Boorberg Verlag

Runder Tisch zum Thema Fußball und Gewalt

20.11.2011

Runder Tisch "Fußball und Gewalt"

Gewalt ist ein stark umstrittener Begriff, dem man die Legitimität abspricht. Gewalt im Sport oder im Zusammenhang mit Sportereignissen beschäftigt seit den sechziger Jahren die Öffentlichkeit und die Medien (vgl. auch Phänomen Hooligan [Robert F.J. Harnischmacher], Sicherheitsmelder vom 11.5.06).
Auf Einladung des Bundesministers des Innern, Dr. Hans-Peter Friedrich, und des Vorsitzenden der Ständigen Konferenz der Innenminister und -senatoren der Länder (IMK), des Hessischen Ministers des Innern und für Sport, Boris Rhein, hat am 14. November 2011 erneut ein Runder Tisch zum Thema "Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen" getagt.
An der Veranstaltung im Bundesinnenministerium in Berlin nahmen neben den Einladenden der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, Dr. Theo Zwanziger, der Präsident des Ligaverbandes (DFL), Dr. Reinhard Rauball, Vertreter von Kommunalen Spitzenverbänden und der Koordinationsstelle Fanprojekte sowie weitere staatliche Verantwortungsträger, darunter der Berliner Innensenator Dr. Körting und der niedersächsische Innenminister Schünemann, teil.

Umsetzung des Zehn-Punkte-Plan für mehr Sicherheit

2010 hatten der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) einen Zehn-Punkte-Plan für mehr Sicherheit im deutschen Fußball aufgestellt. Das Maßnahmenpaket umfasste u.a.
  • Verzicht auf Spiele der Bundesliga und 2. Bundesliga ab dem 1. Mai 2011.
  • sorgfältige Prüfung der Spielansetzung für die Ligen darunter;
  • Einstellung von je einem hauptberuflichen Fan- und Sicherheitsbeauftragten in den Klubs;
  • Fanprojekten wurde ein besonderer Stellenwert eingeräumt und
  • die präventive Arbeit intensiviert.
Gemeinsam wurde erörtert, inwieweit der im April letzten Jahres vereinbarte Zehn-Punkte-Plan zur Bekämpfung der Gewalt rund um Fußballspiele bereits umgesetzt worden ist. Die Ereignisse der letzten Wochen wurden zum Anlass genommen, darüber hinausgehende Aspekte wie das Abbrennen von Pyrotechnik in Fußballstadien zu diskutieren. Der Bundesinnenminister erklärte im Anschluss an die Gespräche:
"Die jüngsten Ereignisse rund um Liga- und Pokalwettbewerbe zeigen, dass wir in unseren Anstrengungen für gewaltfreie Fußball-Events in Deutschland nicht nachlassen dürfen. Im Kampf gegen Gewalttäter, die Fans und Polizisten in Gefahr bringen und dem Fußball immens schaden, müssen wir alle an einem Strang ziehen - Vereine, Fans und Polizei. Nur mit einer Mischung aus präventiven und repressiven Maßnahmen lässt sich das Problem eindämmen."

Fanbeauftragte

Gemeinsam betonten der Bundesinnenminister und der hessische Innenminister, dass
  • die Berufung hauptamtlicher Sicherheitsverantwortlicher und Fanbeauftragter sowie
  • die Mitreise von Ordnern bei Auswärtsspielen
gelungene Ansätze darstellten, die allerdings auch auf die unteren Ligen ausgeweitet werden müssten.

Auch der strukturierte Fandialog, die Arbeit der derzeit 51 Fanprojekte und die Flexibilität in der Ligaplanung würden bereits dazu beitragen, dass manche gewalttätigen Auseinandersetzungen gar nicht erst entstünden. "Sofern es dann doch zu Ausschreitungen kommt, muss entschieden gehandelt werden. Das gilt nicht nur für die Polizei, sondern auch für die Sportvereine und -verbände.
Alle zur Verfügung stehenden Sanktionen müssen zur Not ausgeschöpft werden. Aber natürlich gilt es, möglichst Lösungen zu finden, die die Gewalttäter und nicht die vielen Millionen friedliche Fußballfans treffen", so Innenminister Rhein in Berlin. Man einigte sich darauf, dass eine "Task Force Sicherheit" konkrete Maßnahmen wie die verschärfte Handhabung von Stadienverboten oder Kartenkontingenten für Gästefans prüft.

Keine Legalisierung von Pyrotechnik in Stadien

Absichten zur Legalisierung von Pyrotechnik in Stadien erteilten Bundesinnenminister Dr. Friedrich und Innenminister Rhein eine klare Absage. "Angesichts der Gefahren und dem Störpotenzial von Pyrotechnik in Fußballstadien ist jegliche Diskussion über eine Legalisierung unangebracht", stellte Rhein fest.
Insgesamt machten Bundesinnenminister Dr. Friedrich und Innenminister Rhein deutlich, wie wichtig aus ihrer Sicht die klare Ächtung von Gewalt und Randale rund um Fußballspiele durch alle Beteiligten ist - durch Politik, Verbände, Vereine, aber auch durch die Fans und die Spieler selbst. Sie begrüßten ausdrücklich, dass seitens der Verantwortlichen im Sport, insbesondere zunehmend seitens der Vereinspräsidenten eindeutig Stellung bezogen wird.
"Mit dem Zehn-Punkte-Plan gehen Liga und Verband den richtigen Weg. Sie müssen sicherstellen, dass die Maßnahmen auch in der dritten und der zukünftig neu strukturierten vierten Liga greifen. Wir werden DFB und DFL auch weiterhin bei der Umsetzung unterstützen", so Friedrich.

Autor: Robert F.J. Harnischmacher

Anlass: Fußball und Gewalt

Gewalt im Sport oder im Zusammenhang mit Sportereignissen beschäftigt weiter die Öffentlichkeit und die Medien. Auf Einladung des Bundesministers des Innern und des IMK-Vorsitzenden hat am 14. November 2011 erneut ein Runder Tisch zum Thema "Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen" getagt. Erörtert wurde die Umsetzung des Zehn-Punkte-Plans des letzten Jahres. Die Ereignisse der letzten Wochen wurden zum Anlass genommen, auch das Abbrennen von Pyrotechnik in Fußballstadien zu diskutieren.

Sachbereich: B3 Prävention - Personal/Weiterbildung

Schlagwörter: Fußball, Hooligan, Pyrotechnik in Stadien


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