Boorberg Verlag

Fußballspiele mit erhöhtem Risiko

11.07.2008

Fußballspiele mit erhöhtem Risiko

Als Spiele mit "erhöhtem Risiko" gelten nach den Richtlinien des DFB diejenigen Fußballbegegnungen, bei denen aufgrund der allgemeinen Erfahrung oder aktueller Ereignisse die hinreichende Wahrscheinlichkeit besteht, dass eine besondere Gefahrenlage eintreten könnte. Hierbei handelt es sich um eine personenbezogene Risikobewertung.

Risikobewertung

Die Entscheidung, ob es sich um ein Spiel mit einem erhöhtem Risiko handelt, obliegt in erster Linie dem Heimatverein. Es bedarf hierzu der Anhörung der für die Sicherheit verantwortlichen Organisationen, wie z.B. der Polizei. Es kann jedoch auch seitens des Gastvereins eine Empfehlung zur Einstufung erfolgen. Wird diese abgelehnt oder eine Begegnung als "Spiel mit erhöhtem Risiko"eingestuft, so ist der DFB über die Entscheidug zu unterrichten. In Ausnahmefällen kann auch dieser eine Bewertung und Festlegung treffen.

Neben der vorhandenen Erkenntnisse bedarf es auch der Beurteilung der Feindschaftsverhältnisse.
  • Unter einer Feindschaft ist zu verstehen, wenn beim Aufeinandertreffen der Anhänger - unabhängig der konkreten Umstände (z. B. Platzierung, Provokationen) - sofort mit gewalttätigen Auseinandersetzungen zu rechnen ist.
  • Rivalität bedeutet, dass die Fans der jeweiligen Vereine gewalttätige Auseinandersetzungen am Spieltag suchen. Diesen Auseinandersetzungen gehen erfahrungsgemäß Rituale sowie Provokationen voraus und sind von der Anzahl der jeweiligen Fans sowie des Sicherheitskonzepts abhängig.
Ist nach den vorliegenden Erkenntnissen von einer Feindschaft oder Rivalität auszugehen, so sollte die Begegnung als ein Spiel mit einem erhöhten Risiko eingestuft werden.

Sicherheitsmaßnahmen

Ist eine derartige Einstufung erfolgt, so sind die Sicherheitsmaßnahmen zu intensivieren, um einen störungsfreien Ablauf zu gewährleisten. Diese Maßnahmen können im Einzelnen sein:
  • Bewachung der Veranstaltungsstätte bereits in der Nacht vor der Spielbegegnung,
  • strikte Trennung der Zuschauer, ggf. auch entgegen dem Aufdruck auf der Eintrittskarte,
  • Einrichten von Freiblöcken zwischen den beiden Fangruppen ("Pufferblöcke"),
  • verstärkter Einsatz von Ordnern, insbesondere im Innenraum (Platzanlage), an den Auf- und Abgängen (Freihalten der Bereiche) im Stadion sowie zwischen den gewaltbereiten Fußballfans,
  • Begleitung der Gästefans durch eigene Ordner des Gastvereins,
  • Einsetzen eines Stadionsprechers der Gäste und
  • absolutes Alkoholverbot im Stadion.

Praxishinweise

  • Die Risikobewertung zur Einstufung von Fußballspielen kann nur verlässlich erfolgen, wenn alle zur Verfügung stehenden Informationen genutzt werden. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsbeauftragten und Polizei sowie Ordnerdiensten sowohl des Gastvereins als auch des Heimatvereins ist daher zwingend.
  • Die Sicherheitsmaßnahmen beschränken sich für alle Beteiligten bei "Fußballspielen mit erhöhtem Risiko" nicht nur auf die Veranstaltungsstätte, sondern beginnen weit im Vorfeld. Ein wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhang die kontrollierte An- und Abreise der Fans.

Autor: Marcel Kuhlmey

Anlass: Richtlinien zur Verbesserung der Sicherheit bei Bundesspielen

Feindschaftsverhältnisse oder andere besondere, veranstaltungsbezogene Ereignisse können insbesondere bei Fußballspielen zu einem erhöhten Risiko hinsichtlich des friedlichen Veranstaltungsablaufs führen. In diesem Zusammenhang sind gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen den jeweiligen Anhängern der Vereine zu befürchten.

Sachbereich: D6 Fachspezifische Themen - Veranstaltungssicherheit

Schlagwörter: Fußball, Risikobewertung Fußball, Veranstaltungsschutz


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