Boorberg Verlag

Sicherheitsinvestitionen schaffen Wettbewerbsvorteile

14.01.2011

Sicherheit schafft Wettbewerbsvorteile

Sicherheit gehört nach herrschendem betriebswirtschaftlichem Verständnis nicht zu den Kerninvestitionsfeldern von Wirtschaftsunternehmen. Das überrascht, da die Sicherheitsgefährdungen der Wirtschaft national und besonders international signifikant zunehmen.
  • Was zeichnet ein modernes Sicherheitsmanagement aus?
  • Wie können Unternehmen davon profitieren?
Nicht der Terrorismus allein und andere vermeintlich wirtschaftsexterne Faktoren wie Krieg, Bürgerkrieg und sonstige politische Krisen bedrohen die Wirtschaft, sondern vor allem die immanenten Risiken des weltweiten ökonomischen Netzwerkes, die gerade in Zeiten einer volatilen Wirtschaftsentwicklung zur unberechenbaren Gefahrengröße werden.
Zu diesen Risiken gehört vor allem ein aggressiver Wettbewerb, dessen Formen und Instrumente zwischen traditionellem Handel und Wirtschaftskrieg oszillieren. In dieser Risikozone entwickeln sich Wirtschafts- und Konkurrenzspionage, Produktsabotage, Markenpiraterie, reputationsschädigender Informationskrieg, Korruption und sonstige Angriffe auf die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit (vgl. auch Sicherheitsmelder, Sicherheit als bedeutender Wirtschafts- und Erfolgsfaktor [Robert F.J. Harnischmacher] vom 15.10.07).

Kein Bewusstsein der Bedrohung von Wirtschaftsprozessen

Trotz dieser Lage investieren viele Unternehmensführungen nur zurückhaltend in die Sicherheit oder denken sogar darüber nach, bestehende Sicherheitsstrukturen abzubauen. Es fehlt markant das Bewusstsein der tatsächlichen Bedrohung von Wirtschaftsprozessen, oder es ist lückenhaft. Vieles wird als "Übertreibung" von Sicherheitsfachleuten abgetan oder als realitätsfremd und naiv geleugnet. Was bringt uns das alles, so die legitime Frage des "ungläubigen Thomas", wenn wir in Sicherheit investieren. Vor diesem Hintergrund entsteht die Neigung, Sicherheitsfunktionen kostengünstig an externe Dienstleister outzusourcen. Weder ordnungspolitisch noch betriebswirtschaftlich entsprechen die Annahmen den Interessen der Unternehmen und berücksichtigen in ihrer operativen Konsequenz auch nicht die gesetzlichen Regelungen zur Risikohaftung der Unternehmensführung (z.B. Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich - KonTraG).

Sicherheit als Wirtschafts- und Erfolgsfaktor

Sicherheit ist ein an Bedeutung gewinnender Wirtschafts- und Erfolgsfaktor, vom Global Player bis zum mittleren und kleineren Unternehmen. Produktion, Vertrieb und Finanztransaktionen finden nicht in einem virtuellen, idealen und damit friedlichen Wirtschaftsraum statt, in dem politische, wettbewerbsbedingte und kriminelle Unsicherheit nicht existieren. Sicherheit steht nicht mehr allein im Vordergrund als physischer Schutz von Mitarbeitern und materiellen Ressourcen, sondern muss als Verteidigung des Gesamtgeschäftes gegen Angriffe und Gefährdungen aller Art verstanden werden. Von entscheidender Bedeutung ist Sicherheit für die Gesamtheit der Geschäftsprozesse, von der Produktentwicklung bis zur Produktvermarktung einschließlich der Sicherung vorteilhafter Wettbewerbsbedingungen. Diese Sicherheit erfordert die frühe und schnelle Identifikation von Sicherheitsrisiken (early warning system) und entsprechende Maßnahmen.

Erfolgreicher Wettbewerb

Ein modernes Sicherheitsmanagement schützt die für den erfolgreichen Wettbewerb unverzichtbare Überzeugungskraft der Marke von Unternehmen, denn am Anfang und Ende erfolgreicher Geschäftstätigkeit steht das Vertrauen der Geschäftspartner und Kunden in die Qualität und wirtschaftliche Beständigkeit der Marke und ihrem Wiedererkennungswert. Sicherheitsmanagement ist weder geschäftshemmender Selbstzweck noch kontraproduktive Investition und wird als Marken- und Geschäftsschutz in einer unsicheren Wirtschaftslandschaft zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor und strategischen Wettbewerbsvorteil.
Es kann nicht überraschen, dass Qualität und Erfolg des Sicherheitsmanagements beim Rating von Unternehmen Bedeutung hat. Professionelles und effizientes Sicherheitsmanagement führt nicht nur dazu, dass die Wahrscheinlichkeit hoher wirtschaftlicher Verluste minimiert wird, sondern trägt im Ergebnis mit anderen Faktoren auch zur Kostensenkung und Umsatzsteigerung bei.
Sicherheit wird im Zusammenhang der ökonomischen und politischen Globalisierung zu einem bedeutsamen Wirtschaftsfaktor und damit zu einem aktiven Beitrag zur Wertschöpfung. Investitionen in die Sicherheit sind daher ein strategisches Element zur Sicherung der Funktions- und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Es ist zu wünschen, dass dieser Grundsatz wie ein Axiom in der deutschen Wirtschaft die ihm angemessene Berücksichtigung findet.

Blick auf das Ausland

Das Ausland macht es uns vor: "Security" und "Business Intelligence" sind das "A & O". Als Beispiele dienen die École de Guerre Économique in Paris (EGE) als europäisches Gegenstück zur School of Information Warfare an der Georgetown University in Washington D.C. Das Pariser Institut des Hautes Études de Défense Nationale stellte bei einer Umfrage unter 1.200 französischen Unternehmen fest, dass sich die meisten von ihnen in einer "kriegsähnlichen Wettbewerbssituation" sahen. Makaber, dass es im Industrieland Deutschland keine vergleichbare Institution gibt. Industriespionage war gestern, heute ist das Internet die wirksamste Waffe im Informationskrieg.
"Geschlagen zu werden, ist verzeihlich. Sich überraschen zu lassen aber unentschuldbar", ein Zitat von Napoléon, das die "EGE" zu ihrem Motto gemacht hat. "Wirtschaftssoldaten" sind gefragt, zumal viele Prinzipien auf die Wirtschaft übertragbar sind. Manager lernen in Studiengängen strategisches und taktisches Denken zur Abwehr von nachrichtendienstlichem modi operandi, denn so manches Unternehmen wurde so durch wettbewerbsfeindliche Methoden (z. B. Spekulation) übernommen, in die Insolvenz geführt oder es ist als Marke vom Weltmarkt verschwunden.
Gerade asiatische Manager nehmen diese Studiengänge und Angebote in Washington D.C. oder Paris wahr, so weisen es die Belegungszahlen aus. Sie wollen für die Zukunftsfähigkeit im globalisierten knallharten Wettbewerb mit allen Mitteln gerüstet sein. Lernfähigkeit, Lernwilligkeit, Lernbereitschaft und Neugier auf das Neue sind als Zugewinn prognostisch "in", um die Zukunft zu gewinnen.

Praxishinweise: Gute Gründe für ein Sicherheitsmanagement

  • Die ständige Beobachtung und Prognose von Sicherheitsgefährdungen im In- und Ausland (risk forecast) ist für den Erhalt und die Fortentwicklung von Unternehmensressourcen und Geschäftsprozessen sowie für Investitionsentscheidungen täglich erforderlich.
  • Der Schutz des Unternehmenswissens gegen Wirtschafts- und Konkurrenzspionage und sonstigen Informationsabfluss gewährleistet die Wettbewerbsfähigkeit.
  • Der Schutz gegen vermögensschädigende, kriminelle Angriffe und Korruption bedeutet Abwehr von wirtschaftlichen Verlusten und Erhalt der Handlungsfähigkeit von Unternehmen.
  • Der Schutz vor reputationsschädigenden Desinformation bewahrt Ansehen und Integrität der Unternehmen und damit deren Marktchancen.
  • Die Existenz eines schnellen und effektiven Krisenmanagements bewirkt, dass die Geschäftstätigkeit von Unternehmen auch unter schwierigen Bedingungen möglich ist.

Autor: Robert F.J. Harnischmacher

Anlass: Wettbewerb Sicherheit

Sicherheitsgefährdungen der Wirtschaft, vor allem aggressiver Wettbewerb, nehmen national und  international zu. Trotzdem investieren Unternehmen zurückhaltend in die Sicherheit und planen, bestehende Sicherheitsstrukturen abzubauen und weiter outzusourcen. Im Zusammenhang mit den Interessen der Unternehmen muss auch die Risikohaftung beachtetet werden. Erfolgreicher Wettbewerb, wie Beispiele des Auslands zeigen, macht ein modernes Sicherheitsmanagement unverzichtbar.

Sachbereich: A1 Aktuelles und Grundlagen - Sicherheit im Wandel der Gesellschaft

Schlagwörter: Krisenmanagement, Sicherheitsmanagement, Wettbewerb, Wirtschaftsspionage


-