Boorberg Verlag

Wirtschaftskriminalität - Existenzbedrohung für Unternehmen

24.01.2003

Rasanter Anstieg der Wirtschaftskriminalität

Die Schäden durch Wirtschaftskriminalität beliefen sich laut Innenminister Schily 2001 auf 6,7 Milliarden Euro. Die Dunkelziffer liegt weitaus höher. Das hohe Gefahrenpotenzial wird deutlich, da Wirtschaftskriminalität zwar nur 1,7 % aller registrierten Straftaten ausmachte, jedoch 60 % der finanziellen Schäden verursachte.
Gegenüber dem Vorjahr ist ein Anstieg der Wirtschaftskriminalität um 21,3 % zu verzeichnen. Während die Zahl aller Straftaten seit 1993 um ca. 9 % gesunken ist, stieg sie bei der Wirtschaftskriminalität um ca. 50 % an. In den beiden vergangenen Jahren wurde das Bild von polizeilich registrierten Fällen zu rund zwei Dritteln von Fällen des Betrugs geprägt. Hier fand ein Gesamtanstieg um 31,1 %, auf 69.418 Fälle, statt. Erschreckend ist die Zunahme um über 200 % von Delikten im Bereich Betrug und Untreue bei Kapitalanlagen und Finanzierungen.

Erkennen der Wirtschaftskriminalität

Klassische Beispiele sind Bilanzmanipulationen, Insidergeschäfte, Abrechnungsbetrügereien, Preisabsprachen, Wucher, Bestechung, Steuerhinterziehung, Wirtschaftsspionage und Korruption. In den letzten Jahren kamen Computerkriminalität, illegale Arbeitnehmerüberlassung, Produktpiraterie und Geldwäsche hinzu. Nicht zu unterschätzen ist auch der Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen. In unzähligen Fällen haben ehemalige Mitarbeiter von Firmen kurz vor dem Ausscheiden aus der Firma Daten kopiert, in den neuen Firmen verwendet oder an die Konkurrenz verkauft.
In Folge der Globalisierung des Wirtschaftslebens und der zunehmenden Flexibilisierung des Arbeitsmarktes ist es üblich geworden, den Arbeitsplatz öfters zu wechseln. Dies gilt insbesondere für das mittlere und höhere Management. Der Tatbestand der Wirtschaftsspionage ist dabei bereits erfüllt, wenn neue Mitarbeiter nicht nur ihr Wissen und ihre Erfahrung mitbringen, sondern auch geheime Entwicklungsergebnisse, Konstruktionspläne, Herstellungsverfahren und vertrauliche Dateien. Eine hohe Personalfluktuation zieht automatisch einen erhöhten Wissensabfluss nach sich.

Bekämpfung

Schon 1947 als sogenannter "white colar crime" bekannt, gibt es heute bereits mehr als 200 Bundesgesetze, die sich mit diesem Bereich befassen. Unter Wirtschaftskriminalität werden im Allgemeinen Delikte subsumiert, die im Rahmen tatsächlicher oder vorgetäuschter wirtschaftlicher Betätigung begangen werden und über eine Schädigung von Einzelnen hinaus, das Wirtschaftsleben beeinträchtigen oder die Allgemeinheit schädigen können.

Für die Unternehmen ist es schwierig, Täter zu lokalisieren, da diese oft einen enormen Vertrauensvorschuss genießen und in den eigenen Reihen sitzen. Einer Untersuchung von PriceWaterhouseCoopers zufolge, wurden 63 % der betroffenen Firmen von ihren eigenen Mitarbeitern betrogen. In 25 % der Fälle lag ein Vertrauensbruch durch die Geschäftsführung, z.B. in Form von Bilanzfälschung oder Veruntreuung, vor. Der klassische Täter ist männlich, älter als 35 Jahre, verheiratet, sozial integriert, hoch angesehen und nicht vorbestraft. Tatursachen sind verschiedener Art. Gründe sind u.a.
  • die fortschreitende Internationalisierung,
  • unzureichende Kontrollen,
  • wirtschaftliche Schwierigkeiten,
  • technologischer Wandel,
  • mangelnde Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen,
  • die Öffnung Osteuropas und der zunehmende Leistungsdruck.
Begünstigend für die Täter wirken sich vor allem die Komplexität des Wirtschaftslebens und Schwächen in der Organisation aus. Ungenügende Kontrollmechanismen sowie fehlende Kontrollen durch Führungskräfte erleichtern den Tätern zudem ihr Handeln. Oft wissen Mitarbeiter von diesen Manipulationen, trauen sich aber aus Angst vor Repressalien nicht, jemanden davon zu erzählen.

Praxishinweise

Unternehmen sind auf Hinweise Ihrer Mitarbeiter angewiesen, um die Täter zu ermitteln oder zumindest die Entstehung weiterer Schäden zu verhindern. An diesem Punkt setzt das Business Keeper Monitoring System (BKMS) an. Rund um die Uhr können anonyme Hinweise zu wirtschaftskriminellen Delikten gegeben werden (www.business-keeper.de).
In Form eines Integrity Reports werden diese Hinweise dann an die Verantwortlichen weitergeleitet. Bei Bedarf beraten speziell geschulte Security Consultants.
Die Folgen für die Unternehmen sind schwerwiegend. Neben finanziellen Einbußen ist eine dämpfende Auswirkung auf die Moral der Mitarbeiter zu verzeichnen. Imageschäden gehen dann auch meist mit negativen Auswirkungen auf die Geschäftsbeziehungen einher.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es in vielen Fällen im Vorfeld ganz klare Anzeichen wirtschaftskrimineller Handlungen gegeben hat.
Risikoindikatoren für Wirtschaftskriminalität können zum Beispiel sein:
  • Konkurrenzunternehmen verfügen über vertrauliche Informationen aus Ihrem Hause.
  • In Ihrem Unternehmen findet vorwiegend eine direkte Auftragsvergabe statt.
  • Bestellung und Rechnungsprüfung werden von derselben Person vorgenommen.
  • Es werden immer dieselben Lieferanten beauftragt.
  • Es gibt lange Zeitverzögerungen bis zur Prüfungen durch die interne Revision.
  • Auffällige Qualitätsmängel werden bei beauftragten Leistungen festgestellt.

Laut Umfrage von Transparency International aus dem Jahre 2002 rutschte Deutschland von 102 untersuchten Ländern auf Platz 18 der sicheren Länder in der Korruptionsskala ab. Deutschland befindet sich somit nur noch knapp vor Ländern wie Botswana (Platz 24), Slowenien (Platz 27) und Namibia (Platz 28). Laut einer weiteren Umfrage ist die Baubranche bei der Vergabe von Aufträgen durch die öffentliche Hand Spitzenreiter in der Korruptionsskala. Die folgenden Plätze belegen die Waffen- und Verteidigungsindustrie sowie der Energiesektor.

Motive der Täter

Die Motive der Täter sind so unterschiedlich wie die Taten selbst. Unmut über Vorgesetzte und Firmenleitung, durch Mitarbeiter, die sich übergangen fühlen, gehen oft einher mit einer bewussten und gewollten Schädigung des Unternehmens. Andere geben wirtschaftliche Schwierigkeiten des Unternehmens als Rechtfertigung für ihre Taten an und zeigen ein hohes Maß an fehlendem Unrechtsbewusstsein. Aber auch die Fälle, in denen auf Grund fehlender Kontrollmechanismen die Chancen von Manipulationen gegeben sind und die Täter aus reiner Bereicherungsabsicht handeln sind immer mehr zu verzeichnen, insbesondere in wirtschaftlich schlechten Zeiten.

Integrity Management

Einer der erfolgsversprechendsten Lösungsansätze beginnt im Unternehmen selbst, und zwar mit der Erstellung von Leitlinien zur Unternehmensethik und zum Wertemanagement. In einem Code of Conduct (Verhaltenskodex) wird das erwünschte wertebasierte Verhalten der Angehörigen einer Organisation verbindlich festgeschrieben.
Neben einer Verbesserung der internen Kontrollsysteme müssen durch Sicherheitsspezialisten die bestehenden und zukünftigen Sicherheitsrisiken identifiziert, Schwachstellen definiert und bei konkreten Verdachtsfällen die erforderlichen Ermittlungen eingeleitet werden.

Autor: Walfried O. Sauer

Anlass: Wirtschaftskriminalität

Wirtschaftskriminalität ist auf Schäden in Milliardenhöhe bedrohlich angestiegen. Die Täter stammen meist aus dem eigenen Unternehmen. Ursachen sind u.a. Unmut über Vorgesetzte, wirtschaftliche Schwierigkeiten, fehlendes Unrechtsbewusstsein, mangelhafte Kontrollmechanismen und Bereicherungsabsichten, insbesondere in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Wirtschaftskriminalität ist zu erkennen, es gibt Hilfen und Beratung. Ein Verhaltenskodex der Unternehmen zeigt Lösungsansätze.

Sachbereich: A2 Aktuelles und Grundlagen - Sicherheitsrisiken/Bedrohungen

Schlagwörter: Wirtschaftskriminalität, Betriebsgeheimnisse, Verhaltenskodex, Wirtschaftsspionage, white colar crime


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