollten folgende Rollen besetzt sein:
  • Sammler versorgen das Team mit notwendigem Wissen durch Erfahrungen aus allgemeinen Informationen, Fakten Statistiken und Theorien.
  • Kreative sind der Ideenmotor des Teams und geben wichtige Impulse. Neue Szenarien oder alternative Vorgehensweisen werden entwickelt.
  • Macher sorgen für das Ergebnis. Realitätssinn gewährleistet den Erfolg des Teams durch Erstellung und Umsetzung der Pläne und Beschlüsse.
  • Kontrolleure sind die kritische Instanz. Nach kritischer und gründlicher Durchleuchtung des Sachverhaltes können sie eine Zustimmung unter Vorbehalt geben.
Ein Team kann nur erfolgreich sein, wenn es einen adäquaten Teamleiterhat. Er ist das Bindeglied zwischen den Teammitgliedern, trägt die Verantwortung für die Koordination innerhalb und außerhalb des Teams, und gibt dem Team Sicherheit und Vertrauen. Er muss den einzelnen Bedürfnissen, den Bestrebungen und Tendenzen seiner Teammitglieder Beachtung schenken, jedoch ohne dabei die Zusammengehörigkeit und die Gemeinsamkeit zu vernachlässigen. Das notwendige "Ich" jedes Einzelnen muss zu einem gemeinsamem "Wir" aller entwickelt werden. Dies hat die Außenwirkung, dass das Team geschlossen und effektiv auftritt und positive Resonanz erzeugt.

Konfliktfelder im Team

Der Teamleiter kann möglichen Konflikten entgegen wirken, in dem er Konfliktfelder anspricht und emotionslos sowie wertungsfrei Kritik zulässt und kompetent bespricht.
  • Rangfragen entstehen unabhängig von der einzelnen Arbeitsleistung und begründen sich z.B. in der Dauer der Betriebszugehörigkeit.
  • Leistungsunterschiede sind persönlichkeitsorientierte Spannungsfelder, deren Ursache z.B. in der höheren Flexibilität oder Verständnisfähigkeit eines Einzelnen liegen.
  • Über- oder Unterforderungen entstehen, wenn die Teammitglieder nicht ihrer möglichen Arbeitsleistung entsprechend eingesetzt und beansprucht werden.
  • Intoleranz ist ein persönlichkeitsorientiertes Spannungsfeld, dessen Ursache z.B. in der fehlenden Akzeptanz für Personen, Verfahren oder Zustände eines Einzelnen liegt.
  • Führungsvakuum ist ein persönlichkeitsorientiertes Spannungsfeld des Teamleiters, dessen Ursache z.B. in mangelhafter Sozialkompetenz und Selbstkompetenz liegen.
  • Informationsdefizite entstehen, wenn die Teammitglieder nicht ausreichend informiert werden, sondern nur gefilterte und unverständlich gekürzte Informationen erhalten.
  • Externe Beeinflussungen sind regulär und beleben die Teamarbeit, werden jedoch oft gezielt zur Desinformation eingesetzt und können Teamerfolg massiv schädigen.

Methoden zur Erarbeitung des Teamergebnisse

Nach Aufgabenstellung und dem Fachwissen bieten sich u.a. folgende Methoden an:
  1. Diskussion: Ist das Fachwissen der Teammitglieder vorhanden, aber mit unterschiedlichsten Erfahrungswerten geprägt, führt die Diskussion zu einem Ergebnis.
  2. Brain-Storming: Das ist eine gute Methode, kreative Lösungen zu entdecken, zu überdenken und anzuregen. Grundlage dazu ist die Auswahl denkbarer Lösungen aus willkürlichen, intuitiven und unkonventionellen Vorschlägen.
  3. Rundgespräch: In einem Gespräch können Erfahrungen und Informationen ausgetauscht werden. Emotionale Verkrampfungen können besser abgebaut werden.
Zur Informationsvermittlung ist das Ergebnis der Teamarbeit abschließend zusammenzufassen. Die Darstellung sollte knapp, aber präzise sein. Bildliche Darstellungen sind ergänzend einzusetzen, denn der Lehr- und Lernerfolg wird durch bildhafte Präsentationen gefördert. Fotos, Skizzen und Diagramme sind eine gute Ergänzung für den schriftlichen Bericht oder die plakative Präsentation.

Zusammenarbeit/Aufgabenerfüllung mit anderen Kräften

Im Regelfall erfolgt die Zusammenarbeit zwischen der Schutz- und Sicherheitskraft und obrigkeitlichen/hoheitlichen Kräften im Zuge der präventiven Gefahrenabwehr. Das Bewachungsunternehmen hat seitens des Auftraggebers die Gewährleistung eines ordnungsgemäßen Ablaufs einer Veranstaltung oder den allgemeinen Schutz eines Objektes übertragen bekommen und im Rahmen dieses Auftrages kommt es dann zum weiteren Einsatz anderer Kräfte.
Die Information aller Beteiligten und die genaue Abstimmung über die jeweiligen Felder der Zusammenarbeit sind eine zwingend notwendige Voraussetzung für den reibungslosen Ablauf im möglichen Ereignisfall. Im Vorfeld des Einsatzes sind alle Beteiligten zusammenzuholen, um einen ersten Kontakt herzustellen. Im Ereignisfall kommt es dann nicht zu einem nebulösen "herumstochern" nach dem Motto: "Wer ist denn dafür zuständig?"
Eine weitere Zusammenarbeit ergibt sich im Falle der akuten Gefahrenabwehr. Die hoheitlichen Kräfte müssen dann unverzüglich den Schadensbereich betreten. Sie besitzen Sonderzugangsrechte, durch welche das Hausrecht eingeschränkt wird. Eine Zutrittsverweigerung ist nicht möglich. Die Sicherheitskraft hat unterstützende Hilfsleistungen zu erbringen. In einer Dienstanweisung sind die dafür erforderlichen Verhaltensregeln zu beschreiben.

Sicherheitskräfte und Polizei

Die Schutz- und Sicherheitskraft ist Vermittler zwischen den an der Schadensbehebung beteiligten Kräften. Durch fundierte Kenntnisse der objektspezifischen Strukturen kann die Sicherheitskraft den hoheitlichen Einsatzkräften helfen und besondere Gefahrenbereiche aufzuzeigen. In der Zusammenarbeit mit hoheitlichen Kräften (besonders Polizei) ist zu beachten, dass die Verantwortung für die öffentliche Sicherheit stets in der Hand der staatlichen Sicherheitsbehörden liegt. Dies setzt eine adäquate Qualifikation voraus, denn gerade die Zusammenarbeit erfordert einen entsprechenden Ausbildungsstand.


Autor: Rainer von Holleuffer-Kypke

Anlass: Kooperation in Teams

Die Tätigkeiten im Bewachungsgewerbe werden nicht mehr von Einzelkämpfern auf einsamen Posten ausgeführt, sondern von  "Teamplayern", die mittelbar oder unmittelbar vernetzt zusammenarbeiten. Das ist auch ein Thema bei der Ausbildung zur Geprüften Schutz- und Sicherheitskraft. Die Zusammenarbeit mit obrigkeitlichen/hoheitlichen Kräften im Zuge der präventiven Gefahrenabwehr fordert einen entsprechenden Ausbildungsstand.

Sachbereich: A5 Aktuelles und Grundlagen - Aus- und Fortbildung

Schlagwörter: Kooperation in Teams, Konfliktfelder, Teamarbeit, Zusammenarbeit mit Polizei


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