Boorberg Verlag

Fachkraft für Schutz und Sicherheit  - Ein Garant für qualifizierte Sicherheitsdienstleistungen

06.03.2003

Der lange Weg zum Bildungsmodell

Aussagen wie Frühstart, unzulängliche Voraussetzungen und Gefahr der Überqualifizierung verstärkten den Eindruck, dass mit dem Ausbildungsberuf "Fachkraft für Schutz und Sicherheit" etwas ins Leben gerufen wurde, das anscheinend niemand braucht. Da anfangs auch keine konkreten Zahlen zu den Auszubildenden und den beteiligten Ausbildungsbetrieben vorlagen, war die Irritation über das neue Bildungsmodell groß, welches doch lange Jahre durch Arbeitskreise, Ausschüsse und Institutionen befördert worden war.
Heute steht fest, dass beim Start im Jahre 2002 bundesweit insgesamt 128 Auszubildende in mehr als 30 Betrieben einen Ausbildungsplatz gefunden haben. Das ist relativ wenig im Vergleich zu den vorab prognostizierten 600 Teilnehmern, was in etwa einem Auszubildenden pro Mitgliedsunternehmen des BDWS entsprochen hätte. Immerhin sind in der Startphase - entgegen bisher anders lautenden Berichten - acht Industrie- und Handelskammern sowie Berufsschulen in sieben Bundesländern daran beteiligt.

Sichtweisen zum Bedarf

Die ständigen Rufe nach mehr Qualität für Sicherheitsdienstleistungen waren ein wesentliches Argument zur Einführung des neuen Berufsbildes. Vertreter der Öffentlichen Sicherheit fordern häufig ein Höchstmaß an Ausbildung für alle privaten Sicherheitskräfte.
Nur etwa ein Drittel der staatlich anerkannten Berufe sind dem Dienstleistungssektor zuzurechnen. Umso wichtiger war es, gerade auch die heterogene Struktur der Dienstleistungsbranchen zu "durchleuchten" und Felder für eine tragfähige und zukunftsträchtige Berufsausbildung aufzudecken.
Mit dem neuen Ausbildungsberuf erhalten die Unternehmen nach Auffassung des DIHK eine maßgeschneiderte Ausbildungsmöglichkeit, um für wachsende Anforderungen qualifizierten Nachwuchs heranzubilden. Bisher gab es für sicherheitsrelevante Aufgabenstellungen keinen Ausbildungsberuf im dualen System.

Umsetzungsproblematik

Sowohl die Zeit für ein angemessenes Marketing in der Branche als auch für weitere Vorbereitungsmaßnahmen war sehr knapp. So mussten nach Bekanntgabe u.a. noch geeignete Auszubildende für das neue Berufsbild geworben und ausgewählt, Ausbildungsbetriebe anerkannt, Berufsschulen im Einzugsbereich ausfindig und die beteiligten Fachlehrer fit gemacht werden. Wie erste Erfahrungen zeigen, gibt es eine pragmatische und flexible Handhabung, z.B. bei der Gewährung von Übergangsfristen. Dabei wird es den Ausbildungsberatern der zuständigen Industrie- und Handelskammern sicher auch künftig nicht leicht gemacht bei der Entscheidung, ob alle Voraussetzungen zur Anerkennung auch während der gesamten Ausbildungszeit gewährleistet sein werden.
Glücklich kann sich schätzen, wer als Ausbildungsbetrieb bereits Erfahrungen aufgrund des Angebots anderer Ausbildungsgänge gemacht hat oder sogar auf Werkschutzmeister zurückgreifen kann. Diese stellen mit ihrer Befähigung als Ausbilder und den praxisnahen Kenntnissen aus der Weiterbildung von Werkschutzfachkräften eine tragende Säule für die Qualität der Ausbildung dar.
Es ist verständlich, dass viele erst die Entwicklungen abgewartet haben und sich daran orientiert entsprechend vorbereiten wollen, um mit den dann ausgeprägter vorhandenen Instrumentarien und einer größeren Planungssicherheit selbst Ausbildungsplätze qualifiziert anbieten zu können. Praktische Hinweise für Newcomer auf diesem Gebiet finden sich u.a. in den Informationen der Bundesanstalt für Arbeit für ihre Beratungs- und Vermittlungsdienste (ibv) in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) sowie in dem Flyer des DIHK zu den Rechten und Pflichten von Ausbildern und Auszubildenden im Rahmen einer Berufsausbildung.

Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt

Die spätere Verwendungsbreite wird maßgeblich von den erlernten Kenntnissen und vor allem den Praxiserfahrungen bestimmt. Hier sind viele kleine Ausbildungsbetriebe überfordert, mehr als eines der vier in der Verordnung über die Berufsausbildung vorgegebenen Handlungsfelder anzubieten. Als Lösung sind Empfehlungen zur Verbundausbildung bei unterschiedlich aufgestellten Unternehmen ausgesprochen worden. Diese scheitern jedoch häufig aufgrund der verschärften Wettbewerbssituation.
Gerade in der Anfangsphase kann dies nur durch sehr anschauliche Lehrveranstaltungen kompensiert werden. Das erfordert eine praxisbezogene Vermittlung von Kenntnissen in der Berufsschule und stellt damit erhöhte Anforderungen an das dort tätige Lehrpersonal. Begrüßenswert sind hier die ersten eingeleiteten Initiativen seitens der Ausbildungsbetriebe, die Hospitationen für Berufsschullehrer ermöglichen, anschauliche Lehr- und Lehrmittel zur Verfügung stellen und zusätzliche betriebsinterne Ergänzungsunterrichte durchführen.

Sicherstellung der Ausbildungsqualität

Aufgrund der Umstände muss der Start in diese neue Qualifizierungsphase insgesamt noch als Pilotprojekt für die Branche betrachtet werden. Es gilt, den durchweg vorhandenen Schwung an Motivation und Bereitschaft aller Beteiligten aufrecht zu erhalten.
Hierfür sind zahlreiche Elemente in Betracht zu ziehen, die teilweise bereits vor Aufnahme der Ausbildungsbetriebe erfasst und auf ihre Durchführbarkeit geprüft werden müssen. Es handelt sich um die vier maßgeblichen Elemente wie Auszubildende, Ausbildungsbetrieb, Einsatzbereiche und Berufsschule mit den jeweiligen Prüfkriterien.
Hervorzuheben ist hier als wesentliche Grundlage für die Ausbildungsqualität der Betriebliche Ausbildungsplan. Hierin sind die Vorgaben des Ausbildungsrahmenplans mit den Teilbereichen des Berufsbildes und den zugeordneten zeitlichen Richtwerten auf die betrieblichen Belange umzusetzen. Da zu den Lernorten für die praktische Ausbildung auch die Unternehmen der Kunden eines Sicherheitsdienstleisters zählen, ist deren Genehmigung hierfür erforderlich. Erfreulicherweise zeigen die ersten Erfahrungen, dass die Haltung der Kunden zum Ausbildungsberuf - entgegen den anfänglichen Vermutungen - äußerst positiv ist und in allen Belangen unterstützt wird.

Kontinuierliche Verbesserung

Die erforderliche Ausbildungsqualität wird darüber hinaus maßgeblich durch die sorgfältige Auswahl und Zulassung der Betriebe durch die zuständigen Industrie- und Handelskammern bestimmt. Ein Erfahrungsaustausch zwischen Verbänden und Berufsschulen ist bereits initiiert worden und dient dem besseren Grundverständnis aller Beteiligten. Hervorzuheben ist hier der Arbeitskreis Lehrplan des BVSW und die Fachtagung zur Umsetzung der Lernfelder für den Beruf "Fachkraft für Schutz und Sicherheit" des Hessischen Landesinstitutes für Pädagogik in Wiesbaden (HeLP). Auch in Nordrhein-Westfalen sind bereits erste Schritte unternommen worden, um ein solches Netzwerk aufzubauen. Erweitert auf eine enge Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben sind künftig gute Voraussetzungen für einen ständigen Erfahrungsaustausch und damit nachhaltige Kompetenzentwicklung auf allen Ebenen zu erwarten.
Aufgrund des Pilotcharakters des Ausbildungsberufes in der facettenreichen, aber nicht gerade bildungshungrigen Sicherheitsbranche wäre eine qualifizierte und objektive Begleitung der Einführungsphase zweckdienlich, die im Bedarfsfall direkte Korrekturmaßnahmen vornehmen könnte. Letzteres ist mit den begrenzt verfügbaren Mitteln nicht eigenständig möglich und somit in der notwendigen Form noch nicht gewährleistet. Bewältigt werden kann dies nur durch eine externe und damit neutrale wissenschaftliche Begleitforschung, die in der Regel auf entsprechenden Antrag vom BiBB organisiert wird. Hierzu sind aus der Branche bisher noch keine entsprechenden Signale erfolgt.

Ausbildungsberuf - Einer für alle?

Betrachtet man die heutige Bildungslandschaft für private Sicherungsdienstleistungen, so sind eine Vielzahl an Schulungen, Trainings und Kursen verfügbar, aber auch ebenso viele Institutionen für Weiterbildung, die sich berufen fühlen, hiermit die Akteure im privaten Sicherheitsgewerbe zu beglücken. So ist es an der Zeit, eine bedarfsgerechte Struktur zu schaffen, die einen großen Teil der benötigten anforderungsspezifischen Qualifizierungsprofile berücksichtigt, jedoch eine Inflation und damit einhergehende Unüberschaubarkeit für die Nachfrager vermeidet.
Unzweifelhaft hat der neue Ausbildungsberuf einen hohen Stellenwert für die fachliche Qualifizierung von Sicherheitspersonal. Er ist neuerdings die Königsklasse unter allen Angeboten in der Bildungslandschaft zur fachlichen Vorbereitung auf die Durchführung von Sicherungsdienstleistungen. Eben eine staatlich anerkannte Ausbildung und nicht wie so häufig eine weitere Maßnahme auf Zertifikatsebene.
Die Erkenntnis für die Notwendigkeit eines zusätzlichen, effizienten und damit letztendlich auf die jeweilige Tätigkeit und Anforderung fokussierten Qualifizierungsmodells für Sicherungsdienstleistungen ist nicht neu. Dieser Bedarf für kompatible und aufeinander aufbauende Bildungsmodule zeichnet sich heute mehr denn je ab.

Fachkraft oder Führungskraft?

Abgesehen von der zu erwartenden hohen fachlichen Qualifikation wird häufig angeführt, dass nun die Führungskräfte von morgen zur Verfügung stehen. Betrachtet man dies mit Blick auf den Ausbildungsrahmenplan und die damit festgelegten Lernziele, so finden sich dort keine diesbezüglichen Angaben. Diese wären aber erforderlich, um mit dem Ausbildungsberuf entsprechende Voraussetzungen für den Berufseinstieg als Führungsnachwuchskraft zu schaffen. Die Berufsbildpositionen zeigen vielmehr auf, dass es sich hier, vergleichbar mit anderen Lehrberufen, um eine Fachausbildung handelt. Erst durch weiterführende Berufspraxis werden die Grundlagen geschaffen, anerkannt und erfolgreich Führungsaufgaben wahrzunehmen. Aus einer hohen fachlichen Qualifikation kann nicht zugleich ein Führungsanspruch abgeleitet werden.
Das Durchschnittsalter der Berufsanfänger zeigt, dass sich viele Fachkräfte nach erfolgreichem Abschluss der Berufsausbildung ohnehin erst im Unternehmen und damit im Kreis ihrer meist weit älteren Kollegen bewähren müssen. In dieser Übergangsphase wird darauf zu achten sein, dass dieser Prozess innerbetrieblich ausreichend begleitet wird.

Ausblick:

Mit Blick auf künftige Einsatzbereiche privater Sicherheitsdienstleister wird eine breite Palette an Aufgaben bleiben, die nicht alle eine Ausbildung zur "Fachkraft für Schutz und Sicherheit" erfordern. Nur in Verbindung mit weiteren differenzierten und anforderungsspezifischen Qualifizierungsprofilen können private Sicherheitskräfte so auf Ihre Aufgaben vorbereitet werden, dass alle Aufträge mit hoher Effizienz und vertretbaren Kosten durchzuführen sind.
Wenn 2005 die ersten Fachkräfte nach Absolvierung der regulären Ausbildungszeit dem Markt zu Verfügung stehen, wird sich zeigen, ob die Forderungen nach Qualitätsverbesserungen im personellen Bereich nicht nur erfüllt, sondern die qualitativ höheren Leistungen auch in Anspruch genommen werden. Für die ersten erfolgreichen Absolventen werden jedenfalls Einsatzbereiche zur Verfügung stehen, die die Entwicklung und Qualität der gesamten Branche mitbestimmen werden.

Autor: Rudolf Ochs

Anlass: Fachkraft für Schutz und Sicherheit

Es waren u.a. die Forderungen nach mehr Qualität für Sicherheitsdienstleistungen, die zur Einführung des neuen Berufsbildes führten. Der neue Ausbildungsberuf "Fachkraft für Schutz und Sicherheit" hat einen hohen Stellenwert für die fachliche Qualifizierung von Sicherheitspersonal. 2003 haben bundesweit insgesamt 128 Auszubildende den Ausbildungsberuf ergriffen. Ausbildung und weitere Verwendung werden diskutiert.

Sachbereich: A5 Aktuelles und Grundlagen - Aus- und Fortbildung

Schlagwörter: Ausbildung, Ausbildungsberuf, Berufsschule, Fachkraft für Schutz und Sicherheit, Schutz und Sicherheit, Qualität, Qualifizierung


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