Boorberg Verlag

Zukunft des Terrorismus

31.08.2010

Zukunft des Terrorismus

Die Prognose zur Entwicklung des internationalen Terrorismus (vgl. auch Entwicklung und Straftaten des Terrorismus [Thomas F. Stöcker], Sicherheitsmelder vom 30.8.10 und Terrorismus heute [Thomas F. Stöcker], Sicherheitsmelder vom 31.8.10) ist nur schwer zu treffen. Schon der Verlauf der ersten Kriegswochen hatte gezeigt, wie die beiden Irak-Kriege und der Konflikt in Afghanistan die Kluft zwischen der "westlichen" und der "islamischen Welt" in deutlichem Maße vertieft haben.

Folgen des Aufrufs zum Heiligen Krieg

Die arabische Welt sieht die fürchterlichen Kriege zunehmend als einen "Kreuzzug" gegen den Islam und ruft beständig zum "Heiligen Krieg" gegen die "ungläubigen Aggressoren" auf. Diese latente Wiederholung der Drohgebärden führt bereits zu einem deutlich erkennbaren Übersättigungsverhalten der Menschen in der westlichen Hemisphäre. Jedoch sollten diese Aussagen eine deutlichere Beachtung erfahren, da eine Ausweitung des Dschihad sehr schnell zu einer globalen Auseinandersetzung eskalieren kann.
Die anhaltenden Kriege und dauerhaften Konfliktpotenziale in der Region einigen zusehends die früher häufig zerstrittenen arabischen und islamischen Staaten. Somit besteht die unmittelbare Gefahr, dass Osama Bin Laden zum "Che Guevara Arabiens" erhoben und der islamisch-fundamentalistische Terrorismus in eine neue Dimension von hoher Tragweite hineinwächst.

Bereitschaft zu Terrorakten

Konflikte sind militärisch kaum zu gewinnen und es wird insbesondere aus den arabischen Konfliktherden heraus eine erhöhte Bereitschaft zu Terrorakten und Selbstmordattentaten geben. Diese Feindseligkeiten richten sich hauptsächlich gegen die alliierten Kriegsparteien und die sie unterstützenden Staaten. Hunger, Not, soziale Problemstellungen und mangelnde Bildung sind der Nährboden, auf dem sich Terrorismus konsequent weiter entwickeln wird.Die Probleme sind mit militärischen Mitteln oder den vielen, in den betroffenen Ländern offensichtlich sehr unkoordiniert arbeitenden Organisationen, kaum zu lösen.
Hier müssen außer dem Wunsch, den Menschen vor Ort - sarkastisch ausgedrückt "netterweise" - helfen zu wollen, völlig andere Parameter angesetzt werden. Klare strategische Konzepte mit einer für die Zivilbevölkerung erkennbaren Ergebnisdichte im Bereich der deutlichen Verbesserung ihrer Lebensqualität sind hier von den Verantwortlichen ab sofort in den Vordergrund zu stellen.

Rohstoffquellen und Terrorismus

Ferner sollte der aus den Folgen des nicht mehr weg zu diskutierenden Klimawandels entstehende Kampf um die zukünftig deutlich knapper werdende Ressource "Trinkwasser" neben dem ungehinderten Zugang zu den weltweiten Rohstoffquellen unbedingt in die veränderte Gesamtbetrachtung der Entwicklung von zukünftigen terroristischen Strukturen einbezogen werden.
Gerade aus diesen Bereichen heraus wird der internationale Terrorismus bereits heute und zukünftig genügend Anhänger finden, qualitativ völlig neue Betätigungsfelder einrichten und seine vermeintliche Handlungslegitimation ableiten.

Weitere terroristische Gruppierungen

Erkennbaren Aktivitäten der verschiedenen Rockergruppen oder Großstadtgangs haben hinsichtlich der Qualität ihrer kriminellen Handlungen schon den Status von terroristischen Gruppierungen und Aktivitäten erreicht. Hier ist durchaus zu befürchten, dass die wahrscheinliche Ausweitung ihrer strafbaren Handlungen in Kürze die Bewohnbarkeit von Stadtteilen oder Städten gefährden dürfte.
Die Ausbreitung und Einflussnahme von organisierten kriminellen Strukturen durch Korruption, Bestechung und Gewaltanwendung unterwandern alle Bereiche der Wirtschaft und des Handels. Dies wird zu einem erheblichen Imageverlust, Verunsicherung und damit als natürliche Folge zur Abwanderung von Firmen und Bewohnern aus den betroffenen Regionen führen.

Bedrohungspotential

Nach dem Giftgasanschlag auf die U-Bahn Tokio, der Bombe von Oklahoma und 9/11 sowie den fürchterlichen Anschlägen der kurz- und mittelfristigen Vergangenheit in Europa und Russland gibt es kaum noch ein Szenario, das von vornherein auszuschließen ist. So wie jedes vollgetankte Flugzeug ohne Vorwarnung zu einem Lenkflugkörper werden kann, kann ein Frachtschiff oder Tanker jede Hafenstadt angreifen. Biologische, chemische und atomare Waffen für Angriffe gegen Menschen oder gegen die Infrastruktur können in nahezu jeder Form in Transportgütern verborgen werden.
Neben der Gefahr für den Menschen werden dann nachhaltige Störungen der Infrastruktur bis hin zur völligen Zerstörung von Großstädten, verbunden mit einer langfristigen Umweltschädigung, die schreckliche Folge sein.

Zunkunftsperspektiven

  • Die Menschheit rühmt sich Ihrer religiösen und bildungstechnischen Errungenschaften und man spricht von einem beginnenden Zeitalter des "Wissens". Im Vordergrund steht aber nach wie vor das Horten von überproportionalem Reichtum Einzelner auf Kosten der Allgemeinheit. Damit verbunden ist auch immer eine Entwicklung von Konfliktpotenzialen.
  • Die Herstellung einer gerechteren Verteilung von Lebens- und Entwicklungsqualität ist der einzige richtige Schritt in ein neues Verständnis des gemeinsam zu erreichenden Fortschritts, auch wenn das die Aktivitäten des Terrorismus keinesfalls vollständig beenden wird.
  • Engagierte Politiker der weltweiten Staatengemeinschaft müssen endlich einmal tatsächlich neue gesellschaftliche Strukturen entwickeln. Nur so lassen sich die aus dem völlig unkontrollierten Gewinnstreben von Unternehmen und einzelnen Personen entstandenen Problemstellungen innerhalb der betroffenen Länder weitestgehend ausschalten. Letztlich würde dann auch der nationale und internationale Terrorismus einen Großteil seiner vermeintlichen Legitimation bei der jeweiligen Zivilbevölkerung verlieren und könnte in weiten Bereichen massiv zurückgedrängt werden.

Autor: Thomas F. Stöcker

Anlass: Terrorismus, Zukunftsperspektiven

Trotz schwer zutreffender Prognosen zur Entwicklung des internationalen Terrorismus sind die Folgen des Aufrufs zum Heiligen Krieg erkennbar: Die Bereitschaft zu Terrorakten nimmt zu. Rohstoffquellen werden von zukünftigen terroristischen Strukturen einbezogen werden. Terroristische Gruppierungen können urbanes Leben negativ beeinflussen. Eine gerechtere Verteilung von Lebens- und Entwicklungsqualität ist Voraussetzung für den Fortschritt, auch wenn das die Aktivitäten des Terrorismus keinesfalls vollständig beenden wird.

Sachbereich: A2 Aktuelles und Grundlagen - Sicherheitsrisiken/Bedrohungen

Schlagwörter: Bedrohungspotential, Dschihad, Heiliger Krieg, Terrorismus


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